- Das kalte Wetter treibt die Heizkosten in die Höhe
- Energetisch sanierte Häuser können helfen, Geld zu sparen und gleichzeitig das Klima zu schützen
- Dennoch gibt es bei der energetischen Sanierung kaum Fortschritt
Das eisige Wetter in Deutschland scheint kein Ende zu nehmen. Bei den Minusgraden draußen drehen viele Haushalte die Heizung auf – und die Heizkostenrechnung steigt. Energetisch sanierte Häuser könnten das ändern: Sie verbrauchen weniger Energie und senken so dauerhaft die Kosten. Doch in Deutschland kommt die energetische Sanierung nur schleppend voran.
Dabei geht es um mehr als den privaten Geldbeutel. Der Gebäudesektor gehört zu den größten Treibern des Klimawandels. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur verursachten Gebäude im Jahr 2024 rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland, unter anderem, weil viele Häuser noch auf Öl und Gas für Heizung und Warmwasser setzen. Ein weiterer Grund ist der energetische Zustand vieler Gebäude. Besonders ins Gewicht fallen dabei die schlechtesten Gebäude der Klassen G und H, also häufig Häuser, die vor 1978 gebaut und bislang nicht saniert wurden. Sie allein sind für rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs im Gebäudesektor verantwortlich.
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Die Folgen zeigen sich nicht nur auf der Heizkostenabrechnung, sondern auch auf dem Immobilienmarkt. Denn energetisch schlecht aufgestellte Häuser gelten für viele Käuferinnen und Käufer als Risiko – wegen hoher laufender Kosten und absehbarer Investitionen. Wie deutlich sich das bereits im Preis niederschlägt, zeigt eine aktuelle Studie der Immobilienplattform ImmobilienScout24 im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG). Demnach erzielen Wohngebäude mit hoher Energieeffizienz am Markt bis zu 40 Prozent höhere Preise als unsanierte Vergleichsobjekte. Grundlage der Auswertung sind mehr als 310.000 Immobilieninserate aus dem Jahr 2025.
Sanierungsquote von Wohngebäuden erreicht neuen Tiefstand
Trotzdem kommt die Sanierung kaum voran. Im Jahr 2025 wurden nur rund 260.000 Wohneinheiten modernisiert – deutlich weniger als die 460.000, die laut Deutscher Energie-Agentur nötig gewesen wären, um die Klimaziele zu erreichen. Die Sanierungsquote bei Wohngebäuden lag damit im vergangenen Jahr nur bei 0,67 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Berechnung hervor, die das Marktforschungsinstitut B+L Marktdaten Bonn im Auftrag des BuVEG für das Jahr 2025 ermittelte und die dieser Redaktion exklusiv vorliegt. Nachdem die Quote 2024 noch bei 0,69 Prozent lag, und 2023 bei 0,70, erreicht sie einen neuen Tiefstand für die rund 19,5 Millionen Wohngebäude. Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, müsste die Quote laut Verband auf rund 2 Prozent steigen.

„Die Sanierungstätigkeit ist in Deutschland auf einem besorgniserregenden Niveau“, sagt Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des BuVEG. Das zeige sich auch bei öffentlichen Gebäuden. Denn auch hier gehe die Sanierung weiter zurück: Die Quote bei Nichtwohngebäuden lag 2025 nur noch bei 0,92 Prozent, nach 0,95 Prozent im Vorjahr. „Gerade in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen oder Verwaltungen besteht ein großer Sanierungsstau“, so Hinrichs. Hier könne das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität für einen Befreiungsschlag sorgen, sagt der Verbandschef: „Deutschland braucht nicht nur einen Bau-Turbo, sondern dringend auch einen Sanierungs-Booster!“
Unsichere Vorgaben lassen Sanierungen weiter stocken
Das gilt auch für private Gebäude. Hinrichs zufolge liegt die stockende Sanierung hier vor allem an fehlender Planungssicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher: „Sie wissen oft nicht, welche Vorschriften künftig gelten werden, und fühlen sich dadurch verunsichert.“
Wie früh dieser Stillstand beginnt, zeigt sich aus Sicht der Branche bereits bei vergleichsweise einfachen Maßnahmen. Selbst der Austausch alter Fenster kommt kaum voran, sagt Frank Lange, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade. „Neue Fenster sind häufig der erste Sanierungsschritt – bleibt dieser aus, stockt die gesamte Gebäudemodernisierung“, so der Verbandschef. „Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, sowohl in der Förderung als auch im Gebäudemodernisierungsgesetz.“
Gebäudemodernisierung: Regierung plant flexiblere Vorgaben
Politisch soll genau hier angesetzt werden. Die Bundesregierung will das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) überarbeiten und als Gebäudemodernisierungsgesetz neu aufstellen. Wie genau das neue Gesetz aussehen soll, ist noch offen. Die Vorstellung von Eckpunkten, die eigentlich für Ende Januar vorgesehen war, wurde verschoben, weil Union und SPD offenbar noch keine gemeinsame Linie gefunden haben. Anvisiert sind die Eckpunkte jetzt für Anfang Februar.
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Für Hinrichs ist entscheidend, dass das Gesetz lösungsoffener werde und die Realität im Gebäudebestand abbilde. „Jedes Gebäude ist anders, mit unterschiedlichem Sanierungsstand, und nicht jede Maßnahme ist für jeden nötig“, so Hinrichs. Manche Häuser brauchten kein neues Heizsystem, sondern eher neue Fenster. „Ein stärker lösungsoffenes Gesetz, das die Vielfalt der Gebäude berücksichtigt und flexible Maßnahmen erlaubt, würde die Verunsicherung deutlich reduzieren.“
Sein Rat an Eigentümerinnen und Eigentümer: sich frühzeitig beraten lassen. Energieberaterinnen und Energieberater, die kostengünstig etwa über die Verbraucherzentralen erreichbar sind, können individuelle Sanierungsfahrpläne erstellen. Sie können Maßnahmen sinnvoll aufeinander abstimmen und Fördermöglichkeiten aufzeigen.




