Die Sportfreunde Siegen haben im Testspiel beim TSV Steinbach Haiger ein echtes Ausrufezeichen gesetzt und den Regionalligisten aus der Liga Südwest mit 8:2 (5:2) deutlich besiegt.
Früher Druck, frühe Führung
Bei Top-Bedingungen im Sibre-Sportzentrum Haarwasen in Haiger sahen die 926 Zuschauer in den ersten Minuten ein intensives Testspiel, in dem Steinbach zunächst mehr Ballbesitz hatte. Die erste nennenswerte Gelegenheit gehörte dem TSV: Jakob Pfahl köpfte nach wenigen Augenblicken über das Tor.
Kurz darauf kippte die Partie. Nach einem Foul im Strafraum der Steinbacher zeigte der Schiedsrichter früh auf den Punkt. Serhat Semih Güler übernahm die Verantwortung und verwandelte den Strafstoß trocken – die frühe Führung für die Sportfreunde.
Siegen agierte taktisch variabel: Bei eigenem Ballbesitz formierten sie sich im 4-3-3, gegen den Ball im 4-4-2, zwischendurch war sogar eine Raute im Mittelfeld zu erkennen.
Spektakuläre Standards und eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte
Nach gut einer Viertelstunde kam Steinbach zurück ins Spiel. Eine scharf getretene Ecke wurde im Strafraum verlängert, am zweiten Pfosten stieg Nick Galle hoch und köpfte aus kurzer Distanz zum Ausgleich ein.
Wie wir von der ersten Minute bis zur letzten Minute diesen Hunger noch hatten, das hat mir schon sehr, sehr gut gefallen.
Boris Schommers, Trainer Sportfreunde Siegen
Die Antwort der Sportfreunde ließ aber nicht lange auf sich warten. Wenige Minuten später bekamen sie nach einem Foul an Dennis Brock einen Freistoß von der rechten Seite zugesprochen. Eros Dacaj trat an und zirkelte den Ball aus schwierigem Winkel ins linke obere Eck – ein Tor wie gemalt. Für Dacaj, der in der vergangenen Saison noch für Steinbach gespielt hatte, war es ein Treffer an alter Wirkungsstätte mit besonderer Note.
Effizienz und gnadenlose Chancenverwertung
Rund eine halbe Stunde war gespielt, als Siegen seine Kaltschnäuzigkeit erneut zeigte. Nach einem kolossalen Fehlpass der Steinbacher Innenverteidigung eroberte Dustin Willms zentral den Ball, lief allein auf Ibrahim zu und schob den Ball knochentrocken an den Pfosten, von wo er zur komfortablen Führung über die Linie sprang.
Das nächste Tor fiel erneut über die zentralen Akteure des Tages. Zunächst scheiterte Willms noch an Keeper Ibrahim, doch Cueto stand goldrichtig und verwertete den Abpraller zum nächsten Treffer. Die Sportfreunde nutzten ihre Chancen konsequent und demonstrierten ein effizientes Offensivspiel.
Steinbach setzte kurz vor der Pause ein Lebenszeichen. Nach einer schönen Kombination bereits im Mittelfeld spielten sich die Gastgeber sauber nach vorne, am Ende stand Jakob Pfahl frei und schob zum 4:2 ein. Doch noch vor dem Halbzeitpfiff geriet der TSV erneut ins Hintertreffen: Nach einem energischen Lauf von David Kammerbauer bediente dieser Güler im Strafraum. Dessen Abschluss aus spitzem Winkel schien zunächst abgewehrt, dann lenkten gleich mehrere Steinbacher Akteure die Kugel unglücklich ins eigene Tor – das 5:2.
Neun neue Kräfte und weitere Tore
Bei Siegen blieb nach der Pause die Grundstruktur zunächst erhalten, später kam bei den Sportfreunden Jan-Luca Rumpf für Florian Mayer.

Doch die Gäste knüpften schnell an ihre Effizienz aus Halbzeit eins an. Nach einer Flanke von Lucas Cueto war erneut Güler zur Stelle. Aus kurzer Distanz vollendete er zum nächsten Siegener Tor und schraubte das Ergebnis weiter in die Höhe.
Kurz danach setzte Trainer Boris Schommers ein deutliches Zeichen: Zunächst ersetzte Leon Pursian den auffälligen Rikuhei Nabesaka, wenig später vollzog der Coach einen großen Blockwechsel. Neun Spieler verließen in der 63. Minute das Feld. Frische Kräfte wie Pascal Manitz, Tom Gutsch, Shaibou Oubeyapwa, Ömer Tokac, Arif Güclü, Hassan El Chaabi, Elias Huth, Konstantin Gerhardt und Hamza Saghiri bekamen ihre Einsatzzeit.
Die Umstellungen hatten sofort Wirkung. Ömer Tokac tauchte frei vor dem eingewechselten Steinbacher Torwart Dogan auf, scheiterte zunächst an ihm. Doch der Ball blieb heiß, und Elias Huth, Neuzugang von Vitesse Arnheim, schaltete am schnellsten. Eiskalt schob er den Abpraller ins Netz und setzte damit seinen ersten sichtbaren Akzent im Sportfreunde-Dress.
Starke Offensive und später 8:2-Endstand
In der Schlussphase sorgte Siegen noch einmal für ein Ausrufezeichen. Nach einem Angriff über die neu formierte Offensivreihe legte Ömer Tokac den Ball in den Strafraum, Arif Güclü setzte nach und brachte das Spielgerät zum 8:2-Endstand ins Tor.
Zufrieden zeigte sich nach dem Abpfiff Trainer Boris Schommers. Der SFS-Coach sprach von einem „sehr gelungenen Härtetest“ und lobte vor allem die Haltung seiner Mannschaft: „Wie wir von der ersten Minute bis zur letzten Minute diesen Hunger noch hatten, das hat mir schon sehr, sehr gut gefallen.“ Das deutliche Ergebnis wollte Schommers dabei nicht überbewerten – es trüge „ein bisschen“, so der Trainer.
Mit dem Auftritt der Neuzugänge zeigte sich Schommers zufrieden. Serhat Semih Güler traf dreifach, Elias Huth benötigte nach seiner Einwechslung nur rund 20 Sekunden bis zum ersten Treffer. „Besseren Einstand gibt es nicht“, sagte Schommers über den von Vitesse Arnheim gekommenen Angreifer. Gleichzeitig hob er die Rolle von Lucas Cueto und Michel Stöcker hervor: „Hier zählt nur die Gemeinschaft der Sportfreunde Siegen, und da integrieren sie sich ganz gut.“
Den Blick richtete der Trainer bereits auf den Ligastart bei Westfalia Rhynern. Vor dem Gegner, der unter der Woche beim Drittligisten SC Verl mit 3:2 gewonnen hatte, warnte Schommers ausdrücklich: „Das wird sicherlich körperlich eine ganz andere Gegenwehr sein als heute.“
Sportfreunde Siegen: Johnen (63. Manitz) - Nabesaka (57. Pursian), Mayer (46. Rumpf), Stöcker (63. Gutsch), Kammerbauer (63. Gerhardt), Brock (63. Oubeyapwa), Cueto (63. El Chaabi), Dacaj (63. Tokac), Ramaj (63. Güclü), Willms (63. Saghiri), Güler (63. Huth).



