Nicht jede Beziehung, die schwierig geworden ist, ist verloren. Aber nicht jede Liebe sollte um jeden Preis gerettet werden. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ beleuchtet unsere Autorin Alina Juravel, woran man den feinen Unterschied erkennt – und warum nicht Wut oder Enttäuschung die deutlichsten Warnsignale sind.

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Es gibt Sätze, die bleiben hängen, lange nachdem ein Gespräch vorbei ist. Einer davon fiel vor ein paar Wochen bei einem Glas Wein, als mir eine Freundin von ihrer Trennung erzählte. Fast sechs Jahre war sie mit ihrem Partner zusammen gewesen. Sechs Jahre voller gemeinsamer Erinnerungen, Routinen, Streitgespräche und Versöhnungen. Eine dieser Beziehungen, bei denen man von außen dachte: Die beiden sind ein tolles Team!

„Ich wusste genau, wann ich gehen musste“, sagte sie mir irgendwann. Ich erwartete nun eine dramatische Geschichte. Einen großen Streit vielleicht. Einen Vertrauensbruch. Irgendein Ereignis, das laut genug war, um eine große Liebe zu beenden. Aber sie schüttelte den Kopf. Es war nicht während der vielen Diskussionen. Nicht während der Wochen, in denen sie sich gegenseitig Vorwürfe machten. Nicht einmal in den Momenten, in denen sie nachts wachlag und sich fragte, ob sie noch glücklich war.

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„Es war viel später“, sagte meine Freundin. „Es war der Moment, in dem es mir egal wurde.“ Es war also nicht die Wut oder die Enttäuschung, sondern das vollständige Ausbleiben von emotionaler Bewegung – absolute Gleichgültigkeit. Sie machte sich keine Gedanken mehr über ihre gemeinsame Zukunft. Fragte sich nicht mehr, ob sie die Beziehung retten könnten. Sie dachte nicht einmal mehr darüber nach, wie es ihm ging. Und genau das erschreckte sie am meisten.

Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Kämpfen und Festhalten

Dabei romantisieren wir das Durchhalten ja gerne. „Liebe ist Arbeit“, heißt es dann. Und ja – das stimmt auch. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass eine langfristige Beziehung nicht nur aus Leichtigkeit besteht. Sie besteht aus Kompromissen, Geduld und der Bereitschaft, auch unangenehme Gespräche zu führen. Aber irgendwo zwischen Kämpfen und Festhalten gibt es einen feinen Unterschied, den wir oft übersehen.

Doch wann lohnt es sich, für eine Beziehung zu kämpfen, und wann sollte man lieber Lebewohl sagen? „Solange eine emotionale Basis da ist, also eine minimale Zuneigung oder Verbundenheit, können Paare nochmal durchstarten“, ist sich die Hamburger Psychologin und Paartherapeutin Lisa Fischbach sicher. Der typische Satz „Lass uns das Alte vergessen und noch einmal von vorn beginnen“ funktioniere dabei aber nicht. Wie und wann ein Neustart wirklich gelingen kann, das hat die Psychologin in diesem Interview mit meiner Kollegin Marta Ways verraten.

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Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE-Tageszeitungen.

Eigentlich merkt man schon über längere Zeit, wenn es in einer Beziehung kriselt. Wenn das Verhältnis sich kalt und fremd anfühlt, schrillen oft die Alarmglocken. Der Partner wirkt distanziert, Gespräche werden oberflächlicher, Berührungen fühlen sich lieblos an und verlieren an Wärme. Was folgt, ist nicht selten ein Gefühl von Traurigkeit und Hilflosigkeit. Das Gute: Die emotionale Bindung kann wieder gestärkt werden. Nähe in der Partnerschaft lässt sich zurückgewinnen. Oft genügen dafür kleine, gezielte Impulse. Die Münchener Paartherapeutin Judith Gastner hat meiner Kollegin Nina Spannuth erklärt, was Betroffene direkt in die Tat umsetzen können und was Paare in Krisensituationen tunlichst vermeiden sollten. 

Glückliche Ehe: Wie Marc und Beate Keiterling Krisen vermeiden

Dass eine Beziehung trotz Krisen und Problemen lange halten kann, das beweisen Marc und Beate Keiterling aus Oberhausen. Die beiden sind seit mehr als 30 Jahren verheiratet – und glücklich. Sie haben meiner Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural verraten, warum ihre Ehe so gut funktioniert und welche „zwei potenziellen Beziehungskiller“ sie vermieden haben.

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Vielleicht ist das also die unbequemste Wahrheit über Liebe: Beziehungen scheitern selten an einem einzigen Ereignis. Viel häufiger sterben sie langsam. In kleinen Etappen. Zwischen unbeantworteten Fragen und Gesprächen, die man immer wieder auf morgen verschiebt. Die schwierigste Frage der Liebe lautet also womöglich nicht: Liebst du mich noch? Sondern: Wollen wir beide überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft?

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Wussten Sie auch, wann Sie eine Beziehung verlassen müssen oder konnten Sie sogar Ihre Beziehung retten? Erzählen Sie es mir gerne. Ich freue mich drauf! Und wenn Sie Kritik haben oder Anregungen, können Sie mir jederzeit eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de schreiben.

Alles Liebe,
Alina Juravel

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PPS: Und hier noch eine besondere Hörempfehlung für Sie: Im neuen FUNKE-Podcast „Länger Leben“ spricht meine Kollegin Natalja Fischer mit dem Mediziner und Longevity-Experten Dr. Felix Bertram darüber, wie wir uns möglichst lange gesund halten. Neue Folgen erscheinen jeden Mittwoch, überall wo es Podcasts gibt. Hier kommen Sie zur ersten Folge.