Tränende Augen, ständiges Niesen und eine laufende Nase gehören für Menschen mit Heuschnupfen zum Alltag. Die Pollenallergie ist weit verbreitet und kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Doch was, wenn zur Allergie noch eine chronische Krankheit hinzukommt? „Ist Heuschnupfen für Diabetiker besonders gefährlich?“, lautet eine häufige Suchanfrage im Netz. Was es mit der Sorge auf sich hat und ob Menschen mit Diabetes tatsächlich stärker unter Allergien leiden als andere, lesen Sie hier.
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Heuschnupfen und Diabetes: Bei Entzündungen ist Vorsicht geboten
Dr. Michael Gerstlauer, Oberarzt und Allergologe am Universitätsklinikum Augsburg, gibt zunächst Entwarnung. „Das, was die allergische Rhinitis an Beschwerden macht, beeinflusst den Diabetes nicht“, erklärt er. „Es ist gemein für den Menschen, dass er zwei chronische Krankheiten hat, aber die Kombination macht das Ganze jetzt nicht schlimmer.“
Hinter der allergischen Rhinitis – also dem klassischen Heuschnupfen – stecke laut Gerstlauer eine Fehlregulation des Immunsystems. „Unser Körper reagiert gegen eigentlich ungefährliche Proteine und denkt, er muss dann eine Abwehrreaktion initiieren“, erklärt er. Dabei interpretiere der Körper Stoffe wie Pollen als Krankheitserreger und es entstehe eine Entzündungsreaktion. Diese Reaktion sei der entscheidende Punkt, wenn es um mögliche Auswirkungen auf Diabetiker geht.
Meist bleibt die Entzündungsreaktion lokal, etwa in der Nase oder an den Augen, was die typischen Symptome wie Niesen, Juckreiz oder tränende Augen auslöst. Problematischer kann es jedoch werden, wenn sich die Entzündung im ganzen Körper ausbreitet. „Dann sollte der Blutzucker ein bisschen engmaschiger kontrolliert werden“, rät der Allergologe.

Heuschnupfen-Medikamente: „Kann man bedenkenlos nehmen“
Für Betroffene bedeutet das vor allem eines: aufmerksam bleiben und den eigenen Körper aufmerksam beobachten. Besonders während intensiver Pollenbelastung empfiehlt Gerstlauer, die Blutzuckerwerte häufiger zu überprüfen, denn generell könne die Entzündungsreaktion, die vom Heuschnupfen ausgelöst wird, die Einstellung des Blutzuckers herausfordernder machen.
„Aber eigentlich ist das kein großes Problem“, entwarnt Gerstlauer. Mögliche Schwankungen lassen sich in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Viele Menschen mit Diabetes nutzen mittlerweile auch kontinuierliche Glukosemesssysteme, die eine nahezu permanente Kontrolle ermöglichen. Ein zusätzlicher Blick auf die Messwerte während der Allergiesaison kann Diabetikern helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.
Während der Pollensaison besteht laut Gerstlauer also kein grundsätzlich erhöhtes Risiko für Diabetiker. Auch die gängigen Medikamente gegen Heuschnupfen bereiten Betroffenen in der Regel keine Probleme. „Die Medikamente, die zur Therapie des Heuschnupfens empfohlen sind, kann man auch bedenkenlos nehmen“, erklärt der Oberarzt. Dazu gehören insbesondere Cortison-Nasensprays, die in so geringen Mengen verabreicht werden, dass es für den gesamten Körper keine Auswirkungen hat. Aber auch Antihistaminika wie Cetirizin oder Desloratadin können Diabetiker bedenkenlos nehmen, da sie keinen relevanten Einfluss auf den Blutzucker haben und gut verträglich sind.
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Diese Allergiebehandlung macht „definitiv Nebenwirkungen“
Deutlich kritischer bewertet der Experte hingegen eine veraltete Behandlungsform: Depot-Cortisonspritzen. Solche Spritzen wurden in den 1970er bis 1990er Jahren einmal pro Saison beim Allgemeinmediziner verabreicht. Sie werden heutzutage jedoch kaum noch eingesetzt. „Davon raten wir Allergologen extrem ab. Das macht definitiv Nebenwirkungen für den Diabetes“, warnt er.
„Durch diesen andauernden höheren Cortisonspiegel ist mit einem höheren Blutzucker und einem höheren Insulinbedarf zu rechnen“, erklärt Gerstlauer weiter. Zusätzlich dazu haben Diabetiker ein erhöhtes Risiko für lokale Entzündungen oder sogar Abszesse, die dann gespalten werden müssen. „Ehrlich gesagt ist das ein No-Go, so eine Depot-Spritze zu kriegen“, sagt er deutlich.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sei eine Hyposensibilisierung, also eine Allergen-Immun-Therapie. Das sei bei Diabetes genauso machbar wie bei Menschen ohne Diabetes, erklärt der Arzt. Diese Therapie kann langfristig dazu beitragen, die Beschwerden deutlich zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.









