Es ist die 61. Minute im Topspiel zwischen dem BVB und Bayer Leverkusen. Serhou Guirassy muss den Platz verlassen, Fabio Silva kommt für ihn hinein. Kovac will dem Stürmer beim Weg zur Bank die Hand geben – doch dieser weicht aus. Guirassy ist sichtlich emotional, schleudert seine Handschuhe auf den Boden. Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung legt Silva das 2:0 für Dortmund auf – Kovac beweist ein feines Händchen.

Doch die Szene mit Guirassy sorgt auch nach dem Spiel für Gesprächsstoff. Nach dem Abpfiff des 2:1-Sieges sieht man Guirassy und Kovac miteinander auf dem Platz reden, später sogar Arm in Arm. Auch Nmecha legt später vor den BVB-Fans den Arm um Guirassy. Der Stürmer findet sein Lächeln wieder und feiert mit den Anhängern. Kovac sagt im Anschluss an die Partie: „Ich weiß ja, dass das ein Thema sein wird. Unnötig. Wir haben uns nach dem Spiel ausgesprochen beziehungsweise ich habe ihm das erklärt. Wenn ihm einer die Stange hält, bin ja wohl ich das. Dann muss er es auch mal aushalten, dass ich ihn runternehme. Fabio ist dann der, der die Flanke vor dem 2:0 schlägt.“

Kovac über Guirassy: „Er weiß auch, wie wichtig ich für ihn bin.“

Kovac kann den Stürmer aber verstehen: „Dass ein Spieler nicht unbedingt raus möchte, verstehe ich. Serhou und ich sind ein Herz und eine Seele, wir verstehen uns.“ Zudem betont er in der Pressekonferenz, dass er als Trainer mittlerweile anders mit solchen Situationen umgehe: „Ich bin 54 Jahre alt. Vielleicht hätte ich vor ein paar Jahren anders reagiert, aber inzwischen weiß ich, dass Emotionen im Spiel sind, dass Adrenalin im Spiel ist und dass man gewisse Situationen abwarten muss. Jetzt haben wir es nach dem Spiel geregelt.“

Kovac hält in dieser Saison an Guirassy fest, auch wenn dieser noch nicht an seine Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen konnte. Nicht wenige Stimmen fordern mehr Spielzeit für Fabio Silva, der unter Kovac bislang kaum eine Rolle spielt: „Ich habe ihn gestützt und ich werde ihn weiterhin stützen. Er ist unser wichtigster Stürmer“, sagt Kovac mit Blick auf den verweigerten Handschlag, ergänzt jedoch: „Er weiß auch, wie wichtig ich für ihn bin.“

Adeyemi und Silva jubeln nach dem Tor zum 2:0.
Adeyemi und Silva jubeln nach dem Tor zum 2:0.© Jürgen Fromme /firo Sportphoto | Jürgen Fromme

Auch BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl äußert sich nach der Partie zur Szene: „Ich habe gesehen, dass der Trainer direkt nach Spielende mit ihm gesprochen hat und sie sich in den Arm genommen haben.“ Eine gewisse Enttäuschung bei Guirassy könne er verstehen: „Welcher Spieler will schon ausgewechselt werden?“ Es sei aber wichtig, auch Spielern wie Silva die Chance zu geben, sich zu beweisen.