Eifersucht gilt noch immer als Beweis von Liebe – dabei ist sie oft nur Angst im besseren Gewand. Sie misst, vergleicht, missgönnt. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ beleuchtet unsere Autorin Alina Juravel ein Gefühl, das als Gegenteil von Eifersucht gilt, und stellt Menschen vor, die es bereits in ihrer Beziehung ausleben.

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Eifersucht fühlt sich selten nach Liebe an. Eher nach Enge

Ich möchte Ihnen heute eine Mini-Serie ans Herz legen, die mich noch Tage nach dem Abspann beschäftigt hat. „Vladimir“ heißt sie und ist derzeit auf Netflix zu sehen – ein erotischer Psychothriller über eine Literaturprofessorin in ihren Fünfzigern, die sich in eine obsessive Beziehung zu einem deutlich jüngeren Kollegen verstrickt. Es ist eine Serie über Macht, über Begehren, über die feinen Linien zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Und ganz nebenbei hat mich die Serie mit einem Wort konfrontiert, das ich vorher nicht kannte: Resonanzfreude.

Es beschreibt die Fähigkeit, sich ehrlich darüber zu freuen, wenn ein Mensch, den wir lieben, Freude oder sexuelle Erfüllung mit einer dritten Person erlebt. Resonanzfreude wird daher oft als das Gegenteil von Eifersucht beschrieben.

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Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Tageszeitungen.

Resonanzfreude fordert ein neues Verständnis von Liebe und Beziehung

Nachdem ich durch „Vladimir“ dieses Wort und seine Bedeutung lernte, merkte ich, wie sehr Resonanzfreude allem widerspricht, was wir über Beziehungen gelernt haben. Denn Eifersucht gehört ja fast zum Inventar der Liebe. Sie wird selten hinterfragt, eher romantisiert. Ein bisschen Eifersucht gilt als gesund, als Zeichen von Tiefe, von Bedeutung. Wer nicht eifersüchtig ist, so heißt es oft, dem ist der andere egal. Und doch fühlt sich Eifersucht selten nach Liebe an. Eher nach Enge. Denn Eifersucht verengt den Blick, macht aus Möglichkeiten Bedrohungen. Resonanzfreude hingegen öffnet ihn.

Die Idee, dass das Glück eines anderen mein eigenes nicht schmälert, sondern vielleicht sogar bereichern könnte, stellt vieles auf den Kopf. Sie verlangt ein anderes Verständnis von Beziehung – eines, das nicht auf Besitz basiert, sondern auf Verbundenheit. Nicht auf Ausschluss, sondern auf Erweiterung. Ganz klar, Resonanzfreude klingt wie die Utopie einer emotionalen Reife, die wir gerne hätten, aber selten erreichen.

Alex S. und Tine S. leben in einer offenen Beziehung.
Alex S. und Tine S. leben in einer offenen Beziehung.© Foto: Privat | Unbekannt

In polyamoren Konstellationen, also in Beziehungen mit mehr als zwei Personen, wird Resonanzfreude oft gelebt. Das zeigt auch der Fall von Alex und Tine. Die beiden sind seit vielen Jahren ein Paar. Trotzdem haben sie Sex mit anderen und gönnen es dem jeweils anderen von Herzen. Wie kann das klappen? Der Trick sei, sich an eine „goldene Regel“ zu halten. Welche das ist, das erzählen die beiden im spannenden Interview mit meiner Kollegin Yannah Alfering.

Wer seine Resonanzfreude ganz groß auslebt, ist Michael, der seit 30 Jahren verheiratet ist. Er führt mit seiner Frau zwar keine klassisch offene Beziehung, aber es erregt ihn, wenn er sie beim Sex mit anderen Männern beobachtet. Die meisten Paare kriegen allein bei dem Gedanken daran bereits Bauchschmerzen. Für Michael ist genau das der absolute Kick. Hier erzählt er, wie er seine Vorliebe entdeckte und was seine Frau dazu sagt.

Sechs von zehn Deutschen sind eifersüchtig, jeder zehnte sogar sehr

Dass man die Eifersucht in einer Beziehung ganz ablegen kann, passiert selten. Einer Umfrage der Partnerbörse Elitepartner zufolge sind sechs von zehn Deutschen eifersüchtig, jeder zehnte sogar sehr. Doch was bedeutet es, wenn der Partner oder die Partnerin gar keine Eifersucht zeigt? Dahinter könnte ein sehr gesundes Selbstvertrauen stecken – oder eine psychische Störung. Meine Kollegin Eileen Wagner hat mit Psychotherapeutin Lisa Zimmermann darüber gesprochen, welche Anzeichen auf ein ernstes Problem hindeuten.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie eifersüchtig, oder nervt Sie diese Eigenschaft? Erzählen Sie es mir gerne. Ich freue mich drauf! Auch wenn Sie Kritik haben oder Anregungen, können Sie mir jederzeit eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de schreiben.

Alles Liebe
Alina Juravel

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