Sie arbeiten seit Jahren akribisch darauf hin, nicht nur Teil einer besonderen Premiere zu sein, sondern bei eben dieser auch erfolgreich durch den Eiskanal zu rasen. Wer wie die Rennrodlerinnen Cheyenne Rosenthal und Jessica Degenhardt zudem drei Weltmeister-Titel in der sportlichen Vita vorweisen kann, der wird bei den Olympischen Winterspielen im Februar 2026 in Cortina d‘Ampezzo zum Favoritenkreis gehören, wenn zum ersten Mal im Damen-Doppelsitzer Olympia-Medaillen vergeben werden. Allerdings: Das Duo vom BSC Winterberg und RRC Altenberg muss zuvor eine „brutale Situation“ meistern – und erlitt einen ersten Rückschlag.

Weltcup-Auftakt in Innsbruck ungewiss

„Das muss für euch doch eine brutale Situation sein“, sagte Willi Willmann als Moderator der Saison-Eröffnungspressekonferenz des Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) zu Cheyenne Rosenthal und Jessica Degenhardt. Woraus diese „brutale Situation“ besteht? Zur Premiere des Damen-Doppels bei den Olympischen Winterspielen 2026 darf der BSD lediglich ein Doppel schicken.

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In der Weltcup-Saison, deren Auftakt Anfang Dezember auf Grund der Probleme rund um den modernisierten Eiskanal in Innsbruck-Igls noch ungewiss ist, starten neben Degenhardt/Rosenthal die beiden Doppel Eitberger/Matschina und Storch/Patz. Besonders das Duo mit der früher äußerst erfolgreichen Einzel-Rennrodlerin Dajana Eitberger gilt als große Konkurrenz im Kampf um das Olympia-Ticket.

Für uns beide ist klar, dass wir Doppel neben der Bahn ein Team sind. Aber in der Bahn kämpft jeder für sich selbst.

Cheyenne Rosenthal, Rennrodlerin des BSC Winterberg

„Für uns beide ist klar, dass wir Doppel neben der Bahn ein Team sind. Aber in der Bahn kämpft jeder für sich selbst“, sagte Cheyenne Rosenthal mit Blick auf die Stimmung innerhalb der deutschen Mannschaft. „Man merkt im Team aber schon, dass wir in der olympischen Saison sind“, ergänzte Degenhardt.

EBERSPÄCHER RODEL WELTCUP 2024-2025 DAMEN DOPPEL
Sie sind national die größten Konkurrentinnen von Degenhardt/Rosenthal: Dajana Eitberger (links) und Magdalena Matschina.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Seit 2021 bilden die 25-jährige Sauerländerin Rosenthal und die 23-jährige Degenhardt ein Doppel. Sie gewannen 2022 ausgerechnet in Winterberg den allersten WM-Titel in der jungen Disziplin und ließen 2023 bei der Weltmeisterschaft in Oberhof Doppel-Gold folgen. Nach einer verpatzten WM 2024 durfte sich das Duo 2025 über Silber in Whistler freuen. Auch in der Gesamtweltcup-Wertung rasten Degenhardt/Rosenthal in der vergangenen Saison auf Platz zwei hinter dem Doppel Egle/Kipp aus Österreich.

Springt Winterberg ein?

Nach neuerlichen Rückschlägen bei Tests in der umgebauten Bob- und Rodelbahn in Innsbruck-Igls ist deren Zukunft offen. Nach einer missglückten Probefahrt des zweimaligen Rodel-Weltmeisters Jonas Müller wurde am Freitag entschieden, wegen zu großer Gefahr von der weiteren Homologierung des Eiskanals Abstand zu nehmen.

„Unsere Befürchtungen sind leider wahr geworden, es ist ein Desaster für den Sport und die Region. Es wurde viel Geld in die Hand genommen, um die Bahn zu sanieren, jetzt ist sie für uns nicht befahrbar“, sagte ÖRV-Präsident Markus Prock zur Olympiabahn von 1976.

Anfang Dezember ist eigentlich der Weltcup-Auftakt der Rodler in Innsbruck geplant, der nun massiv infrage steht. Zuvor soll schon die Bob- und Skeleton-Elite (29. und 30. November) auf der Bahn an den Start gehen. Nicht ausgeschlossen scheint zu sein, dass die Veltins-EisArena in Winterberg einspringt. „Wir helfen, wo wir können“, sagte deren Geschäftsführer Stephan Pieper. Insider bestätigten eine Anfrage zur Übernahme des Weltcups.

Der Auftakt in die nationale Olympia-Qualifikation misslang auf der Olympiabahn in Cortina d‘Ampezzo jedoch. „Wir waren gut in der Zeit“, erklärte Degenhardt. Aber ein kleiner Fahrfehler sorgte für einen Defekt am Schlitten, so dass die beiden lediglich Punkte für den dritten Rang zugesprochen bekamen.

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„Sobald man die Linie gefunden hat, macht es Spaß“, erzählte Rosenthal über den neu gebauten Eiskanal in Cortina d‘Ampezzo, „und die Punkte werden uns noch gut tun.“ Das Testevent in Cortina Ende des Monats, die Weltcups in Innsbruck-Igls, Salt Lake City und Lake Placid sind Teil der nationalen Olympia-Qualifikation. „Wenn die Punktedifferenz zu klein und somit das Ergebnis zu knapp ist, kann die Qualifikation auch auf die folgenden Weltcups in Sigulda und Winterberg ausgedehnt werden“, erklärte Trainerin Katja Haupt.

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Am 10. und 11. Januar 2026 gastieren die Rennrodler planmäßig in der Veltins-EisArena im Hochsauerland – die „brutale Situation“ könnte sich bis dahin entsprechend zuspitzen. Es kann schließlich (Stand jetzt) nur ein deutsches Damen-Doppel geben, das bei der Medaillenvergabe am 11. Februar in Cortina d‘Ampezzo den Eiskanal hinunter rast.