Nach dem Abpfiff ging es hoch her im Hamburger Volkspark ob dieses emotionalen Endes. Karim Adeyemi rangelte sich im Mittelkreis. Während Borussia Dortmunds Fans schleunigst ihre Fahnen einrollten, stimmte die HSV-Kurve ein Lied nach dem anderen an. Einen Sieger gab es zwar nicht beim Last-Minute-1:1 zwischen Dortmund und Hamburg, doch einen klaren Verlierer: Und das war der BVB.

Lange sah es nach Carney Chukwuemekas Tor in der 64. Spielminute nach einem Sieg für Dortmund aus. Doch dann versagten in der Nachspielzeit die schwarz-gelben Nerven. Der eingewechselte Ransford Königsdorffer schockierte den BVB mit dem Ausgleich in der siebten Minute der Nachspielzeit. Damit stand ein 1:1 (0:0), der nächste Rückschlag für Dortmund. „Wir hatten bis zum 1:0 alles unter Kontrolle, haben eigentlich gar nichts zugelassen“, meinte Nationalspieler Nico Schlotterbeck nach dem 1:1 (0:0) beim HSV bei Sky, „dann haben wir die Kontrolle verloren und zum Schluss gar nichts mehr hinbekommen.“

BVB nach der Manchester-Pleite auf mehreren Positionen verändert

Der BVB war in Hamburg angetreten, um nach dem Stimmungsdämpfer am Mittwoch bei Manchester City, dem in der Höhe frustrierenden 1:4 in der Champions League, gleich eine Reaktion zu zeigen. Dabei bastelte Trainer Niko Kovac bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte wieder ordentlich an der Anfangsformation herum. So bildeten Jobe Bellingham und Pascal Groß anstelle von Marcel Sabitzer und Felix Nmecha das Mittelfeld. Carney Chukwuemeka sollte Kreativität in die Halbräume bringen, dafür verzichtete Kovac zunächst auf Karim Adeyemi.

Hamburger SV - Borussia Dortmund
Zurück in der BVB-Startelf: Emre Can.© Christian Charisius/dpa | Christian Charisius

Am überraschendsten allerdings war die Startelf-Rückkehr von Emre Can. Nach 175 Tagen Verletzungspause erlebte der Kapitän mal wieder ein BVB-Spiel von Anfang an – und machte das gleich sehr ordentlich: mit einigen guten Zweikämpfen in der ersten Halbzeit und einer sauberen Spieleröffnung. Und das, obwohl man ihn BVB eigentlich langsam heranführen wollte nach seinem Kurz-Comeback in Manchester.

BVB-Kapitän Emre Can zurück in der Startelf

Can war es jedoch auch, der bei der einzigen Chance des HSV im Fokus stand. Er verpasste in der Mitte eine Hereingabe, hatte aber Glück, dass dies auch für den lauernden Hamburger Kapitän Yussuf Poulsen galt (39.). Die Szene blieb auch danach heiß. Wieder flankten die Gastgeber in den Strafraum. Nicolas Capaldo rauschte heran und köpfte den Ball an die Latte.

Nur da wurde es mal brenzlig im Dortmunder Strafraum. Ansonsten bemühte sich Schwarz-Gelb um Kontrolle und war damit auch recht erfolgreich, ohne die völlige Dominanz mit dem Ball auszuüben. Das hohe Pressing aber funktionierte. Wie so oft in den vergangenen Wochen haperte nur in den Sekunden nach den Eroberungen, da fehlte Präzision, Abstimmung, der letzte Pass.

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Zum Aktivposten avancierte dabei England-Neuzugang Chukwuemeka. Wann immer der 22-Jährige andribbelte wurde es gefährlich, sodass die Hamburger früh auf Härte gegen den Spielmacher setzten. Unverständlich, dass Schiedsrichter Tobias Reichel Chukwuemeka kein Foul zusprechen wollte, obwohl dieser fast nur per Tritt oder Check zu stoppen war. Er hatte auch Dortmunds einzige richtige Tor-Möglichkeit, nachdem Maximilian Beier artistisch einen langen hohen Pass annahm und den mitgelaufenen Chukwuemeka bediente. Nur brachte der beim Schuss nicht den Körper über den Ball, sodass dieser im Fangnetz der Nordkurve zappelte (35.).

BVB nach der Pause präziser im letzten Spieldrittel

Bevor sich die Dortmunder auf dem Rasen verbessern sollten, musste sie erst einmal bangen. Nico Schlotterbeck krümmte sich nach einem Zweikampf mit Jordan Torunarigha auf dem Rasen. Es sah wohl schlimmer aus als es war, denn der 25-Jährige konnte weitermachen (47.). Der BVB zeigte sich zu Beginn der zweiten Halbzeit konzentrierter im letzten Drittel, vertikale Pässe von Bellingham und Chukwuemeka in die Spitze sorgten für Unruhe in der HSV-Abwehr, auch Maximilian Beier zeigte sich häufiger. Und dann war es soweit.

Kaum vom Ball zu trennen: BVB-Star Carney Chukwuemeka.
Kaum vom Ball zu trennen: BVB-Star Carney Chukwuemeka.© AFP | Ibrahim Ot

Der BVB drückte, zweimal wurde der Ball in den Strafraum geschlagen. Schlotterbeck brachte ihn mit langem Bein im Fallen zu Chukwuemeka – und der drosch die Kugel kompromisslos ins untere Eck zum 1:0 (64.). Kurz darauf war Chukwuemeka wieder mittendrin, hielt einen Dortmunder Angriff am Laufen. Anschließend aber konnte der inzwischen eingewechselte Adeyemi den Ball nicht mehr genau zu Bellingham bringen.

In der Tasche hatten die Dortmunder den Sieg noch nicht. Nach einem miesen Groß-Pass muste sich Torwart Gregor Kobel zum ersten Mal strecken, um Robert Glatzels Schuss zu halten (77.). Zwingend gefährlich wurde der HSV dann nicht mehr, zwei Schüsse blockten die BVB-Verteidiger, aber der Druck blieb da. Und dann schraubte sich Ransford Königsdorffer höher als alle anderen, köpfte in lange Ecke ohne Chance für Kobel. Der Volkspark wurde zum Tollhaus.