Die gelbe Wand von Phoenix Hagen ist längst nicht nur am Ischeland ein Begriff, sondern in der ganzen 2. Basketball-Bundesliga ProA. In Münster aber hatte sie ihre Farbe gewechselt. Ein blauer Block hinter und neben dem Gästekorb, und man hat schnell gemerkt: Blau funktioniert genauso.

Rund 400 Hagener Fans hatten den kurzen Weg in die Universitätsstadt genutzt und machten aus dem Auswärtsspiel einmal mehr ein Heimspiel. Laut, geschlossen, präsent. So, wie sie es die ganze Saison über gemacht haben. Münster bildete den krönenden Abschluss einer Saison, die Hagener Fans so viel Freude bereitet hat wie seit bald 20 Jahren nicht mehr.

Und nach dem Spiel dieses Bild: Die Mannschaft geht rein in den Block, jubelt, klatscht ab, verschmilzt mit den Anhängern. Spieler, Staff, Fans, alle zusammen in diesem Moment. „Ich freue mich über die unfassbar geile Atmosphäre, für die die Fans wieder gesorgt haben“, sagte Hagens Trainer Chris Harris nach der Partie. „Das war Wahnsinn, extrem laut, echte Playoff-Atmosphäre.“

Uni Baskets Münster – Phoenix Hagen 101:128

Phoenix Hagen: Carroll (34), Kraushaar (18, 8 Assists), Nawrocki (16), Rissetto (16, 8 Rebounds), Graves (12, 10 Assists), Bleck (11), N’Guessan (9), Omuvwie (8), Uhlemann (4, 3 Steals, 2 Blocks), von Waaden.

Topscorer Münster: Viefhues (25), Jones Jr. (23).

Viertelergebnisse: 24:28, 23:30, 26:36, 28:34.

Zuschauer: 2650 (400 aus Hagen).

Auf dem Feld passte sich der Abend diesem Rahmen an. Verteidigt wurde nur phasenweise, vorne lief dafür fast alles zusammen. 128 Punkte, 20 getroffene Dreier, 31 Assists, 70 Zähler nach der Pause – Phoenix spielte sich in einen Rausch. Vor allem Jeffrey Carroll war in Abwesenheit von Topscorer Devin Schmidt (Blessur am Fuß) kaum zu stoppen, kam auf 34 Punkte und übernahm dann, wenn Münster kurz dran war. Viel mehr musste man zu diesem Spiel nicht sagen. Der Rahmen stimmte, das Ergebnis auch – und der Blick ging schnell dahin, worauf es jetzt ankommt.

Phoenix geht als Erster in die Playoffs

Jeffrey Carroll (M.) war kaum zu stoppen und führte Phoenix Hagen mit einer starken Offensivleistung zum Sieg.
Jeffrey Carroll (M.) war kaum zu stoppen und führte Phoenix Hagen mit einer starken Offensivleistung zum Sieg.© Jörg Laube | Jörg Laube

Mit dem 128:101-Sieg bei den abgestiegenen Uni Baskets Münster beendet Phoenix die ProA-Hauptrunde als Tabellenführer. 28 Siege aus 34 Spielen stehen am Ende zu Buche. Auch die Crailsheim Merlins gewannen parallel gegen BG Göttingen, doch durch den gewonnenen direkten Vergleich geht Hagen als Rangerster in die Playoffs.

Dort trifft Phoenix zunächst im Viertelfinale auf die PS Karlsruhe Lions – ein Gegner, der Hagen bereits in der Hauptrunde Probleme bereitet hat. Karlsruhe gewann sein letztes Spiel gegen Paderborn souverän und sicherte sich damit den achten und letzten Playoffplatz. Bochum und Nürnberg hingegen verpassten die Postseason.

Auch interessant

„Wir haben zuletzt gegen Karlsruhe verloren, deshalb wissen sie, dass wir etwas gutzumachen haben“, sagte Carroll mit Blick auf die anstehende Viertelfinalserie. „Aber wir gehen Spiel für Spiel an. Am Mittwoch haben wir die Chance, unsere Reise Richtung Meisterschaft zu starten.“ Harris ergänzte: „Karlsruhe ist ein schwieriger Gegner mit einem unkonventionellen Stil, viel Smallball. Da müssen wir bereit sein, uns darauf einzustellen. Wir haben uns defensiv gegen solche Teams in dieser Saison schwergetan.“

In den weiteren Viertelfinals trifft Crailsheim als Zweiter auf Gießen (7.), Göttingen (3.) bekommt es mit Kirchheim (6.) zu tun, während Bremerhaven (4.) und die Artland Dragons (5.) das vierte Duell bilden.

Am Mittwoch geht es los

Viel Zeit zum Innehalten bleibt nicht. Bereits am Mittwoch (19.30 Uhr) startet Phoenix Hagen in der Ischelandhalle in die Viertelfinalserie gegen Karlsruhe – gespielt wird im Modus Best of five. Dann wird die Halle wieder ihr gewohntes Bild abgeben. Gelb statt Blau. Und das, was in Münster wie ein Abschluss wirkte, ist in Wahrheit erst der Anfang.