• Immer mehr Unternehmen setzen auf Künstliche Intelligenz
  • Experten in den USA warnen deswegen vor der Vernichtung von Arbeitsplätzen
  • Aber wie sehen deutsche Experten das? Ein Überblick

Bleiben Menschen auf dem Arbeitsmarkt künftig auf der Strecke, wenn mehr und mehr Künstliche Intelligenz (KI) Tätigkeiten übernimmt? Das ist denkbar, sagt der Chef des US-KI-Unternehmens Anthropic, Dario Amodei, und spricht von Massenarbeitslosigkeit und der Vernichtung von Millionen an Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten – vor allem bei einfacheren Tätigkeiten – und das schon bis 2029.

In Deutschland werden die Aussichten größtenteils weit weniger dramatisch eingeschätzt. Der neue Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU), sagte dieser Redaktion: „Eines steht fest: Wenn wir KI nicht breit einsetzen, riskieren wir mehr Arbeitsplätze, als wenn wir sie mutig und verantwortungsbewusst nutzen. Im internationalen Wettbewerb werden nur die effizientesten Volkswirtschaften wachsen und ihren Wohlstand sichern. Ich werde alles dafür tun, dass Deutschland mit dazugehört.“

Auch interessant

Künstliche Intelligenz fordert lebenslanges Lernen immer stärker

Wildberger zufolge könne KI dem Fachkräftemangel in vielen Bereichen entgegenwirken und dort eingesetzt werden, wo Fähigkeiten heute fehlten. Gleichzeitig würden durch KI neue Geschäfts- und Tätigkeitsfelder entstehen, die man sich heute noch nicht vorstellen könne. Dieser Wandel müsse aktiv begleitet werden. „Lebenslanges Lernen wird dabei wichtiger denn je“, so der frühere Media-Markt-Saturn-Chef.

Auch beim Softwarekonzern SAP, Deutschlands wertvollstem Unternehmen, sieht man in KI keinen Job-Killer. „Bei SAP sehen wir Künstliche Intelligenz als Chance. Unser Fokus liegt darauf, Mitarbeitende weiterzubilden und neue, wertschöpfende Tätigkeiten zu ermöglichen. So konnten wir zum Beispiel die Produktivität unserer Entwickler mit Hilfe von KI um 30 Prozent steigern“, sagte der Vorstandschef des Unternehmens, Christian Klein, dieser Redaktion.

232344_1325_232344_cover.jpg
#33 Katharina Dröge über den Showdown mit Friedrich Merz - und ihre Sünden im Kölner Karneval
Meine schwerste Entscheidung
 

Künstliche Intelligenz soll laut SAP-Chef Routinearbeiten ersetzen

Er glaube aber, dass KI Jobs in allen Industrien verändern werde. „Dröge Routineaufgaben werden wegfallen, was Zeit für kreatives Denken und echte Wertschöpfung freimacht. Wir glauben an ein Wachstum durch Technologie, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, so Klein weiter.

Automated Robot Carriers And Robotic Arm In Smart Distribution Warehouse
Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) will Künstliche Intelligenz (KI) mutig nutzen. Experten erwarten vor allem die Übernahme einfacher Tätigkeiten durch KI.© Getty Images | imaginima

Die Haltung des SAP-Chefs deckt sich mit weit verbreiteter Forschungsmeinung hierzulande. „KI wird ohne Zweifel unsere Arbeit umfassend verändern. Allerdings wissen wir für Deutschland, dass KI derzeit komplementär zu menschlicher Arbeit eingesetzt wird, um Menschen von Routinetätigkeiten zu entlasten und Zeit für andere Aufgaben freizumachen“, sagte Vera Demary, Leiterin des Themenclusters Digitalisierung & Klimawandel am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) dieser Redaktion.

Bitkom erwartet „spürbare Effekte“ bei einfachen Jobs

Demray verwies auch auf den Fachkräfteengpass hierzulande. Dieser werde sich durch die demografische Entwicklung weiter verschärfen und KI dürfte dabei helfen, anfallende Arbeit überhaupt noch bewältigen zu können. „Ein durch KI ausgelöster derartiger Anstieg der Arbeitslosigkeit zeichnet sich bei uns daher nicht ab. Dennoch ist klar, dass die Belegschaften beim Thema KI mitgenommen werden müssen, etwa durch Weiterbildung, die den Umgang mit der Technologie erleichtert“, so die Wissenschaftlerin weiter.

Auch interessant

Auch der Digitalverband Bitkom sieht keinen Grund, mit Blick auf den vermehrten Einsatz von KI besorgt zu sein – auch, wenn es Auswirkungen auf Arbeitsplätze geben könnte, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder zu dieser Redaktion. „Es wird auch Tätigkeiten geben, die künftig kaum noch von Menschen ausgeführt werden, zum Beispiel technische Übersetzungen oder einfache Bürotätigkeiten wir das Anfertigen von Mitschriften, Protokollen oder Standard-Schriftverkehr. Im Arbeitsmarkt wird es spürbare Effekte zunächst bei solch einfachen, digitalen oder digitalisierbaren Aufgaben geben, das gilt auch für das Programmieren“, sagte Rohleder.

Kann deutsche Wettbewerbsfähigkeit sogar zulegen?

Auch er verweist allerdings auf die jetzt schon bestehende Fachkräftelücke. „Für Deutschland lässt sich sagen, dass KI auf absehbare Zeit keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben wird, sondern umgekehrt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöht und die Leistungsfähigkeit der Verwaltungen und öffentlicher Dienste hoffentlich erhält“, so der Bitkom-Chef.

In Ländern mit anderer demografischer Struktur, in denen viele junge Menschen auf den Arbeitsmarkt drängten, sehe es jedoch ganz anders aus: „Heute arbeiten sie häufig an der so genannten verlängerten Werkbank westlicher Unternehmen“, so Rohleder. Dort jedoch nehme künftig die KI Platz.

Dieser Artikel erschien zuerst im Mai 2025.