Beim Fußball geht es eigentlich hauptsächlich um Geschwindigkeit. Doch was, wenn passionierte Sportler ihre liebste Freizeitbeschäftigung nicht mehr ausüben können, weil zum Beispiel die nötige Kondition fehlt oder sie Verletzungen ausbremsen? „Dann können sie gern zu unserer Walking-Football-Gruppe auf dem Giersberg kommen“, sagt der 58-jährige Michel Ballarini.
Er leitet das besondere Sportangebot, das montags um 20 Uhr Begeisterte jeden Fitnessgrades zum Sportplatz „Am Sender“ lockt. Natürlich macht er selbst auch tatkräftig mit.
Walking Football findet schnell begeisterte Mitspieler
Die SG Siegen-Giersberg ist einer der ersten Vereine im Raum Siegen, der „Walking Football“ ermöglicht. Michel Ballarini kam die Idee, als er etwas Ähnliches im Fernsehen sah und zufällig kurz danach mit Christian Janusch vom Kreissportbund Siegen-Wittgenstein darüber sprach. Er erzählte von einem losen Treffen nahe des Leimbachstadions, bei dem Interessierte aus Spaß an der Freude langsamen Fußball spielten.
„Das wollte ich für unseren Verein auch und fragte gleich bei WhatsApp herum, wer Interesse hat“, erinnert sich Michel Ballarini an den Start zurück. Dieser ist erst ein paar Wochen her, aber von Anfang an zündete die Idee. Knapp zehn Teilnehmer halten seither dem Angebot die Treue, die Altersspanne reicht von 36 bis 68 Jahren. Es ist aber ausdrücklich jeder willkommen.
Walking Football als Alternative zum intensiven Ballsport
Ob aus gesundheitlichen Gründen oder schlicht durch das fortschreitende Alter: Es gibt viele Argumente für eine gemäßigte Form des allseits beliebten Fußballsports. Auch jüngere Menschen, die sich mit einem solch intensiven Training wie im „klassischen“ Fußball nicht wohlfühlen oder sich als bisheriger Sportmuffel erst einmal ausprobieren möchten, können teilnehmen.
Der 50-jährige Tilmann Fuchs kam zum Beispiel dazu, weil er nach mehreren Verletzungen und Knieproblemen an Gewicht zunahm und das Training vernachlässigte. „Es ist die perfekte Chance, um wieder reinzukommen“, zeigt er sich vom Walking Football begeistert. „Man merkt nachher, dass man was getan hat, ohne dabei ein hohes Verletzungsrisiko zu haben“.
Er gibt aber auch zu, sich als erfahrener Spieler, der ursprünglich aus dem „richtigen“ Fußball kommt, etwas bremsen zu müssen. Stets wird betont: der Spaß steht im Vordergrund, es geht weniger um Ehrgeiz.

Viele Teilnehmer sind ältere Vereinsmitglieder der SG Giersberg, die nach einer aktiven Phase als passive Mitglieder angemeldet blieben. Man wollte mit Walking Football hier nicht nur, wie für die meisten Vereine üblich, die Jugend unterstützen, sondern auch etwas für die Bewegung im Alter tun. Gleichzeitig spielt der Gedanke von Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl eine Rolle, der für Menschen unabhängig ihres Alters und ihrer körperlichen Voraussetzungen gelten soll.
Michel Ballarini ist seit 1979 im Verein, zunächst in der Jugend, dann auch als Trainer. Zuletzt spielte er bei den „Alten Herren“, was aber auch zur Herausforderung wurde, da die Knochen nicht immer mitmachten. Er wünscht sich mit dem Angebot einerseits, selbst wieder aktiv zu werden.
Andererseits freut er sich aber auch darüber, alte Freunde zu treffen. „Viele haben schon in der Jugend mit mir hier im Verein gespielt und jetzt sieht man sich wieder und bewegt sich und tut etwas Gutes für sich an der frischen Luft“, ist er sichtlich glücklich. „Natürlich bleibt man danach auch mal gern gesellig beieinander, bei dem einen oder anderen kühlen Bier“.
Normale Fußballregeln, aber entschleunigt
Der Einstieg ins Walking-Football dürfte gerade langjährigen Fußballfans leicht fallen. Denn die Grundregeln sind natürlich identisch: Der Ball muss von der Mannschaft ins Tor befördert werden. Jedoch ist das Laufen verboten, ebenso wie Bälle, die oberhalb der Hüfte gespielt werden. Nur flache Pässe sind erlaubt, zudem muss jederzeit ein Fuß den Boden berühren.
Als Spielfeld dient ein sogenanntes Kleinfeld mit kleineren Toren. Dieses ist für die Gruppe der SG Giersberg montags abends um 20 Uhr frei. „Wie es im Winter weitergeht, wissen wir noch nicht“, sagt Michel Ballarini. „Wir hoffen aber, dass wir auch einen Hallenplatz ergattern können“.
Bis dahin steht der Termin für „Walking Football“, solange sich genügend Teilnehmer finden, bis in den Herbst zu den ersten Minusgraden. Interessierte können sich direkt per E-Mail an Michel Ballarini wenden (micha2112.mb@gmail.com) oder an einem Montagabend von 20 bis 21 Uhr zum Probetraining „Am Sender“ vorbeischauen.


