Die Pollensaison im Frühjahr bedeutet auch für Apotheken Hochsaison. Menschen mit Allergie-Beschwerden suchen in diesen Wochen verstärkt ihre Apotheke um die Ecke auf, um sich mit Medikamenten gegen Heuschnupfen & Co. zu versorgen und bei Fragen persönliche Beratung zu bekommen. Neben Allergie-Tabletten und Nasensprays für Pollenallergiker sind auch Augentropfen gegen Heuschnupfen ein bewährtes Mittel.

Doch bei der korrekten Anwendung von Augentropfen machen Pollenallergiker häufig entscheidende Fehler, weiß Apothekerin Dr. Ina Lucas aus ihrer täglichen Erfahrung zu berichten. In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ verrät sie, welche zwei Methoden sie bei Augentropfen empfiehlt, wie sie Schritt für Schritt ausgeführt werden und welche gerade für Kinder und Senioren ideal ist.

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Heuschnupfen: „Anwendung von Augentropfen ist nicht einfach“

Dr. Ina Lucas: „Menschen mit roten Augen sehe ich in meiner Apotheke derzeit täglich. Es ist wieder Heuschnupfen-Saison! Die Pollenallergie betrifft sehr viele Menschen, und man kann in jedem Lebensalter daran erkranken. Aber obwohl so viele Menschen betroffen sind, wird Heuschnupfen noch immer unterschätzt. Bleibt er unbehandelt, kann sich aus dem allergischen Schnupfen Asthma entwickeln. Ich empfehle deshalb allen Menschen, die in meine Apotheke kommen, Heuschnupfen medikamentös zu behandeln.

Gegen Heuschnupfen habe ich in meiner Apotheke viele verschiedene Arzneimittel. Nicht nur die Wirkstoffe unterscheiden sich, auch die Arzneiformen. Welche Option für die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten passend ist, bespreche ich individuell in der Apotheke.

Unsere Expertin

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..

Neben den klassischen Tabletten oder Nasensprays gebe ich viele Augentropfen ab. Die Anwendung von Augentropfen ist nicht einfach, das demonstriere ich oft in meinen Beratungsgesprächen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum die Beratung in der Apotheke darüber entscheidet, ob Arzneimittel richtig angewendet werden.

Augentropfen bei Heuschnupfen: Apothekerin verrät Trick für ideale Anwendung

Ich unterscheide zwei Arten der Applikation von Augentropfen: alleine vor dem Spiegel oder mit einer Unterstützungsperson im Liegen. Die ersten Schritte sind immer gleich: Hände waschen und die Augentropfen für ein paar Minuten in der Hosentasche oder in der Hand anwärmen. Dann sind sie besser verträglich als kalte Flüssigkeit, weil es beim Eintropfen nicht schmerzt. Man braucht genau einen Tropfen aus dem Fläschchen. Wieviel Druck beim jeweiligen Präparat dafür nötig ist, sollte jeder vor der ersten Anwendung ausprobieren.

Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“

Für die erste Methode braucht man einen Spiegel und führt folgende Schritte aus:

  • Vor den Spiegel setzen oder stellen.
  • Mit einer Hand das Unterlid leicht vom Auge wegziehen.
  • In den entstehenden Lidsack unter dem Auge lässt man – aus dem Fläschchen in der anderen Hand – einen Tropfen fallen.
  • Die Tülle der Flasche sollte das Lid oder den Augapfel nicht berühren, sonst könnte es zu einer Verunreinigung im Fläschchen kommen.

Es darf auch nur ein Tropfen in den Lidsack fallen, nicht mehr. Denn zu viel Flüssigkeit würde sofort abtransportiert. Sobald der Tropfen im Lidsack ist, das Auge für eine Minute schließen und den Augapfel leicht hin und her bewegen, so verteilt sich der Wirkstoff schnell und gleichmäßig.

Heuschnupfen: Augentropfen richtig anwenden bei Kindern und Älteren

Wenn diese Methode meinen Patientinnen oder Patienten zu kompliziert ist, empfehle ich eine zweite Methode. Die ist auch für Kinder oder Senioren gut geeignet. Für die Applikation braucht man idealerweise eine zweite Person:

  • Der Patient oder die Patientin legt sich ohne Kopfkissen flach auf eine Unterlage.
  • Die Augen sind geschlossen.
  • Eine zweite Person lässt auf den Innenwinkel des Auges einen Tropfen des Arzneimittels fallen, wieder ohne das Auge zu berühren.
  • Der Patient oder die Patientin öffnet die Augen kurz, so verteilt sich der Tropfen im Auge.
  • Danach wieder die Augen schließen für eine Minute – fertig.

Das alles demonstriere oder erkläre ich meinen Patienten in der Apotheke sehr gerne. Solche Beratungsleistungen gibt es nur in den Apotheken vor Ort. Für besondere Fälle – zum Beispiel, wenn die Kraft in den Händen nicht ausreicht, um das Augentropffläschchen zusammenzudrücken – biete ich zudem Hilfsmittel an.

Ich kümmere mich gerne umfassend um meine Patientinnen und Patienten und nehme mir bei Bedarf viel Zeit. Denn die korrekte Anwendung und Sicherheit bei der Arzneimittelanwendung stehen für mich an oberster Stelle.“