Felix Nmecha jubelte vor der Südtribüne, zeigte den Fans die Faust. Das nächste Tor für Borussia Dortmund? Nein, diesmal nur ein Eckball, aber die Szene nach etwa 65 Spielminuten taugt als gutes Beispiel dafür, mit welcher Intensität, Seriosität und Wucht der BVB dieses Champions-League-Hinspiel gegen Atalanta Bergamo angegangen ist.
Denn dass es nur einen Sieger am Dienstagabend geben konnte, das war buchstäblich von den ersten Minuten an offensichtlich. Serhou Guirassy brachte den Bundesliga-Zweiten in Führung (3.), Maximilian Beier legte vor der Halbzeit nach – so stand im ersten Play-off-Duell ein nie gefährdeter 2:0 (2:0)-Sieg für die Borussia. Im Rückspiel am kommenden Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN) in der Lombardei hat der BVB nun alle Trümpfe in der Hand, um ins Achtelfinale einzuziehen.
Improvisieren mussten am Dienstagabend zunächst die Verantwortlichen der Uefa. Weil rund um das Dortmunder Stadion ob des Konzertes von Herbert Grönemeyer in der benachbarten Westfalenhalle das obligatorische Europapokal-Verkehrschaos diesmal noch heftiger ausfiel, wurde die Anstoßzeit um eine Viertelstunde nach hinten verschoben. Tief im Westen, wo die Straße verstopft...

BVB geht früh in Führung
Selbst das Entgegenkommen der Verbände dürfte aber nicht gereicht haben, damit alle 76.900 Zuschauerinnen und Zuschauer im ausnahmsweise nicht ausverkauften Fußball-Tempel rechtzeitig zum BVB-Führungstor ihre Plätze eingenommen hatten. Dortmund erwischte nämlich einen Bilderbuch-Start in die erste Play-off-Begegnung. Über die linke Seite und Jobe Bellingham spielte sich der BVB nach drei Minuten in den Sechzehner. Die erste Flanke segelte hinüber zu Maximilian Beier, der legte zurück auf Super-Vorlagengeber Julian Ryerson. Und der machte das, was gerade immer gelingt: hoch hinein auf Serhou Guirassy, der mit wiedergefundenem Selbstvertrauen zum 1:0 einköpfte (3.).
Atalanta hatte dem hohen BVB-Pressing kaum etwas entgegenzusetzen. Zweimal kamen die Italiener in der Mitte der ersten Halbzeit dennoch in den Strafraum. Immer wieder gefährlich wurde es durch den flinken Nicola Zalewski, der die BVB-Abwehr ein-, zweimal überraschte. Zu der zählte überraschend auch der 18-jährige Luca Reggiani. Der Italiener kam zu seinem Königsklassen-Debüt, da Trainer Kovac den Norweger Ryerson doch lieber auf dem rechten Flügel sehen wollte – nach nur drei Minuten und der ersten Ryerson-Flanke durfte sich Kovac für diese Entscheidung selbst auf die Schulter klopfen.
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Luca Reggiani gibt sein Startelf-Debüt
Reggiani, der früh Gelb sah (18.), legte einen sehr unaufgeregten Auftritt hin. Der Teenager profitierte dabei von einer stabilen Dortmunder Elf, die die Bergamo-Partie voll im Griff hatte – und die ihre Chancen nutzte. Waldemar Antons Kopfball, natürlich nach Ryerson-Freistoßflanke, rauschte nur knapp drüber (41.). Doch nur eine Minute später spielte der BVB über Guirassy und Beier, der nur noch einschieben brauchte, einen Konter perfekt zu Ende. Zur Halbzeit gab es Applaus, das war in dieser Saison schon mal anders.
Aus der Kabine kam der BVB etwas verhaltener, was man sich mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken auch durchaus gönnen konnte. Dennoch blieb der Eindruck: Wenn hier noch ein Tor fallen sollte, würde es eher ein drittes für Dortmund sein als das erste für Atalanta. Besonders Guirassy wirkte gallig auf seinen zweiten Treffer, doch bevor der Ball zum Guineer kamen, verhedderten sich seine Mitspieler zu häufig in Klein-Klein-Situationen, trotz guter Ansätze. Zum ersten Abschluss in der zweiten Hälfte kam Dortmund erst durch Julian Brandt (67.).
BVB verpasst das dritte Tor
Klar war aber: Der BVB wollte nun noch dieses dritte Tor, das die Tür zum Achtelfinale noch ein Stück mehr öffnen würde. In der Schlussphase kamen dafür Carney Chukwuemeka und Karim Adeyemi für Brandt und Beier (70.). Dafür reichte es trotz klarer Überlegenheit allerdings nicht mehr, was wohl der einzige Makel dieser Europapokal-Nacht bleiben dürfte. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gastiert der BVB in der Bundesliga im Verfolger-Duell bei RB Leipzig.



