Sie war sich dessen bewusst. Als Kathrin Müller mit ihrer zwölfjährigen Stute Beauty Queen Z unter dem warmen Applaus der erwartungsfrohen Zuschauer in den Parcours ritt, begann ihre letzte Chance – ihre letzte Chance auf einen Sieg bei den Voßwinkeler Reitertagen 2025, ihrem Heimturnier. Allerdings, und das verriet die 39-jährige Nationenpreisreiterin später, stand Müller vor einer kaum erfolgreich zu bestehenden Herausforderung. Sie musste abwägen: zwischen Tempo und Tierwohl.

Voßwinkel: Holtgräve-Osthues schnell

„Die Stute besitzt nicht die höchste Grundschnelligkeit und war außerdem lange verletzt“, erklärte die Reiterin des ZRFV Voßwinkel nach der Siegerehrung des Großen Preises. Müller und Beauty Queen Z blieben auch im Stechen fehlerfrei, allerdings fehlten ihnen als Zweitplatzierte etwa zweieinhalb Sekunden auf das siegreiche Duo Sebastian Holtgräve-Osthues und Con Caneau NRW, welches in 41.10 Sekunden durch den Parcours fegte.

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„Ich habe gelernt, dass ein Stechen mit dem Start beginnt“, sagte der Mittvierziger vom RFV Graf Sporck Delbrück schmunzelnd über seine fehlerfreie Sekunden-Jagd. Holtgräve-Osthues startete am Freitag im Sauerland, reiste am Samstag zum Turnier des RuF Oberkaufungen bei Kassel, um am Sonntag wieder in Voßwinkel zu satteln.

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„Ich war aber mit einer anderen Pferdetruppe in Oberkaufungen“, sagte der amtierende Vize-Westfalenmeister. Erfolgreich war er dennoch, schließlich durfte er bei der Stippvisite den Sieg in einer Punkte-Springprüfung der Klasse S* feiern.

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Sebastian Holtgräve-Osthues entscheidet bei den Voßwinkeler Reitertagen den Großen Preis für sich.© Falk Blesken | Falk Blesken

Für Kathrin Müller steht in der Zeit der Voßwinkeler Reitertage ihr Heimturnier über allem. 25 Starts absolvierte sie an den vier Tagen mit unterschiedlichen Pferden. Die Bilanz: fünf zweite, drei dritte Plätze und diverse weitere Platzierungen. Und, salopp gesagt, erging es ihr am Samstagabend beim Championat der Stadt Arnsberg, einer Springprüfung der Klasse S** mit Stechen, bereits wie beim Turnierfinale.

Wenn ich ins Stechen komme, versuche ich natürlich, vorne mitzuspielen.

Malte Merschformann, 16-jähriger Sieger des Championats der Stadt Arnsberg

„Wir waren einfach zu langsam“, sagte Müller nach dem Höhepunkt des Samstags und lachte dennoch zufrieden. Ein 16-Jähriger war mit einer eindrucksvollen Vorstellung im Stechen nicht zu schlagen gewesen.

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Malte Merschformann (RV Osterwick) sicherte sich den Sieg auf Lightspot van het Maaskantje. Dieses Mal fehlte Müller und Toulago 3 allerdings nur knapp eine Sekunde zum Sieg. Platz drei ging an Anna-Maria Gründler (RV Hellefeld) und Frieda S5 und damit ebenfalls ins Sauerland.

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Der erst 16-jährige Malte Merschformann gewinnt das Championat der Stadt Arnsberg bei den Voßwinkeler Reitertagen.© Falk Blesken | Falk Blesken

„Wenn ich ins Stechen komme, versuche ich natürlich, vorne mitzuspielen. Heute hat alles super geklappt“, sagte Merschformann Junior. „Man sieht, dass er eine super Ausbildung als Ponyreiter genossen hat. Und das setzt er jetzt weiter um“, lobte auch Bernd Müller, langjähriger Turnierchef der Voßwinkeler Reitertage und nun Ehrenvorsitzender des Vereins.

„Die Bullenbezwinger“

Am Samstagabend wurde es bei den Voßwinkeler Reitertagen wild. 13 Teams mit jeweils drei Teilnehmern versuchten ihr Glück beim Bullenreiten. Am Ende siegte das Team „Die Bullenbezwinger“ in der Besetzung Rene Lippich, Marco Lilienbecker und Giacomo Sievert, das sich insgesamt 329,6 Sekunden auf dem Bullen hielt.

„Wir sind rundherum zufrieden. Das Wetter hat uns nur am Freitag im Stich gelassen und zeigte sich ansonsten von seiner besten Seite. Die Bedingungen für Reiter und Pferde waren super. Wir haben hochkarätigen Sport gesehen“, fasste Turnierchef Philipp Müller die Voßwinkeler Reitertage zusammen.

Sandra Auffahrts Besuch in Voßwinkel wurde hingegen nicht mit einem Sieg gekrönt. Sowohl im Championat als auch im Großen Preis verpasste die 38-Jährige, die mit der zweiten Garde ihrer Pferde anreiste, das Stechen.

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In der Vielseitigkeit gewann Auffahrt 2012 mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in London die Goldmedaille und holte im Einzel die Bronzemedaille. 2014 dekorierte sie sich bei den Weltreiterspielen mit Mannschafts- sowie Einzel-Gold und ließ 2022 einen weiteren WM-Titel mit der deutschen Vielseitigkeitsmannschaft folgen.

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Marco Lilienbecker und dem Team „Die Bullenbezwinger“ gelingt der Sieg beim Bullenreiten.© Falk Blesken | Falk Blesken

Kathrin Müller schnitt bei ihren zweiten Plätzen also jeweils besser als eine Olympiasiegerin und Weltmeisterin ab. Deshalb lachte und grinste sie bei der abschließenden Platzierung aber nicht so. „Die Pferde sind super gegangen, ich bin absolut zufrieden“, sagte Müller. Und sie verriet, dass sie zum Wohl ihrer zuvor lange verletzten Stute bewusst nicht das Tempo im Stechen verschärfte. Ihre letzte Chance war deshalb die auf einen weiteren zweiten Platz – und die nutzte Müller.