Der Partner sollte die Person sein, der man am meisten vertraut. Wird man von ihm hintergangen, kann das eigene Weltbild ins Wanken geraten. Oft führen Vertrauensbrüche zum Ende der Beziehung. Ähnliche Vorwürfe erhebt nun auch die Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Wie kürzlich bekannt wurde, hat die 44-Jährige Anzeige gegen ihn erstattet. Die Vorwürfe wiegen schwer, darunter digitale, sexualisierte Gewalt und Identitätsmissbrauch.
Ulmen, so schildert es Fernandes in einem Post auf Instagram, habe über lange Zeit Fake-Profile von ihr erstellt, um damit Männer zu kontaktieren und ihnen laut Fernandes unter anderem „falsche“ Nacktfotos zu schicken, die „privat anmuten und so wirken sollten, als habe ich mich selbst nackt fotografiert“. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die „initiale Berichterstattung“ des „Spiegels“ gerichtliche Schritte einzuleiten.
Dass jemand heimlich pornografische Aufnahmen vom eigenen Partner teilt – ob echt oder gefälscht –, hat Christian Hemschemeier in seiner Praxis nur selten erlebt. Er ist Diplom-Psychologe und setzt sich in seiner Arbeit unter anderem mit toxischen Beziehungen auseinander. „Es gibt sicher eine Dunkelziffer, weil solche Dinge ja erstmal ans Licht kommen müssen“, ordnet er ein. Doch was treibt Menschen dazu, das Vertrauen ihres Partners derart zu missbrauchen? Kann eine Beziehung davon heilen oder ist Trennung der einzige Ausweg?
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Vertrauensbruch in der Beziehung: „Existenziell bedrohlich“
Vom eigenen Partner hintergangen zu werden, bezeichnet Hemschemeier als „existenziell bedrohlich“: „Wir Menschen sind Bindungswesen und brauchen einen Safe Space – vor allem in Liebesbeziehungen und engen Freundschaften. Dort wollen wir nicht ständig ‚auf Habacht‘ sein“, so der Experte.
Schon zu Beginn einer Beziehung sollte man genau hinsehen, um mögliche Warnzeichen früh zu erkennen, rät er: „Wenn jemand schon eine Historie von Fremdgehen oder merkwürdigen Verhaltensweisen hat, sollte man hellhörig werden. Es gibt Menschen, die stark von ihrem Ego und ihren Bedürfnissen gesteuert, wenig empathisch sind und damit ein hohes Gefahrenpotenzial bergen.“ Ist die Beziehung erst einmal fortgeschritten, so sei der Blick getrübter für diese Signale.
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Nacktfotos vom Partner verschicken: „Fällt in den Bereich sexualisierter Gewalt“
Wenn Partner intime Aufnahmen online teilen, gehe es dabei oft um eines, so Henschemeier: „Macht. Dahinter stecken eher niedere Motive, etwa sexuelle Fetische, die auf Macht basieren, nach dem Motto: ‚Ich kann mit dir machen, was ich will‘.“ Nina Jares, Paartherapeutin aus Düsseldorf, findet für das Verhalten der Täter deutliche Worte: „Das ist absolut grenzüberschreitend und fällt in den Bereich sexualisierter Gewalt.“ Die Hintergründe können von Fall zu Fall unterschiedlich sein: „Manche rechtfertigen ihr Verhalten, spielen es herunter oder erkennen die Tragweite nicht an, doch das ändert nichts an der Verantwortung.“
Dass solche Fälle nur selten den Weg in ihre Praxis fänden, sei „kein Indiz, dass es nicht doch öfter passiert“. Für Betroffene sei das Thema mit so großer Scham besetzt, dass sie sich womöglich nicht oft Hilfe von außen holten. Im Austausch mit vertrauten Personen oder in Fachberatungsstellen könne man als Opfer sexualisierter Gewalt jedoch den nötigen Rückhalt finden. Die Expertin betont: „Es liegt nie an der betroffenen Person. Der übergriffige Mensch überschreitet bewusst Grenzen und stellt die eigenen Bedürfnisse über die Rechte und die Selbstbestimmung der anderen Person.“
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Ob eine Partnerschaft einen solchen Vertrauensbruch überleben kann, sieht Hemschemeier eher skeptisch: „Aus meiner Erfahrung in der Paartherapie lohnt es sich bei extremen Grenzüberschreitungen meist nicht, das aufzuarbeiten. Die Gefahr, dass es wieder passiert, ist groß.“ So könne es vorkommen, dass der Partner, der Grenzen überschreitet, sich hervorragend verstellen kann und ein Verständnis nur vorspielt. „Bei solchen extremen Vertrauensbrüchen, aber auch bei Gewalt, würde ich einfach sagen: Das ist ein Dealbreaker.“
Hemschemeier ergänzt, dass man sich nach einer solchen Enttäuschung auch Gedanken über die eigene Partnerwahl machen sollte. „Man ist Opfer geworden, ja – aber man kann trotzdem hinschauen, warum man diesen Partner überhaupt ausgesucht hat. Häufig gab es vorher schon Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen, etwa in der Herkunftsfamilie.“ Nur durch diese Selbstreflexion könne man vermeiden, ein unbewusstes „Beuteschema“ zu entwickeln und erneut in einer ähnlichen Konstellation zu landen, so der Experte.
Jares rät Betroffenen, in sich hineinzuhören und folgende Fragen zu stellen: „Kann ich mich in dieser Beziehung jemals wieder sicher fühlen? Kann ich dieser Person wieder vertrauen, mich fallen lassen und mir eine gemeinsame Zukunft vorstellen?“ Denn letztlich gehe es um den eigenen inneren Frieden, so die Expertin. Entscheide man sich für die Trennung, so habe sie gute Nachrichten: „Es ist möglich, einem neuen Partner wieder zu vertrauen. Genauso richtig ist es aber auch, zuerst einmal dieses Nicht-Vertrauen aufrechtzuerhalten. Denn es gibt einen guten Grund, skeptisch zu sein und sich erst langsam wieder auf Neues einzulassen.“
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Umfeld in der Pflicht: „Sollte klar Position beziehen“
Werden Vertrauensbrüche innerhalb einer Partnerschaft publik, so befinde sich auch das Umfeld im Handlungszwang. Für Jares ist dabei eine deutliche Haltung besonders wichtig: „Eine klare, unterstützende Position gegen grenzverletzendes Verhalten und sexualisierte Gewalt gibt Orientierung, stärkt Betroffene und trägt so dazu bei, dass sie sich gesehen und ernst genommen fühlen.“
Hemschemeier stimmt zu: „Das Umfeld sollte klar Position beziehen.“ Während in manchen Fällen eine Paartherapie die Lösung sein könne, würde er bei extremen Grenzüberschreitungen sogar davon abraten: „Man muss da nichts groß besprechen, sondern sollte versuchen, sich möglichst sicher aus der Beziehung zu lösen.“ Auch in solchen Fällen sollte das Umfeld nicht dazu raten, die Probleme anzugehen, sondern klar signalisieren: „Das ist so krass – wir wünschen dir, dass du da sicher rauskommst, wir wollen das nicht schönreden.“









