Ihre Blessuren könnten unterschiedlicher kaum gewesen sein, aber dennoch eint Sarah Schäperklaus und Niklas Röttger vom Marathonclub Menden ein Schicksal: Die letzten Monate verliefen alles andere als geplant, beide Lausportler mussten sich nach unfreiwilligen Pausen erst wieder zurückkämpfen, verloren aber nie ihren Optimismus – und nun will das Duo am 8. März bei der Straßen-DM in Uelzen richtig durchstarten. Während die 26-jährige Neheimerin gleich viele Hürden auf einmal überwinden musste, wusste ihr fünf Jahre jüngerer MCM-Kollege monatelang nicht, was ihm überhaupt fehlt.
Bereits Ende Dezember hatte sich Schäperklaus für die 3000 Meter bei der Hallen-DM in Dortmund qualifiziert. „Dort würde ich dann eigentlich am 27. Februar starten. Aber die letzten beiden Monate liefen nicht ganz so optimal. Wie das eben schon mal so ist“, sagt die Top-Athletin. Nach dem Silvesterlauf von Werl nach Soest ist sie kurz darauf über 1500 Meter bei einem Hallen-Event gestartet. „Ich hatte danach drei Wochen lang Probleme mit meinem Fuß. Die Wettkämpfe waren kurz hintereinander, das war eine große Belastung. Vielleicht es ist dabei passiert“, mutmaßt sie.
Sarah Schäperklaus: Fußprobleme, Krankheit und Stress
Gezieltes Training war in der Zeit nicht drin. Auf dem Niveau, auf dem Schäperklaus für gewöhnlich läuft, macht sich das schnell bemerkbar. „Tempo-Training habe ich normalerweise dreimal die Woche. Und da hatte ich es drei Wochen gar nicht.“ Rückschlag Nummer eins – aber noch war Zeit bis zu den deutschen Hallen-Meisterschaften. „Ich hatte gehofft, dass ich doch noch dabei sein kann.“ Aber: Wenn es einmal nicht läuft...
Anfang Februar bremste Schäperklaus zusätzlich eine Magen-Darm-Erkrankung, dazu hatte sie noch eine wichtige mündliche Prüfung. Denn sie hat ihre dreijährige Weiterbildung zur Verwaltungsfachwirtin abgelegt, wechselte zudem mit Start des Februars ihren Job vom BAföG-Amt zum Gesundheitsamt des HSK. „Durch den Stress hat sich die Erkrankung dann sicherlich noch gezogen“, sagt sie.
„Ich war beim Silvesterlauf gut drauf, hatte richtig Bock auf die Hallen-DM. Aber ich habe dann eben gemerkt, dass es nicht so läuft“, erinnert sie sich. „Und wenn man nicht konkurrenzfähig ist, macht es auch nicht so viel Spaß. Wenn man auf einem gewissen Niveau läuft, will man vorn mitlaufen. Entweder mache ich es richtig – oder gar nicht.“ Eine Entscheidung musste also her: Hallen- oder Straßen-DM? „Ich habe mich für die Straße entschieden. Die Entscheidung fiel mir erst schwer, aber bis März hatte ich mehr Vorbereitungszeit und kann dann optimal abliefern.“

Jetzt geht es aber wieder bergauf. „Ich bin eingearbeitet, wenig gestresst, gut im Training und fühle mich deutlich besser“, sagt Schäperklaus. Und das ist auch gut so: „Denn mit der Straßen-DM habe ich noch eine Rechnung offen“, sagt sie und schmunzelt. In den vergangenen drei Jahren war sie zwar stets am Start, wurde aber von leichten Erkrankungen oder Blessuren ausgebremst. „Das hat sich dann auch jeweils im Ergebnis widergespiegelt.“ Wenn sie ihre Bestzeit von 34:20 Minuten abrufen kann, ist Schäperklaus in dem topbesetzten Lauf eine Kandidatin für die ersten zehn bis 15 Plätze. „Ich will auf jeden Fall möglichst weit vorn mitlaufen“, unterstreicht sie.
Niklas Röttger: Grund für Eisenmangel lange unklar
Das will natürlich auch Niklas Röttger, der in Uelzen vor allem seine Bestzeit im Blick hat: 33:35 Minuten beträgt die über die zehn Kilometer. „Mein Ziel ist diesmal, deutlich unter den 33 Minuten zu bleiben. Das ist die nächste Marke, die ich knacken will.“ Das Besondere: Die Bestzeit ist der 21-Jährige, der aktuell ein duales Studium zum Finanzwirt absolviert, erst im November 2025 gelaufen – nachdem er acht Monate lang pausiert hatte.
„Ich hatte einen starken Eisenmangel. Das habe ich vor allem daran gemerkt, dass meine Leistung komplett eingebrochen ist und ich besorgniserregend viel Zeit verloren habe. Ich war auch im Alltag ständig müde“, erinnert sich Röttger noch gut an den vermaledeiten Start ins vergangene Jahr. Anschließend ging es für ihn von Arzt zu Arzt, er bekam Infusionen, doch sein Eisenspiegel blieb konstant im kritischen Bereich. Der Grund dafür? Lange unklar.
„Man macht sich natürlich Sorgen um seinen Körper, wenn man plötzlich gar nicht mehr leistungsfähig ist. Dazu laufen einem die Kollegen im Verein davon, das ist schon frustrierend“, sagt der Leichtathlet, der erst vor rund drei Jahren die Fußball- gegen die Laufschuhe getauscht hatte. Eine schwierige Zeit, doch nach acht Monaten der Ungewissheit dann endlich die Diagnose: „Bei einer Darmspiegelung wurde ein Polyp gefunden. Wie es aussieht, hatte der meinem Körper das ganze Eisen entzogen.“

Nachdem der Polyp entfernt war, ging es mit den Eisenwerten wieder langsam bergauf. Nun schlugen auch die Infusionen, von denen Röttger im vergangenen Jahr schätzungsweise 20 bekommen hatte, endlich wie gewünscht an. „Ich konnte langsam wieder ins Training einsteigen, habe mich Schritt für Schritt gesteigert“, berichtet der MCM-Läufer.
MCM-Duo: Gutes Gefühl zur Straßen-DM mitnehmen
Aber: „Ich hatte acht Monate kein leistungsorientiertes Training, habe mich zwei Monate lang zurückgekämpft“, betont Röttger. „Am Anfang war ich vor allem froh, überhaupt wieder richtig trainieren zu können. Da waren die Zeiten auch erst mal egal. Aber als ich dann gemerkt habe, dass es wirklich besser wird, kam auch die Motivation zurück.“ Ende August standen die ersten Tempo-Einheiten an, seit Anfang Oktober ist der Athlet wieder richtig im Training. Mit einem unglaublichen Nebeneffekt.
„Das Verrückte ist: Das ging total schnell. Ich bin besser in Form als jemals zuvor“, staunt Röttger über seine „enorme Leistungssteigerung“. Und die machte sich eben auch direkt im November 2025 bemerkbar, als er seine neue persönliche Bestzeit über die zehn Kilometer gelaufen ist. Seitdem war er ebenfalls sowohl beim Silvesterlauf als auch bei einem Lauf in Dortmund über fünf Kilometer am Start. Immer mit einem guten Gefühl – und das will er nun auch, ebenso wie seine Teamkollegin Sarah Schäperklaus, mindestens bis zur Straßen-DM in Uelzen konservieren.


