Wenn Klaus Gjasula spricht, klingt es selten spektakulär – aber immer klar. Keine Schlagworte, keine Floskeln. Sondern Einschätzungen aus der Kabine, aus dem Maschinenraum eines Traditionsvereins. In der 100. Ausgabe des Drittliga-Podcasts 4 zu 3 gewährte der Mittelfeldspieler von Rot-Weiss Essen tiefe Einblicke – in die Dynamik seiner Mannschaft, in Führungsfragen und in einen EM-Moment, der ein ganzes Land bewegte.

Die Jubiläumsfolge fand nicht im Studio statt, sondern in der Kölner Fankneipe Gottes Grüne Wiese – bewusst nah an den Fans, mit viel Atmosphäre und ohne Distanz. Urig und somit passend für das Format und die Ausgabe. Die Drittligafans folgten der Einladung, zahlreiche Essener Fans fuhren ins Rheinland, aber auch Anhänger von Energie Cottbus oder dem SSV Ulm waren zugegen.

RWE-Profi Gjasula voll des Lobes für das Team: „Haben wirklich eine sehr gute Mannschaft“

Zum festen Kern des Podcasts gehört die Magena-Crew bestehend aus Christian Straßburger, Thomas Wagner, Yannick Bakic und Tobi Schäfer, die Woche für Woche das Geschehen der 3. Liga analysieren. Zum runden Jubiläum war Gjasula einer von vielen Gästen. Der Routinier äußerte sich wie gewohnt sachlich und reflektiert zum Status Quo der Essener.

Rot-Weiss Essen - TSV Havelse
Ein individuell starkes Team: Klaus Gjasula (rechts) ist von den Qualitäten seiner Mitspieler überzeugt. © FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

„Wir haben wirklich eine sehr gute Mannschaft. Die Harmonie in der Truppe ist sehr gut“, sagte der 36-Jährige. Harmonie sei kein Nebenschauplatz, sondern Grundlage für Erfolg. „Du brauchst das Gefühl, dass alles passt.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass die sportliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen sei. Mehr Konstanz in den Ergebnissen sei das Ziel. In einer Liga, in der „jeder jeden schlagen kann“, sei das jedoch kein Selbstläufer.

RWE: Gjasula hebt in Magenta-Podcast die Breite des Kaders hervor

Gerade darin sieht Gjasula einen paradoxen Vorteil. Ohne längere Siegesserien, ohne Flow wie ihn andere Teams phasenweise hatten, bleibe die Mannschaft wach. „Du kommst nie in die Gefahr, dich zurückzulehnen.“ Das koste Kraft, schärfe aber den Fokus. Wichtig sei, dauerhaft in der Punkte-Range zu bleiben – immer nah dran an den Aufstiegsplätzen.

Thematisiert wurde auch das aufsehenerregende Interview von Offensivspieler Marek Janssen, als dieser Uwe Koschinat für seinen Bankplatz kritisierte. Gjasula stellte klar, dass die Aussagen nicht für Team und Verein stünden. Gleichzeitig betonte er, Janssen habe seinen Fehler schnell eingesehen und sich entschuldigt. „Er hat wie ein Großer reagiert.“ Fehler gehörten dazu, entscheidend sei der Umgang damit. Intern sei das Thema erledigt – zumal Janssen sportlich derzeit eine wichtige Rolle spiele.

Überhaupt hob Gjasula die Breite des Kaders hervor. Natürlich sei es hilfreich, einen Stürmer im Lauf zu haben. Doch Rot-Weiss Essen habe in dieser Saison mehrfach gezeigt, dass Impulse auch von der Bank kämen. Selbst Spieler wie Ahmet Arslan, zuletzt mit weniger Einsatzzeit, blieben essenziell für das Gefüge. Arslan sei ehrgeizig, professionell und wichtig für die Gruppe. „Wir hoffen, dass sich das wieder ändert“, sagte Gjasula.

RWE: Gjasula reagiert auf Frage nach EM-Tor für Albanien emotional

Auf die Frage nach prägenden Trainern nannte er Steffen Baumgart. Dessen direkte, ehrliche Art habe ihn besonders beeinflusst. „Straight, ehrlich, direkt – dann weiß man, woran man ist.“ Klare Linien statt Unklarheit – ein Prinzip, das auch Gjasula selbst verkörpert.

Emotional wurde es, als das Gespräch auf sein EM-Tor für Albanien gegen Kroatien kam. Während des Spiels habe er den Moment kaum wahrgenommen. „Man ist im Tunnel.“ Erst später, bei einem Videotelefonat mit seinen Eltern, sei ihm bewusst geworden, welche Bedeutung dieses Tor hatte. Im anschließenden Urlaub in Albanien habe ein fremder Mann ihn am Strand angesprochen, um ein Foto gebeten und unter Tränen erzählt, was dieser Treffer für ihn bedeutet habe. „Dann haben meine Eltern geweint. Dann haben alle geweint“, berichtete Gjasula. Es war ein Moment, der zeigte, wie weit Fußball über 90 Minuten hinausreichen kann.

Zum Ende richtete sich der Blick auf das anstehende Spiel gegen Aachen – emotional aufgeladen, auch wegen negativer Erinnerungen aus der Vorsaison, als die Essener aus der Winterpause kamen und beim 0:2 einen desolaten Auftritt hinlegten. Gjasula blieb im Hier und Jetzt. Das Ergebnis von damals bleibe, aber es sei Vergangenheit. Entscheidend sei die aktuelle Situation – und die sei stabil. „Wir wissen, was wir bringen müssen.“ Er selbst sei „heiß“.

Die abschließende Frage nach einem möglichen Aufstieg beantwortete er diplomatisch. „Wir wissen es alle nicht“. sagte der Mittelfeldmann mit Blick auf die Dichte in der Spitzengruppe der 3. Liga. Mehr wollte er nicht sagen. Die Hoffnung in der Kneipe war dennoch greifbar bei den Fans – getragen von einer Mannschaft, die auf Harmonie setzt, und einem Führungsspieler, der Verantwortung nicht laut, sondern klar definiert.