Kaum jemand wird die Expertise dieses Mannes anzweifeln: Bill Nelson war selbst Astronaut und von 2021 bis Januar 2025 sogenannter Administrator der US-Weltraumorganisation Nasa. Immer wieder hatte der mittlerweile fast 84 Jahre alte Nelson davor gewarnt, dass die Vereinigten Staaten im Wettrennen um die Vorherrschaft im All gegenüber dem großen Konkurrenten China ins Hintertreffen geraten könnten. Noch nie klang er dabei so eindringlich, fast schon schrill, wie in seinem neuen Buch „Space Odyssey“, das im Januar 2027 in den USA erscheinen soll.

Darin wird Nelson ganz deutlich: „Pekings Strategie besteht darin, die Vorherrschaft im 21. Jahrhundert zu erlangen“, schreibt der Raumfahrtexperte. „Was oberflächlich betrachtet wie Weltraumforschung aussieht, ist in Wahrheit auch ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft im Weltraum“, schreibt er. Dieser Wettlauf werde entscheiden, wer die Regeln für eine neue Ära der menschlichen Expansion jenseits der Erde festlege. „Für Peking geht es bei diesem Wettlauf nicht um Weltraumforschung, sondern um Vorherrschaft – darum, die Infrastruktur im Orbit zu sichern, ähnlich wie Imperien einst Handelsrouten eroberten und Seewege aggressiv verteidigten“, so Nelson.

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Nelson: China kann kein Partner bei Erkundung des Weltraums sein

Der ehemalige Nasa-Chef spielt damit auf die Bemühungen der Volksrepublik an, eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond zu etablieren und insbesondere das Gebiet um den sogenannten Südpol des Mondes zu besetzen, wo sich nach Einschätzung vieler Experten die meisten Ressourcen befinden. China hatte zuletzt angekündigt, vor dem Jahr 2030 Taikonauten zum Mond zu bringen. Die Nasa strebt frühestens 2028 die erste bemannte Mondlandung seit gut 50 Jahren an. Elon Musk und sein SpaceX-Konzern planen überdies eine Mars-Mission. Erst im April hatte die Crew der Artemis-2-Mission den Mond umrundet und war danach von US-Präsident Donald Trump empfangen worden.

Nelson spannt in seinem Buch einen großen Bogen und erwähnt auch einen Vorfall aus dem Jahr 2023. Die Nasa hatte damals das US-Militär unterstützt, als ein chinesischer Spionageballon begann, die Vereinigten Staaten zu überqueren. Die Raumfahrtorganisation stellte seinerzeit Informationen zur Verfügung, wie der Ballon abgeschossen werden könne, ohne Menschen am Boden zu gefährden. Laut Nelson lieferte die „Ballon-Affäre“ einen weiteren Beweis dafür, wie intensiv der Wettstreit zwischen China und den USA um die Dominanz im Weltraum bereits sei. Nelson warnt davor, China als Partner bei der weiteren Erforschung des Weltraums zu betrachten. „Partnerschaft erfordert Vertrauen, und Vertrauen basiert auf Transparenz. Im Falle Chinas gab es trotz wiederholter Bemühungen, eine überprüfbare, regelbasierte Zusammenarbeit aufzubauen (...) von beidem nie besonders viel“, schreibt der ehemalige Nasa-Chef.

China könnte USA Zugang zu Teilen des Mondes verweigern

Der Wettlauf um eine dauerhafte Siedlung auf dem Mond sei in naher Zukunft entscheidend, argumentiert Nelson und zeigt sich dabei nicht besonders optimistisch, was die Chancen der USA anbelangt. Die Vereinigten Staaten seien „nicht der offensichtliche Favorit“, heißt es in dem Buch. Nelson verweist dabei auf Aussagen des aktuellen Nasa-Chefs Jared Isaacman, der jüngst auf die strategische Partnerschaft zwischen China und Russland bei der Raumforschung hinwies und betonte, dass China auf dem Mond einen Atomreaktor errichten und den USA den Zugang zu Teilen des Mondes verweigern könnte.

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In eindringlichen Worten fordert Nelson dazu auf, in den Bemühungen um die Besiedlung des Mondes nicht nachzulassen und das Rennen mit dem Konkurrenten China anzunehmen. Sollten die Vereinigten Staaten diesen Wettstreit verlieren, schreibt Nelson, „werden wir zusehen müssen, wie uns die nächste Grenze entgleitet“.