Die Fans müssen sich bei der Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA an reichlich neue Regeln gewöhnen: feste Trinkpausen, mehr Eingriffsmöglichkeiten für den Videoassistenten und die Rote Karte, wenn der Mund beim Sprechen verdeckt wird. Mit klaren Regeln sollen uneindeutige Situationen aus der Vergangenheit bei dem Turnier verhindert werden. Welche Regeln für ein faireres Spiel eingeführt worden sind, erfahren Sie hier.

Rote Karte für Hand vorm Mund

Spieler, die in einer Konfrontation mit dem Gegner ihre Hand vor den Mund halten, können bei der WM mit der Roten Karte bestraft werden. Damit soll diskriminierendes Verhalten verhindert werden. Indem sie den Mund verdecken, wollen Spieler häufig verschleiern, dass erkannt werden kann, was sie sagen.

Vinicius Junior und Gianluca Prestianni
Vorfall in der Champions League sorgt für Änderung im WM-Regelwerk: Gianluca Prestianni (Benfica Lissabon) beleidigt mit verdecktem Mund Vinícius Júnior (Real Madrid). © Miguel Lemos/ZUMA Press Wire/dpa | Miguel Lemos

Die Debatte war nach einem Vorfall in der Champions League entbrannt. Benfica Lissabons Gianluca Prestianni hatte sich in einer Auseinandersetzung mit Real-Star Vinícius Júnior das Trikot vor den Mund gezogen. Prestianni stand im Verdacht, sich rassistisch geäußert zu haben. Er wurde wegen einer homophoben Äußerung gesperrt. FIFA-Präsident Infantino setzte sich öffentlich für eine neue Regel ein.

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Platzverweis fürs Verlassen des Platzes

Spieler, die den Platz aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung verlassen, können die Rote Karte sehen. Dies gilt auch für Offizielle, die Spieler auffordern, dies zu tun. Wenn ein Team so einen Spielabbruch verursacht, wird die Partie grundsätzlich für den Gegner gewertet. Hintergrund dieser Verschärfung: Das Team Senegals hatte sich im Finale des Afrika Cups gegen Marokko aus Protest in die Katakomben zurückgezogen.

Streichen von Gelben Karten

Durch die Ausweitung des Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Teams wird auch eine weitere K.-o.-Runde mit 32 Mannschaften dazukommen. Dadurch würde sich auch die Chance erhöhen, nach der zweiten Gelben Karte zu fehlen. Deshalb entschärft die FIFA die bisherige Regel: Die Verwarnungen werden nicht nur wie bislang üblich nach den Viertelfinals, sondern erstmals bereits nach den drei Gruppenspielen gestrichen.

Antonio Mateu Lahoz und Lionel Messi
Gelbe Karten werden bei der WM 2026 bereits nach drei Gruppenspielen gestrichen.© Ricardo Mazalan/AP/dpa | Ricardo Mazalan

Countdown vor Standards

Damit Torhüter nicht zu lange den Ball in der Hand halten und damit das Spiel verzögern, wurde bereits vergangenes Jahr ein Countdown durch den Schiedsrichter eingeführt. Dies wird nun ausgeweitet: Auch bei Einwürfen oder Abstößen kann der Unparteiische fünf Sekunden per Hand runterzählen. Wenn das Spiel bis Ablauf des Countdowns nicht fortgesetzt wurde, geht der Ballbesitz ans gegnerische Team.

Zeitbeschränkung bei Wechseln

Die Spieler müssen sich bei einer Auswechslung beeilen: Spätestens zehn Sekunden, nachdem der Wechsel vom Vierten Offiziellen angezeigt wurde, müssen sie das Feld verlassen haben. Sollte dies nicht klappen, müssen sie trotzdem runter. Der eingewechselte Spieler muss dann aber mindestens eine Minute bis zur nächsten Spielunterbrechung warten, bis er aufs Feld darf.

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Zwangspause nach Verletzung

Wenn ein Spieler auf dem Feld wegen einer Verletzung behandelt wird oder das Spiel deswegen unterbrochen wird, muss der Spieler das Feld verlassen. Dort muss er eine Minute warten, bevor er wieder zurückkehren darf. Die nordamerikanische MLS hatte zuletzt bereits eine zweiminütige Zwangspause eingeführt. Argentiniens Superstar Lionel Messi beklagte sich vehement darüber, als er einmal tatenlos von außen zuschauen musste.

Mehr Befugnisse bei Videobeweis

Der Videoassistent darf nun drei weitere Situationen überprüfen und bei Fehlern des Schiedsrichters eingreifen:

  • bei einer zweiten Gelben Karte, die zu Gelb-Rot für einen Spieler führt.
  • bei einer Spielerverwechslung, die zu Rot oder Gelb für einen falschen Spieler führt.
  • bei unkorrekt gegebenen Ecken, sollte der Check sofort und ohne Verzögerung durchgeführt werden.

Trinkpausen

Trinkpausen
Eine Trinkpause pro Halbzeit soll für faire Bedingungen sorgen. © Marta Lavandier/AP/dpa | Marta Lavandier

Dass die Spieler sich bei hohen Temperaturen an der Seitenlinie erfrischen dürfen, ist nicht neu. Bei der WM wird es nun aber wetterunabhängig in jedem Spiel zwei festgelegte Trinkpausen geben. Die Schiedsrichter werden das Spiel ungefähr nach 22 und 67 Minuten für jeweils drei Minuten unterbrechen. Die FIFA will damit in allen Spielen für gleiche Bedingungen sorgen – Kritiker sehen damit die Chance für TV-Sender, Werbung während des unterbrochenen Spiels zu schalten. dpa