Seine Anekdoten von den Fußballplätzen des Sauerlandes, sie hätten ein dickes Buch füllen können. Eine davon ging so: Vor mehr als 20 Jahren – vom Videobeweis ahnte damals noch keiner etwas – war Heinz bei einem Fußballspiel in Olsberg mal von einem Schiedsrichter gefragt worden, ob der Ball drin gewesen sei oder nicht. Heinz Heinemann genoss da schon längst Kultstatus als Fußballreporter der Westfalenpost und war im wahrsten Sinne des Wortes immer auf Ballhöhe. Das dachte sich auch der Unparteiische und machte Heinz zum Kronzeugen.

Heinz Heinemann: Humorvolles Original hinterlässt große Lücke im Sauerland

„Ich hab‘ ihm gesagt: ,Ich will es ganz ehrlich sagen: Der Ball war nicht drin.‘ Der Schiedsrichter hat dann wieder angepfiffen und nahm das Tor zurück. Da war was los! Ich bin sofort abgehauen“, erzählte Heinz in einem großen WP-Interview lachend. Sein ansteckender Humor war eines seiner absoluten Markenzeichen. Heinz war außerdem ein Familienmensch, ein geselliger Typ. Und erfrischend bodenständig, er nahm sich selbst nie zu wichtig. Wenn wir mit ihm telefonierten, erreichte man Heinz immer wieder draußen im grünen Sauerland. „Ich bin grade auf meiner Hütte“, sagte er dann.

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Dass Heinz uns nun verlassen hat, fühlt sich für alle, die ihn kannten und mit ihm zusammengearbeitet haben, immer noch unwirklich an. Am Dienstag, 17. März, erlag das Briloner Urgestein einem Krebsleiden. Heinz wurde nur 69 Jahre alt und hinterlässt eine große Lücke. Eine, die bleiben wird.

Die Anteilnahme in der Sauerländer Sportszene und vor allem bei den hiesigen Fußballvereinen ist riesig. „Es gibt Menschen, deren Wirken man nicht in einfachen Worten zusammenfassen kann, weil sie an so vielen Stellen Spuren hinterlassen haben. Mit Heinz Heinemann verliert der SV 20 Brilon und die gesamte Fußballregion weit über das Sauerland hinaus eine ihrer prägendsten Figuren“, schrieb sein Heimatverein in einem Nachruf.

Mann der ersten Stunde

Ein anderer Klub, der Heinz neben „seinem“ FC Bayern München besonders ans Herz gewachsen war, war der SV Thülen. „Heinz war ein Mann der ersten Stunde, wenn es um die Berichterstattung über die Damenmannschaft des SV Thülen geht. Bereits im Gründungsjahr 1996 verfasste Heinz Heinemann seine ersten Berichte über den damaligen Kreisligisten vom Thülener Scheid. Er hielt den Grün-Weißen bis zuletzt die Treue“, würdigte der SVT Heinz‘ Vermächtnis.

Heinz Heinemann
Heinz Heinemann (li.) war seit Februar 1979 freier Mitarbeiter der WP-Lokalsport-Redaktion. Hier mit „Kaiser“ Franz Beckenbauer sowie Reinhard Schneidermann und Martin Klaholz in Hüsten.© WP | Privat

Von Madfeld bis Olsberg, von Winterberg bis Meschede: Heinz war auf allen Fußballplätzen des FLVW-Kreises Hochsauerland, vor allem aber in seiner Heimatregion im Altkreis Brilon zu Hause. Dabei prägte sein Wirken eine riesengroße Loyalität: Sage und schreibe 47 Jahre lang fungierte Heinz als freier Mitarbeiter dieser Redaktion. Die WP hatte einen festen Platz in seiner Wochenplanung, ganz egal, welche Veranstaltungen in seinem prall gefüllten Kalender sonst noch so anstanden. Auf Heinz konnten wir uns immer verlassen, denn vor allem die Sonntage, sie waren für ihn keine Arbeitstage, sondern vielmehr: Feiertage. Da lief Heinz zur Höchstform auf und verblüffte deutlich jüngere Kollegen mit seinem Arbeitstempo.

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Leise Töne, die waren dabei nicht so sein Ding. Er konnte stets leidenschaftlich diskutieren, vor allem über seinen Lieblingssport, den Fußball. Dieser hat ihn sein gesamtes Leben lang eng begleitet – und Heinz ebenso den Fußball. Und das ohne große Rücksicht vor allem auf sich selbst: Heinz musste man bisweilen mehr bremsen, als antreiben. „Bei dem vierten Spiel kann ich doch auch noch eben vorbeifahren?!“, war eine typische Heinemann-Frage, wenn wir die Organisation unserer Berichterstattung des Fußball-Sonntags besprachen. Nach zähen Verhandlungen gab er sich dann auch mit „nur“ drei Spielen, die er besuchte, zufrieden. 

Heinz Heinemann
Immer als Reporter dort, wo etwas los ist - hier beim TuS Medebach: Heinz Heinemann hat die Kamera schon im Anschlag.© WP | Privat

Bis vor wenigen Wochen versorgte Heinz uns trotz schwerer Krankheit noch mit Berichten und Geschichten. „Das tut mir gut“, sagte er, wenn wir diesbezüglich unsere Sorgen zum Ausdruck brachten. Sein unerschütterlicher Optimismus ließ ihn bis zum Schluss kämpfen. Jetzt hat Heinz das Spielfeld zwar verlassen. Aber wenn es so etwas wie eine „Hall of Fame“ für WP-Sportreporter gibt, dann hat Heinz dort nun Einzug gehalten. Wir vermuten als Ehrenspielführer.