Hiobsbotschaft für Zalando-Mitarbeiter in Thüringen: Der deutsche Mode-Versandhändler hat angekündigt, Ende September sein Logistikzentrum in Erfurt mit 2.700 Beschäftigten schließen zu wollen. Das teilte der Dax-Konzern mit Hauptsitz in Berlin mit. Aktuell würden die Beschäftigten über die Pläne informiert.
Grund ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im vergangenen Jahr. Die Erfurter Betreibergesellschaft des Standorts und Konzerntochter stelle demnach zum Jahresende den Betrieb ein. Bis dahin laufe die Arbeit unverändert weiter.
Zalando bietet Mitarbeitern finanzielle Unterstützung und Jobperspektiven
Das Unternehmen beginne nun Gespräche mit dem Betriebsrat des Standorts über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, um den Betroffenen eine Perspektive zu geben, so Pressesprecher Christian Schmidt.
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Zalando-Co-Chef David Schröter signalisierte den Beschäftigten finanzielle Unterstützung. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte er an, der Konzern habe sich auf einen signifikanten Beitrag eingestellt. Ziel sei es, dass möglichst viele Mitarbeiter einen neuen Job finden – beispielsweise am Zalando-Standort in Gießen im benachbarten Hessen, der sich noch im Aufbau befinde.
Gewerkschaft: „War sicher schon vor Weihnachten bekannt“
Die Gewerkschaft Verdi spricht von einem perfiden Vorgehen. Im Dezember hatte Verdi an den Standorten Erfurt und Mönchengladbach zum Streik aufgerufen. Bis heute habe es keinerlei Signal gegeben, dass eine Schließung des Erfurter Standorts überhaupt im Raum stehe, sagte Matthias Adorf, Verdi-Gewerkschaftssekretär Handel in Thüringen.
„Das war sicherlich vor dem Weihnachtsgeschäft schon bekannt. Das haben die sich wahrscheinlich nicht in der Neujahrsnacht ausgedacht“, sagte Adorf. Aus Sicht des Gewerkschaftsvertreters hat der Konzern die Beschäftigten im Dunkeln gehalten, um das wichtige Weihnachtsgeschäft abzusichern.
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Das Logistikzentrum Erfurt war 2012 eröffnet worden. Es ist der einzige konzerneigene Logistikstandort in dieser Größe in Ostdeutschland, so Schmidt. Weitere große Logistikzentren betreibt Zalando in Gießen, in Lahr im Schwarzwald und in Mönchengladbach. Insgesamt sollen nach dem geplanten Umbau 14 Logistikzentren in sieben Ländern verbleiben.
Schwerdtner (Linke): „Raubtier-Kapitalismus“
Angesichts der geplanten Werksschließung des Online-Modehändlers Zalando in Erfurt hat die Chefin der Linken, Ines Schwerdtner, die Auszahlung von erhaltenen Subventionsleistungen an die Beschäftigten gefordert. „Der Konzern hat mehr als 22 Millionen Euro an Subventionen für die Ansiedlung in Erfurt kassiert. Diese Steuermillionen muss der Konzern umgehend in einen Topf einzahlen, aus dem die Mitarbeiter entschädigt werden, die hier jahrelang für wenig Geld geschuftet haben“, sagte Schwerdtner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies sei eine Frage des Respekts.
Zugleich forderte die Linken-Co-Vorsitzende, dass Bund und Länder Subventionen an strengere Auflagen binden sollten. „Wer subventionierte Werke und Standorte wieder schließt, muss die erhaltenen Steuergelder vollständig zurückzahlen. Es ist schließlich unser Geld, das in den Taschen der Aktionäre landet“, sagte Schwerdtner. Es sei „pervers“, dass Zalando im vergangenen Jahr Gewinne gemeldet habe, nun aber fast 3000 Beschäftigte entlassen wolle. „Der Konzern will seine Logistik wahrscheinlich an billigere Standorte verlagern, um noch höhere Profite einzustreichen. So sieht Raubtier-Kapitalismus aus“, sagte Schwerdtner.
dpa/jle




