- Immer mehr Krankenhäuser nutzen Künstliche Intelligenz
- Die Anwendungen sind dabei vielfältig
- Wie sie Ärztinnen und Ärzte im Alltag unterstützt
Wenn ein Notruf eingeht, zählt oft jede Minute. Rettungskräfte messen Vitalwerte, versorgen Wunden und treffen Entscheidungen unter Zeitdruck. Was viele Patientinnen und Patienten nicht wissen: In immer mehr Fällen arbeitet dabei eine stille Helferin im Hintergrund: Künstliche Intelligenz. Sie wertet Daten aus, erkennt Risiken und unterstützt das Team in der Kommunikation mit den Notaufnahmen. Zwar ist das in Deutschland noch nicht die Regel. Dennoch tastet sich der Gesundheitssektor vom Rettungswesen bis zum Krankenhaus an die Künstliche Intelligenz heran.
Wie weit deutsche Krankenhäuser beim Einsatz von KI tatsächlich sind, zeigt die Untersuchung „KI im Gesundheitswesen“. Dafür haben die Digitalberatung nexum, die Beratungsgesellschaft HC&S und die DRF Luftrettung rund 60 Geschäftsführungen großer und mittlerer Kliniken bundesweit befragt. Das Ergebnis: 41 Prozent der Häuser haben bereits konkrete KI-Anwendungen eingeführt. Fast die Hälfte testet entsprechende Systeme, doch nur etwa jedes zehnte Krankenhaus zählt sich selbst zu den sogenannten Heavy Usern. Das bedeutet, dass KI dort bereits fester Bestandteil des Klinikalltags ist.
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Künstliche Intelligenz beschleunigt Entscheidungen in der Notfallmedizin
Laut Studie liegen die größten Potenziale der KI vor allem in der Notfallmedizin. Bereits 40 Prozent der „Heavy User“ setzen sie dort ein. Die Mehrheit von ihnen (80 Prozent) nutzt digitale Kommunikationslösungen, etwa um durch Echtzeitdaten Entscheidungen zu beschleunigen und Abläufe zu koordinieren. Ein Beispiel dafür ist der digitale Telenotarzt: Das von der RWTH Aachen entwickelte System verbindet Rettungsteams vor Ort in Echtzeit mit einem Notarzt, der per Video und mithilfe KI-gestützter Auswertungen Entscheidungen treffen kann.

„Die Vorreiter in Sachen KI spüren erhebliche Effizienzgewinne – vor allem in der Notfallmedizin“, sagt Krystian Pracz, Vorsitzender der Geschäftsführung der DRF Luftrettung. KI sei kein bloßes Verwaltungswerkzeug, sondern ein System, das Daten analysiere, Muster erkenne und Prognosen erstelle. „Gerade in der Notfallrettung gilt es, die erheblichen Potenziale konsequent zu heben, um noch mehr Menschenleben retten zu können.“
KI steuert und optimiert Beatmungsgeräte automatisch
In der Luftrettung etwa werden auch moderne Beatmungsgeräte von KI unterstützt. „Diese Systeme agieren autonom, analysieren kontinuierlich Patientendaten und treffen Entscheidungen, die klinisch einer ‚Künstlichen Intelligenz in der Beatmung‘ entsprechen“, erklärt Jörg Braun, Geschäftsführer und Leiter Medizin der DRF Luftrettung.
Dabei werden die passenden Einstellungen automatisch durch das Gerät vorgenommen – dies geschehe schonend und sicher für den Patienten. „Für uns in der Luftrettung bedeutet das einen Zeitgewinn und eine Erleichterung im Arbeitsalltag, etwa in der primären Beatmung von Notfallpatienten.“ Doch nicht nur bei Beatmungsgeräten komme KI zum Einsatz: Etwa beim Ultraschall erleichtere KI die Diagnostik durch Berechnungen und Messungen sowie Bildauswahl und Bildoptimierung.
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Künstliche Intelligenz entlastet auch Pflegekräfte im Klinikalltag
Auch über die Notfallmedizin hinaus verändert KI zunehmend den Klinikalltag. „Künstliche Intelligenz ist aus dem ärztlichen Alltag nicht mehr wegzudenken“, sagt Lena Selig, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie bei MediCordis. Das zeige sich zum Beispiel in der Endoskopie. „Bei Magen- oder Darmspiegelungen ist die KI in der Lage, direkt während der Untersuchung bei der Befundung zu unterstützen.“ Anhand bestimmter Muster erkenne die KI den Unterschied zwischen gutartigem, überschießendem Wachstum und möglichen bösartigen Neubildungen. Dennoch bleibe die finale Entscheidung immer beim Menschen: „Das letzte Wort haben dabei immer die Ärztinnen und Ärzte“, so Selig. „Denn die betrachten den Menschen ganzheitlich.“
Die meisten der befragten Häuser nennen Effizienzsteigerungen als wichtigste Folge des Einsatzes von KI. Radiologinnen und Radiologen berichten von verkürzten Befundzeiten, Pflegekräfte von einem insgesamt reduzierten Aufwand. Denn in einigen Häusern analysieren Programme kontinuierlich Vitalwerte von Patientinnen und Patienten und schlagen Alarm, wenn sich ein Zustand verschlechtert. Solche Frühwarnsysteme können Pflegekräfte entlasten, weil sie Veränderungen schneller sichtbar machen. Auch die Dokumentation lässt sich durch KI-gestützte Systeme effizienter gestalten. Insgesamt sehen laut Studie 60 Prozent der Nutzer Zeitgewinne von zehn bis 20 Prozent.
Bürokratie und Kosten bremsen KI-Einsatz in Kliniken
Trotz dieser Vorteile stößt die Einbindung von KI in der Praxis auf Hindernisse. Die größten Schwierigkeiten sehen die befragten Häuser in den Rahmenbedingungen, noch vor der Technik selbst. Am häufigsten genannt wurde die Sorge vor mangelnder Datensicherheit, vor allem durch gezielte Hackerangriffe auf Patientendaten. Auch die Kosten bleiben eine Herausforderung: 89 Prozent der Befragten sagen, sie würden verstärkt KI einsetzen, wenn sie es sich leisten könnten.
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„Die Ergebnisse der Studie zeigen: Der Weg zu einer flächendeckenden Nutzung von KI und weiterer Digitalisierung im Gesundheitswesen und insbesondere in den Krankenhäusern ist noch weit“, sagt Michael Klinkers, Vorstand der nexum AG. Das liege vor allem auch an der Bürokratie: „Die Politik redet über Künstliche Intelligenz, die Krankenhäuser kämpfen mit künstlicher Bürokratie“, sagt Nicolas Krämer, Vorstandsvorsitzender von HC&S. „Wenn wir weiter in Formularen statt in Anwendungen denken, wird KI zur nächsten vertanen Chance im Gesundheitswesen.“








