Zum Weltfrauentag wird Frauen oft ihre Stärke zugeschrieben. Doch diese Stärke ist selten romantisch. Sie entsteht aus Verantwortung, aus Erwartungen – und aus einer Gesellschaft, die noch immer darauf baut, dass Frauen tragen, was sonst niemand trägt. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ erzählt unsere Autorin Alina Juravel, warum sie Frauen für das stärkere Geschlecht hält.
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Mental Load, Care-Arbeit: Was Frauen leisten, bleibt oft unbeachtet
Als ich klein war, sagte meine Oma oft einen Satz, der mir lange rätselhaft blieb: Der stärkste Mensch auf Erden sei immer eine Frau. Ich erinnere mich, wie ich sie ansah und überlegte, ob sie vielleicht eine besonders muskulöse Frau meinte, eine Gewichtheberin vielleicht, oder einfach nur übertreiben wollte. Ich habe lange nicht verstanden, was sie damit sagen wollte. Erst viele Jahre später, als ich längst erwachsen war, begriff ich, dass die Stärke, von der sie sprach, nichts mit Muskeln zu tun hat. Sondern mit dem, was Frauen jeden Tag stemmen – oft, ohne dass es jemand bemerkt.
Denn noch immer leisten vor allem Frauen den größten Teil der unbezahlten Care-Arbeit. Sie organisieren Familienleben, tragen Verantwortung für Kinder, kümmern sich um kranke Angehörige, begleiten Eltern ins Alter. Sie planen, erinnern, trösten, koordinieren. Sie halten Beziehungen zusammen, Haushalte am Laufen und oft genug auch noch ihre eigene Erwerbsarbeit. Ein Großteil dieser Arbeit taucht in keiner Statistik über wirtschaftliche Leistung auf – obwohl ohne sie unsere Gesellschaft schlicht nicht funktionieren würde.
Frauen halten unsere Gesellschaft am Laufen – und haben trotzdem weniger Geld
Es sind meistens Frauen, die früher von der Arbeit gehen, wenn das Kind krank ist. Die ihre Arbeitszeit reduzieren, um Betreuungslücken zu schließen. Der Preis dafür ist hoch. Wer weniger arbeitet oder länger aus dem Beruf aussteigt, verdient weniger, zahlt weniger in Rentensysteme ein und ist später häufiger von Altersarmut betroffen. Die Ungleichheit endet nicht beim Geld. Auch in der Medizin werden Frauen bis heute strukturell benachteiligt, und diese Benachteiligung hat weitreichende Folgen. „Wenn Frauen krank werden, leidet die ganze Gesellschaft“, sagt Dr. Nigina Muntean. Sie ist Leiterin der Abteilung für Innovation und Transformation des United Nations Population Fund (UNFPA) und Mitbegründerin des WomenX Collective. Im Interview, das ich Ihnen sehr gerne empfehlen möchte, erklärt sie, warum Deutschland ein Entwicklungsland in Sachen Frauengesundheit ist.

Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft nur deshalb so funktioniert, weil Frauen sie täglich zusammenhalten. Gleichzeitig haben Frauen weniger Einfluss, weniger Geld und weniger Sicherheit. Doch ich möchte am heutigen Weltfrauentag nicht nur über Zahlen und Strukturen sprechen. Ich möchte von Frauen erzählen. Von starken Frauen. Von Frauen, die kämpfen, sorgen, erfinden, führen, zweifeln und immer wieder weitermachen.
Wie stark Frauen sein können, zeigt der Fall von Arielle Bilo. Ihr ist das Schlimmste widerfahren, was einer Mutter passieren kann: Ihr Kind ist gestorben. Ihre Tochter war erst dreieinhalb Monate alt, als sie der plötzliche Kindstod ereilte. Die Tragödie hat Arielles Leben bis auf die Grundmauern erschüttert. Lange Zeit sah sie keinen Sinn mehr darin, und doch schaffte sie es, neuen Lebensmut zu finden. Wie es ihr gelang, das können Sie in diesem Text lesen.

Diese Frauen beweisen, dass sie alles schaffen können
Wie resilient Frauen sein können, zeigt das Schicksal von Mafalda Da Silva Baptista. Als siebenjähriges Mädchen überlebte Mafalda nur knapp eine schwere Gasexplosion. „Dieses Ereignis hat mein ganzes Leben verändert“, sagt die junge Schweizerin. Mehr als 30 Operationen musste Mafalda über sich ergehen lassen. Wie sie sich zurück ins Leben kämpfte und heute anderen Mut macht, lesen Sie hier.
Dass Frauen sich nicht aufhalten lassen und für ihre Träume kämpfen, selbst wenn sie unerreichbar scheinen, beweist Heike Majchrzak. Jahrelang kämpfte die junge Frau mit unerfülltem Kinderwunsch, erlitt mehrere Schicksalsschläge und viele gescheiterte künstliche Befruchtungen. Trotzdem gab Heike ihren Wunsch, Mutter zu werden, nicht auf. „Ein unerfüllter Kinderwunsch ist ein psychischer Ausnahmezustand“, sagt Heike. Hier erzählt sie, wie sie trotz aller negativer Prognosen schwanger werden konnte.
Wie Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, habe ich heute zum Frauentag leider keine Blumen für euch. Dafür aber diese tollen Geschichten. Und vielleicht ist das die ehrlichste Art, den Weltfrauentag zu begehen: nicht mit großen Worten über Gleichberechtigung, sondern mit Aufmerksamkeit für diejenigen, die jeden Tag zeigen, wie viel Stärke tatsächlich in ihnen steckt.
Alles Liebe,
Alina Juravel
P.S. Wenn Sie Kritik haben oder Anregungen, können Sie mir jederzeit eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de schreiben.
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