Haus, Kinder, Hund – und eine Affäre. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ erzählt unsere Autorin Alina Juravel, warum selbst die stabilsten Beziehungen brüchig sein können und wir beim Thema Fremdgehen zu schnell urteilen.

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Untreue kommt auch in den besten Familien vor

So gut wie jeder kennt dieses eine Paar. Diese zwei Menschen, bei denen man sich sicher ist: Die bleiben zusammen. Für immer. Gegen alle Wahrscheinlichkeiten, gegen alle Statistiken. Einfach, weil es bei ihnen „anders“ ist.

Auch ich kenne so ein Paar. Seit mehr als zehn Jahren zusammen, zwei Kinder, ein Haus am Stadtrand, ein Labrador im Garten. Ein Leben wie aus dem Katalog. Oder eher: wie aus einem dieser Bilderbücher, in denen Konflikte höchstens angedeutet werden, aber nie wirklich stattfinden.

Und dann, vor ein paar Wochen, kam die Wahrheit ans Licht. Nicht leise, nicht schleichend – sondern mit einem Knall. Der Mann hatte seit zwei Jahren eine Affäre. Zwei Jahre eines Doppellebens, versteckt zwischen Familienfrühstück und Elternabenden. Heraus kam das alles nicht etwa durch ein schlechtes Gewissen, sondern weil die andere Frau genug hatte. Genug vom Warten, vom Verstecktsein, vom halben Leben. Sie erzählte es der Ehefrau.

Seitdem: Rosenkrieg. Anwälte. Vorwürfe. Tränen. Eine Familie, die gerade zerbricht.

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Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Tageszeitungen.

Fremdgehen: Auch die Affäre leidet im Zweifel darunter

Was ich damit sagen will: Fremdgehen ist kein Randphänomen. Es ist keine Geschichte, die nur „den anderen“ passiert. Es ist näher, als wir denken. Es passiert in Beziehungen, die gerade erst begonnen haben – und in denen, die längst als gefestigt gelten. Es trifft die Unsicheren genauso wie die scheinbar Unerschütterlichen.

Natürlich ist es schrecklich, betrogen zu werden. Der Moment, in dem die Wahrheit ans Licht kommt, ist wie ein Erdbeben. Das Vertrauen, auf dem alles aufgebaut war, bekommt Risse oder stürzt gleich ganz ein. Nichts fühlt sich danach noch stabil an. Und doch reagieren wir oft erstaunlich einfach. Wir suchen nach einer klaren Schuldigen, nach einer Figur, auf die wir alles projizieren können. Sehr oft ist das die „Affäre“. Sie wird zur Zerstörerin erklärt, zum Eindringling in eine vermeintlich heile Welt. Aber so einfach ist es selten.

Denn so abgedroschen das auch klingen mag: Zu einem Seitensprung gehören immer mindestens zwei – und oft auch eine Beziehung, in der etwas längst aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das entschuldigt nichts. Aber es erklärt vielleicht mehr, als wir zugeben wollen.

Auch Affären führen kein leichtes Leben. Sie verlieben sich nicht selten in jemanden, der nicht wirklich verfügbar ist. Sie warten, hoffen, werden vertröstet – und verlieren dabei oft selbst den Halt. Sie sind nicht nur Täterinnen oder Täter, sondern manchmal auch Gefangene einer Situation, die sie sich so nicht ausgesucht haben. Das zeigt auch der Fall von Christine Zillmer. Sie war über Jahre die „geheime Zweitfrau“ eines vergebenen Mannes und oft unglücklich. Doch die Trennung kam trotzdem lange nicht. „Meine Affäre war wie eine Drogensucht“, sagte Christine im Gespräch mit meiner Kollegin Nina Noire Kugler. Emotionale Abhängigkeit, Trennungsversuche, Liebesrausch – hier können Sie nachlesen, warum Christine ihre Affäre so lange nicht beenden konnte.

Seitensprung: Sollte man Fremdgehen doch verzeihen?

Auch Luisa und Victoria gehören zu den Frauen, die eine Affäre mit einem vergebenen Mann haben. Doch nur eine der Frauen leidet unter der Situation. Meine Kollegin Yannah Alfering hat mit den beiden über ihre Beweggründe gesprochen und ihnen viele pikante Details entlockt. Hier können Sie den Text über Luisa und Victoria lesen.

Und dann ist da noch die Frage, die fast reflexartig gestellt wird, sobald ein Seitensprung ans Licht kommt: Sollte man das verzeihen? Für viele ist die Antwort klar, beinahe kategorisch. Einmal betrogen, immer betrogen – Schlussstrich, ohne Diskussion. Und ja, es gibt gute Gründe dafür. Nicht jede Beziehung lässt sich retten, nicht jeder Vertrauensbruch kann heilen. Aber auch hier lohnt es sich, vorsichtig zu sein mit schnellen Urteilen. Denn Verzeihen ist keine Schwäche, sondern kann, im Gegenteil, ein Ausdruck von Stärke sein. Es bedeutet, sich dem Schmerz zu stellen, statt vor ihm zu fliehen. Das zeigt auch der Fall von Valerie. Sie wurde von ihrem Ehemann, dem Vater ihrer Kinder, mehrfach betrogen. Dennoch hielt sie an der Beziehung fest. Meine Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural hat ein sehr persönliches Gespräch mit Valerie geführt und aufgeschrieben, warum Valerie ihrem Mann schon so oft verziehen hat.

Vielleicht ist das der unbequemste Gedanke an alldem: dass Fremdgehen kein einfaches Schwarz-Weiß-Thema ist. Dass hinter jedem Verrat nicht nur Schuld, sondern auch Sehnsucht, Leere, Angst oder Verdrängung steckt.

Alles Liebe,
Alina Juravel

PS Wenn Sie Kritik haben oder Anregungen, können Sie mir jederzeit eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de schreiben.

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„Ein FUNKE Liebe“

Der Newsletter „Ein FUNKE Liebe“ liefert alle zwei Wochen, immer sonntags, spannende, berührende und manchmal auch provokante Texte rund um das Thema Partnerschaft direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Ob es um den Wunsch nach mehr Nähe oder den Mut zur Trennung geht, um Probleme im Bett, einen unerfüllten Kinderwunsch oder den Alltag mit Kindern – bei „Ein FUNKE Liebe“ werden Beziehungsthemen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – mit persönlichen Erfahrungen, Expertenwissen und Tipps für Leserinnen und Leser.