Loris Karius grüßte diesmal aus der Entfernung. Via Instagram teilte der Torwart des FC Schalke 04 zwei Stunden vor dem Anpfiff des Spiels beim 1. FC Nürnberg mit, dass sein Sohn Leonardo das Licht der Welt erblickt hat. Karius verzichtete auf das bedeutungslos gewordene Auswärtsspiel des Zweitliga-Meisters, und er verpasste wenig. Die Schalker gingen sang- und klanglos mit 0:3 (0:2) unter. Immerhin: Die Fans feierten trotzdem.

Die rund 20.000 mitgereisten Schalker hatten aus der Nürnberger Innenstadt seit Freitagabend eine königsblaue Fan-Meile gemacht. Sie feierten gemeinsam mit den Anhängern des 1. FC Nürnberg, beide Fangruppen verbindet seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft. Immer wieder stimmten die Schalker ihr Lieblingslied dieser Tage an: „Nie mehr Zweite Liga“.

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Mit dem Anpfiff präsentierten die Fans eine riesengroße Choreografie, die sich über die komplette Gegentribüne erstreckte und die Wappen beider Städte zeigte. Die Schalker Fans sangen anschließend 90 Minuten plus Halbzeitpause durch und stimmten sich lieber auf das in der kommenden Saison anstehende Revierderby gegen Borussia Dortmund ein, als aufs Spielfeld zu schauen.

firo : 09.05.2026,
Fußball,Fussball:  
2.Bundesliga
1.FC Nürnberg, FCN -  FC Schalke 04
Fanfreundschaft: Die Anhänger aus Nürnberg und Schalke präsentierten vor dem Anpfiff eine Choreografie.© firo | Daniel Marr

Das lohnte sich in der ersten Hälfte nur selten. Schalkes Trainer Miron Muslic hatte überraschend auf eine Rotation verzichtet. Es gab nur drei Änderungen in der Startelf: Torwart Kevin Müller (für Loris Karius), Felipe Sanchez (für den verletzten Hasan Kurucay) und Vitalie Becker (für Moussa Ndiaye) rückten in die Anfangsformation, sonst spielte die Erfolgself der Vorwochen. Doch den Schalkern war vor allem in der ersten Hälfte anzumerken, dass ihnen die Spannung fehlte. Die Schritte fielen sichtbar schwerer als in den vergangenen Monaten, der Offensive gelang wenig. Das lag nicht einmal an der Aufstiegssause vor einer Woche oder dem folgenden dreitägigen Party-Trip nach Ibiza. Schalke fehlte einfach der Biss.

Schallenberg trifft ins eigene Tor

Erst in der 20. Minute gab es die erste Strafraumszene und direkt lag der Ball im Schalker Tor: Nach einer Nürnberger Freistoßflanke schossen sich die Schalker gegenseitig an, von Ron Schallenbergs Bein prallte der Ball ins eigene Netz. Ein Ping-Pong-Billard-Eigentor. Beinahe hätte Schalke nur zwei Minuten später ausgeglichen: Adil Aouchiche scheiterte an Torwart Christian Mathenia, der Nachschuss von Soufiane El-Faouzi wurde zur Ecke abgefälscht. Es blieb Schalkes einzige Torszene vor der Pause.

Die Nürnberger blieben die bessere Mannschaft, versuchten, die Schalker Abwehr immer wieder mit langen Pässen zu überlisten. Zwei Club-Tore wurden wegen Abseits anerkannt (24./45.), in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erhöhte Nürnberg auf 2:0. Fabio Gruber schlug einen Pass nach vorn, Henri Koudossou lief den langsamen Schalker Innenverteidigern Mertcan Ayhan und Felipe Sanchez davon und profitierte von einem bösen Stellungsfehler des Schalker Torhüters. Kevin Müller rechnete mit einem Querpass und gab die kurze Ecke frei. Koudossou bedankte sich für so viel Platz und schob den Ball ins Tor. Zur Pause führte Nürnberg gegen wehrlose Schalker mit 2:0. Trainer Muslic schaute bedröppelt. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Seine Mannschaft, sagte er vor dem Spiel, hätte keine Probleme, in den „Wettkampf-Modus“ zurückzukehren. Nun ja.

Schalke: Muslic bringt Ndiaye erst zur Pause

Zur Pause brachte Muslic Ndiaye für den enttäuschenden Vitalie Becker, doch die zweite Hälfte begann wie die erste endete: mit einer Nürnberger Torszene und einem falsch postierten Schalker Torwart. Nach einem Querpass von Mohamed Ali Zoma erwischte Kodoussou den Ball ganz kurz vor der Torauslinie und spitzelte ihn an Müller vorbei an den Pfosten. Beinahe wäre das Spiel entschieden gewesen.

Das Spiel wurde nun etwas munterer, auch die Schalker spielten gelegentlich mit, doch der Club gestaltete das Spiel. Nachdem Schalke-Kapitän Kenan Karaman (47.) eine Chance zum Anschlusstreffer ausgelassen hatte, drängte Nürnberg aufs dritte Tor, doch Danilo Soares (55., Parade von Kevin Müller) und Javier Fernandez (56., Außenpfosten) vergaben weitere sehr gute Möglichkeiten. Als Mohamed Ali Zoma in der 72. Minute das Tor zum 3:0-Endstand erzielte, verwunderte das niemanden mehr. Und die Schalke-Fans? Sie besangen den „Mythos vom Schalker Markt“, brüllten das Lied der Eurofighter von 1997 und immer wieder „Nie mehr Zweite Liga“. Und das auch noch nach dem Schlusspfiff. Die Niederlage störte sie nicht.