Sie werden 100 Jahre und älter, bleiben geistig aktiv und bewahren ihre Lebensfreude: Die außergewöhnliche Langlebigkeit der Menschen auf der Mittelmeerinsel Sardinien beschäftigt Forscher seit Jahren. Nun zeigt eine neue Studie: Nicht nur Gene, Ernährung und Bewegung könnten erklären, warum auf Sardinien besonders viele Menschen ein hohes Alter bei guter Gesundheit erreichen – auch bestimmte psychologische Eigenschaften spielen offenbar eine wichtige Rolle.
Wissenschaftler der Universität Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens, haben untersucht, welche mentalen und emotionalen Faktoren erfolgreiches Altern begünstigen. Die im „International Journal of Applied Positive Psychology“ veröffentlichte Studie wurde von der Psychologin Maria Chiara Fastame geleitet und setzt eine seit 2010 laufende Forschungsreihe fort. Im Mittelpunkt stand die sogenannte Blaue Zone im Osten Sardiniens, vor allem die bergige Region Ogliastra.
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Hohe Lebenserwartung auf Sardinien: Senioren bleiben neugierig und aktiv
Dort leben überdurchschnittlich viele Menschen, die ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen, und zwar bei guter Gesundheit. Hier gibt es besonders viele männliche Hundertjährige. Als Gründe gelten bislang vor allem eine traditionelle Ernährung, viel Bewegung im Alltag, enge soziale Beziehungen und mögliche genetische Besonderheiten. Für die aktuelle Untersuchung wurden 125 Menschen im Alter zwischen 71 und 101 Jahren befragt.
Das Ergebnis: Senioren aus der sardischen Blauen Zone zeigten im Vergleich zu gleichaltrigen Bewohnern einer anderen ländlichen Region eine stärkere Offenheit für neue Erfahrungen. Viele der Hochbetagten bleiben demnach auch im Alter aktiv – sie helfen in der Familie, arbeiten handwerklich, pflegen soziale Kontakte oder widmen sich geistig anregenden Tätigkeiten. Ihre Neugier und Bereitschaft, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben, könnten dazu beitragen, geistige Fähigkeiten länger zu erhalten und ein stärker gemeinschaftliches Leben zu führen.
Koffein für ein längeres Leben?
Ein weiterer Faktor sind offenbar bessere Strategien im Umgang mit schwierigen Situationen. Die Bewohner der Blauen Zone können laut Studie Veränderungen, Verluste und alltägliche Herausforderungen im Alter besser bewältigen. Diese sogenannten „Coping“-Strategien helfen dabei, Probleme zu lösen und vorhandene Ressourcen gezielt zu nutzen, erklärte Studienleiterin Fastame. Die Forscher stellten zudem eine ausgeprägtere emotionale Kompetenz fest.
„Blaue Zonen“: Emotionale Intelligenz könnte Langlebigkeit fördern
Die untersuchten Senioren konnten eigene Gefühle und die Emotionen anderer Menschen besser wahrnehmen, ausdrücken und regulieren. Die Studie liefert damit einen weiteren Hinweis darauf, dass ein langes Leben nicht allein von körperlichen Faktoren abhängt. Offenheit, soziale Verbundenheit und die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen, könnten ebenso Teil des sardischen Geheimnisses der Langlebigkeit sein.
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Als Blaue Zonen werden weltweit einige Regionen bezeichnet, in denen Menschen auffallend häufig ein sehr hohes Alter erreichen – oft über 90 oder sogar 100 Jahre – und dabei vergleichsweise lange gesund und aktiv bleiben. Der Begriff geht auf den italienischen Demografen Gianni Pes und den belgischen Forscher Michel Poulain zurück, die Anfang der 2000er-Jahre Gebiete mit ungewöhnlich hoher Lebenserwartung untersuchten und auf Karten blau markierten.
Weitere Blaue Zonen sind das japanische Okinawa – bekannt für eine hohe Zahl älterer Menschen mit traditionell pflanzenreicher Ernährung, sowie die Nicoya-Halbinsel im Nordwesten von Costa Rica – eine Region mit hoher Lebenserwartung und starken familiären Bindungen. Als Blaue Zone gelten auch Ikaria, eine griechische Insel, auf der viele Bewohner bis ins hohe Alter aktiv bleiben, sowie Loma Linda, eine Kleinstadt im Süden Kaliforniens (USA), etwa 100 Kilometer östlich von Los Angeles.







