90 Minuten zuvor hat der Frost noch grimmig in die Wangen gebissen. Es ist Samstag, kurz nach acht Uhr. Und es ist eisig kalt am Wanderparkplatz am Ellberg. Was von Außen aussieht wie eine Horde skurril vermummter Typen in schwarzen Stretchhosen, entpuppt sich als Szenetreff und Geheimtipp. Von hier startet der 149. Ruhrklippenlauf, eine 25 Kilometer lange Runde durch den Dortmunder Süden, 450 Höhenmeter durch Bittermark, Syburg und das Wannebachtal warten. Kein Pappenstiel, aber für diese rund 80 passionierten Läufer ein Geschenk.
Wie ein Naturkalender
"Wir machen vier Tempogruppen", kommt die Ansage über den Parkplatz, und schon trabt die Truppe los. Eine Tempogruppe führt Uta Doyscher-Lutz an, eine von Dortmunds Vorzeigeläuferinnen. Sie erzählt unterwegs vom Genuss, den ihr der Sport bereitet, von den unterschiedlichen Jahreszeiten, die den monatlichen Ruhrklippenlauf wie einen Naturkalender begleiten.
"April und Mai sind schön, aber am liebsten mag ich den bunten Herbst", sagt sie. Und wie so gequatscht wird in der 20-köpfigen Gruppe, mit Geschichten über Hunde und ihre Herrchen, über Erinnerungen an alte Wettkämpfe und Pläne für den Sommer und olle Kamellen, da rauschen Zeit und Kilometer unter den Füßen dahin wie die Luft in die Lungen hineinströmt und wieder heraus. Kommt der nächste Hügel, wird es kurz still, dann schwillt das trippelnde Geräusch der Sportschuhe auf dem Waldboden an zu einer Sinfonie der Schritte. Aus der Einsamkeit des Langstreckenläufers wird hier gelaufene Gemeinsamkeit, zwischen Reichsmark und Viermärker Eiche, vom Hengsteysee bis zum Wannebachtal.
"Wie im Allgäu"
"Schöner ist es im Allgäu auch nicht", sagt ein Läufer, und der nächste schwärmt vom entspannten Miteinander in der Szene. Organisiert wird die Ruhrklippe vom Lauftreff Bittermark. Mitmachen darf aber jeder, und so bekommt auch jeder seine Belohnung. Ungefähr bei Kilometer 17.
Gerade als die Schritte kürzer werden und der Boden an der Steigung immer näher kommt, als der Pulsschlag bis in den Kopf hinein pocht und der Schweiß sich seinen Weg durch die Funktionskleidung sucht, da kommt passend die Pause. Ein Tapeziertisch voller Köstlichkeiten. Klar, Äpfel und Bananen sind als Sportler-Pläsier bekannt. Obendrein gibt es Gummibärchen und Schaumküsse, Salzstangen und verschiedene Teesorten und Saft und … hach, lecker! Im CD-Spieler trällert die Bartoli eine Mozart-Arie, und das hilft allen. Den einen, kurz tief zu entspannen. Und den anderen, schnell weiterzulaufen.
Schließlich wartet der Schlussteil der Reise über Stock und Stein, durch Wald und Wiesen, über Hügel und durchs Tal. Noch auf dem letzten Kilometer raubt ein gemeiner Anstieg die letzten Körner, bis die Schleife endlich geschlossen ist. "Früher", sagt Uwe Gilles (50), "sind wir die Runde auch schon zweimal gelaufen." Das muss ja nicht sein. Aber einmal im Monat Kilometer 16 hinter sich zu lassen - das hätte was.
Immer am dritten Samstag im Monat startet der Ruhrklippenlauf. Treffpunkt: 8 Uhr / 8.30 Uhr "Am Ellberg".
Nächster Termin ist Samstag, 20. April, dann gibt es die 150. "Klippe".
www.lt-bittermark.de

