Sie habe in dieser kurzen Zeit schon alle Phasen der Anpassung an eine neue Kultur durchlaufen. "Die ersten Wochen waren aufregend: das Einrichten meines Wohnheim-Zimmers, Räume suchen auf dem Campus und erste Trainingseinheiten mit 30 unbekannten Gesichtern. Jeden Tag habe ich etwas Neues entdeckt: Der See hinter unserem Wohnheim hat sogar einen Strand, es gibt Starbucks in der Bücherei, und im Pool schwimmen nicht nur wir, sondern auch Mini-Lobster..."
Nina Schiffer erlebt ganz neue Lehrmethoden in der Uni: Der größte Hörsaal fasse gerade mal 247 Menschen und der meiste Unterricht finde in Klassenräumen mit 20 Personen statt. Natürlich muss die Dortmunderin Hausaufgaben erledigen, die auch bewertet werden.
Betreutes Lernen
Für die "Student-Athletes" gibt es zusätzlich acht Stunden in der Woche zentral betreutes Lernen. "Dazu kam das komische Gefühl, dass mich sofort jeder schräg anschaut, sobald ich anfange zu quatschen. Viele Worte fehlten, und weil ich selbst nicht die Geduldigste bin, war es mir unangenehm, lange herumzustottern, also hab ich eher zugehört. Aber die Mädels in meinem Team sind zum Glück geduldig, lieben mich für meinen Akzent und meine direkte deutsche Art: nämlich die ganze Zeit zuhören und unerwartet die Meinung auf den Punkt zu bringen."
Ein anderes Problem war das Essen. Jeder Besuch im Supermarkt habe anfangs Stunden gedauert, weil sie jedes Etikett genau studiert habe, um zu wissen, was sie da eigentlich kaufe.
Teurer Kopfsalat
Besonders erstaunt war die Studentin von BWL und Medienwissenschaften über die amerikanischen Preise: "Drei Dollar für einen Kopfsalat und zwei für eine Gurke. Und das Vollkorn-Schlabberbrot hab ich erst gar nicht in Erwägung gezogen, sondern alle Zutaten gekauft, um richtiges Brot zu backen."
Alle Einkäufe würden in Plastiktüten verpackt, und auch sonst ist in den USA vieles anders als daheim: Selbst kürzeste Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt, vier Mal pro Woche steht Fastfood auf dem Speiseplan, und freitags und samstags hätten ihre Kommilitonen ziemlich viel Durst.
Unbekanntes akzeptieren
"All das bin ich nicht gewohnt, aber alles allein mit dem Fahrrad zu erledigen, allein zu kochen oder vor dem Fernseher zu sitzen statt auszugehen macht einsam und fördert Heimweh. Also hab ich mich unter Leute gemischt und angefangen, das Unbekannte zu akzeptieren und mich anzupassen", berichtet Nina. Und der Dollar-Euro-Kurs sei derzeit relativ gut, "sodass ich mir auch eine Zwei-Dollar-Gurke gönne".
Jetzt genieße sie. "Zuhause würde ich es zwar noch nicht nennen, aber es gefällt mir richtig gut", schreibt die SG-Schwimmerin, die sich inzwischen bei den Mädels ihres Uni-Schwimmteams rundum angekommen fühlt. Man unternehme viel gemeinsam und trainiere natürlich, "aber mit gaaaanz viel Spaß!"
"Arschbomben-Kontest"
Letztens habe der Coach ein richtig hartes Programm angesagt. Nina schlug nach dem Training einen "Arschbomben-Kontest" vor. "Also haben wir uns erst total verausgabt und dann einfach nur Spaß gehabt. Das gehört hier dazu, genauso wie das Training um 6 Uhr morgens." Mit Spaß sei das Ganze ein bisschen einfacher, und deshalb sei das USA-Abenteuer "genau das, was ich mir vorgestellt habe!"

