Es gab mal Zeiten, da hätte man bei Borussia Dortmund in einer Kategorie den Kürzeren gezogen gegen spanische Mannschaften: Willenskraft. Wenn es nicklig, hart, ungemütlich wurde auf dem Rasen, steckten die BVB-Profis schon mal zurück.

Am Dienstagabend allerdings war Dortmund genau in dieser Hinsicht eine Klasse besser als der FC Villarreal. Mit 4:0 (1:0) nach Toren von Serhou Guirassy (45.+2/54.), Karim Adeyemi (58.) und Daniel Svensson (90.) gewann der BVB. Ein Resultat, das eigentlich nach Fußball-Feuerwerk klang. Damit hatte die Partie des fünften Champions-League-Spieltags allerdings wenig zu tun. In den entscheidenden Momenten erzwangen die Dortmunder jedoch ihr Glück – und schafften in Überzahl vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel am Samstag bei Bayer Leverkusen (18.30 Uhr/Sky) eine Ergebnis-Trendwende.

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Das Spiel war noch längst nicht angepfiffen, da legte Mats Hummels zum ersten Mal den Finger in eine der Wunden, die beim BVB derzeit klaffen. „Es ist eine stabile Mannschaft, die die Basics auf den Platz bringt“, sagte die Dortmunder Abwehrlegende in ihrer neuen Funktion als TV-Experte bei Prime. Der 36-Jährige monierte dann allerdings: „Es fehlen aber die großen spielerischen Glanzlichter.“ Hätte Hummels noch weitere Belege für diese gar nicht mal so steile These heraussuchen müssen, er hätte spätestens in der Halbzeit eine ganze Akte vorlegen können.

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BVB: Anton und Schlotterbeck müssen jeweils retten

Zweimal grätschten die Hummels-Erben Waldemar Anton (22.) und Nico Schlotterbeck (36.) mit feinster Klinge in höchster Not und verhinderten so zwei spanische Konter, die Torpotenzial gehabt hätten. Das waren die beiden Höhepunkte aus Dortmunder Sicht – und das sagte viel aus über die biedere schwarz-gelbe Darbietung. Der BVB spielte zwar doppelt so viele Pässe wie der Gegner von der spanischen Mittelmeerküste, doch Ertrag brachten sie nicht. Länge Bälle auf Linksverteidiger Daniel Svensson waren das probateste Mittel. Villarreal hingegen, Tabellendritter der spanischen Liga, wurde aktiver. Die beste Chance: Pape Gueyes Schuss vom Sechzehner, der nach einem Freistoß-Trick knapp drüber rauschte (31.).

Wofür aber wohl weder Hummels noch einer der 81.365 Zuschauerinnen und Zuschauer im ausverkauften Dortmunder Stadion eine Erklärung finden konnte, war der Pausenstand. 1:0 für den BVB. Ein Eckball von Daniel Svensson brach die spielerische Ideenlosigkeit in der Nachspielzeit. Waldemar Anton brachte den Ball zu Aaron Anselmino, der überraschend für Emre Can in der Startelf stand. Der wiederum leitete weiter zu Serhou Guirassy, der Torjäger köpfte einen Meter vor der Torlinie ein. Kurz mussten die Dortmunder noch zittern, weil ein vermeintliches Handspiel von Anton geprüft wurde. Doch der Treffer zählte.

Den Elfmeter verschießt Serhou Guirassy (rechts), doch den Nachschuss kann der BVB-Stürmer zum 2:0 verwandeln.
Den Elfmeter verschießt Serhou Guirassy (rechts), doch den Nachschuss kann der BVB-Stürmer zum 2:0 verwandeln. © AFP | Ina Fassbender

BVB: VAR steht zweimal im Fokus

Der Video-Schiedsrichter stand auch unmittelbar nach dem Seitenwechsel im Fokus – wieder mit positivem Ausgang für den BVB. Das war passiert: Dortmund konterte, Felix Nmecha schoss einen Spanier ab. Im zweiten Versuch, Torwart Luiz junior war schon geschlagen, traf Karim Adeyemi nicht ins leere Tor, sondern den ausgestreckten Arm von Kapitän Juan Foyth. Handelfmeter! Davide Massa vergewisserte sich noch einmal am TV-Bildschirm und blieb bei seiner Entscheidung, nur das Strafmaß verschärfte er: Rot statt Gelb für Foyth.

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Guirassy übernahm die Aufgabe in Abwesenheit von Can. Souverän löste er den Job allerdings nicht. Im ersten Versuch scheiterte er mit einem unplatzierten, lockeren Schuss an Luiz junior, den Nachschuss aber schob er ein (54.). Glücklich. Wie auch das dritte Tor kurz darauf, als Thomas Partey Adeyemi anschoss und der Ball von dessen Schienbein ins Netz flog (58.). Nur einmal versagten die Nerven, als der eingewechselte Fabio Silva noch einen Foulelfmeter an die Latte drosch (82.). Svensson setzte in der Nachspielzeit mit dem 4:0 den Schlusspunkt. Dortmund hatte die Spanier an diesem Novemberabend dennoch eiskalt erwischt – und ging dabei einen großen Schritt in Richtung K.o.-Runde.