Noch immer sind in Berlin 25.500 Haushalte ohne Strom. Heizungen bleiben kalt, Warmwasser gibt es nicht, der Handyakku neigt sich dem Ende zu. Wer nicht warten will, bis die Stromversorgung wiederhergestellt ist, sucht nach Lösungen – und landet auch bei Kai Hoffmann. Er ist Geschäftsführer der HO-MA Notstrom GmbH, die professionelle Aggregate herstellt. „Wir erhalten im Moment viele Anfragen von Privatleuten, die kleine Aggregate kaufen möchten“, sagt Hoffmann. „Dafür sind wir allerdings nicht die richtigen Ansprechpartner.“

Denn die Aggregate, mit denen Hoffmann arbeitet, sind keine Geräte für den Keller oder den Balkon. Es sind große, meist dieselbetriebene Generatoren, ausgelegt für den Dauerbetrieb, für Krankenhäuser, Industrieanlagen, Supermärkte. Entsprechend hoch sind Anschaffungs- und Wartungskosten. Für den Einsatz im Privathaushalt seien solche Systeme überdimensioniert. „Wer nur gelegentlich eins braucht, ist im Baumarkt besser aufgehoben“, sagt Hoffmann. Seit Beginn des Berliner Blackouts habe sein Unternehmen unter anderem eine Dialysestation sowie Supermärkte beliefert. Gleichzeitig bleibe Potenzial ungenutzt. „Wir könnten deutlich mehr liefern, aber unser Mietgeschäft wird bisher kaum genutzt“, sagt er.

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Stromausfall in Berlin
Ein Notstromaggregat steht in einem Garten. In Berlin sind Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt von dem Stromausfall betroffen.© Christophe Gateau/dpa | Christophe Gateau

Stromausfall: Unternehmen investieren erst nach teuren Schäden in Notstrom

Hoffmann fällt vor allem auf, wie unvorbereitet viele Unternehmen auf den Stromausfall gewesen seien. „Viele Unternehmen beginnen jetzt erst zu reagieren.“ Dabei sind die wirtschaftlichen Folgen eines Ausfalls oft drastisch. „Wenn Supermärkte Tiefkühlware wegwerfen müssen oder ein Tiefkühlhaus ohne Absicherung ausfällt, wird es sehr teuer“, sagt Hoffmann. Häufig folge die Investition in Vorsorge aber erst nach dem Schaden. Dabei sei die Rechnung eigentlich einfach: „Wenn ein Supermarkt 50.000 Euro an Lebensmitteln wegwerfen muss, hätte er sich für 30.000 Euro vielleicht das Notstromaggregat anschaffen sollen.“ Teuer in der Anschaffung, ja. „Aber im Ernstfall ist es eigentlich unbezahlbar.“

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Nicht nur für einzelne Gebäude: Aggregate könnten Hoffmanns Einschätzung nach ganze Straßenzüge absichern. „Wenn ein großes Umspannwerk ausfällt, könnte man viele der kleineren Trafostationen in der Stadt vorübergehend mit mobilen Notstromaggregaten versorgen.“ Diese Trafostationen verteilen den Strom in einzelne Straßenzüge. „Speist man sie mit Aggregaten, hätten ganze Viertel wieder Strom, während die Reparaturen am Netz weiterlaufen.“ Nötig wären „je nach Lage 100 bis 200 Aggregate sowie Abstimmung mit den Netzbetreibern“. Aus Hoffmanns Sicht eine praktikable Übergangslösung, die bislang nicht genutzt werde.

„Grundsätzlich muss die Regierung sicherstellen, dass genug Aggregate verfügbar sind.“

Kai Hoffmann, Geschäftsführer von HO-MA Notstrom GmbH
Kai Hoffmann, Geschäftsführer der HO-MA Notstrom GmbH

Notstromaggregate nützen ohne Treibstoff nur kurzfristig

Doch was passiert, wenn durch einen Ausfall nicht einzelne Viertel, sondern ganze Regionen betroffen sind? Dann entscheidet Hoffmann zufolge nicht nur die Zahl der Aggregate, sondern auch die Versorgung mit Treibstoff. Denn: Notstromaggregate laufen in der Regel mit Diesel. Krankenhäuser sind vorbereitet, sie halten Reserven für zwei bis drei Tage vor. Doch was passiert danach? „Wenn dann keine Tankstellen funktionieren, hilft das beste Notstromaggregat nichts“, sagt Hoffmann. Viele Tankstellen hätten selbst keinen Notstrom, eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht. Fällt der Strom großflächig über Tage aus, können Einsatzfahrzeuge nicht tanken, und auch Aggregate können nicht befüllt werden. Deswegen sei hier die Vorsorge alles.

Für Hoffmann ist klar: Die Verantwortung liegt aber nicht allein bei Unternehmen. „Grundsätzlich muss die Regierung sicherstellen, dass genug Aggregate verfügbar sind.“ Denn: Eine echte Alternative zu Aggregaten sieht Hoffmann nicht. Batterien könnten zwar kurzfristig helfen, aber nur begrenzt. „Womit lade ich die Batterie, wenn kein Strom da ist? Dann nützt sie nichts.“