In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen. Das geht aus den aktuellen RKI-Zahlen hervor. Ursachen für die Erkrankung gibt es viele. Unter anderem können soziale Isolation, hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und bestimmte Vorerkrankungen wie Adipositas oder Depression eine Alzheimer-Erkrankung begünstigen.

Bislang ließ sich Alzheimer meist nur durch kostenintensive bildgebende Verfahren am Gehirn oder durch invasive Eingriffe schon vor dem Auftreten der Symptome feststellen. Doch wie eine neue Studie zeigt, könnte bald ein routinemäßiger Bluttest voraussagen, ob und sogar wann jemand an Alzheimer erkrankt.

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Alzheimer: Dieses Protein ermöglicht Prognose des Symptombeginns

Mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung im Gehirn, steigt eine bestimmte Form des Proteins p-tau217 nach einem vorhersehbaren Muster an. Ein Forscherteam der Washington University in St. Louis und ihrer Partnerinstitutionen nutzte diesen Zusammenhang, um mathematische Modelle zu entwickeln. Das Besondere: Sie können nun den individuellen Proteinwert einer Person in einen geschätzten Zeitpunkt für das Auftreten erster Alzheimer-Symptome umrechnen.

Für die Forschung bildete das Team zwei unabhängige Gruppen älterer Erwachsener. Dabei stammte eine Gruppe vom Knight Alzheimer‘s Disease Research Center und umfasste 258 Teilnehmer mit einem Medianalter von 67,7 Jahren. Die andere Gruppe kam aus der Alzheimer‘s Disease Neuroimaging Initiative und umfasste 345 Teilnehmer mit einem Medianalter von 72,7 Jahren. Über mehrere Jahre hinweg wurden beide Gruppen regelmäßig klinisch und durch Bluttests beobachtet.

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Mit den Modellen gelang es, den Zeitpunkt des Symptombeginns mit einer Genauigkeit von etwa drei bis 3,7 Jahren vorherzusagen. Selbst wenn die Modelle an einer Gruppe entwickelt und dann bei der anderen Gruppe angewendet wurden, blieb diese Vorhersagegenauigkeit erhalten. Die Methode funktionierte zudem mit fünf handelsüblichen Bluttest-Versionen – darunter ein Test, der bereits von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen ist.

Alzheimer: Höheres Alter beschleunigt Ausbruch der Symptome deutlich

Eine der überraschendsten Erkenntnisse: Das Alter beeinflusst maßgeblich den Verlauf der Krankheit. Laut den Modellen vergehen im Durchschnitt rund 20 Jahre bis zum Ausbruch von Symptomen, wenn bei einer 60-jährigen Person der kritische Wert an Alzheimer-Protein überschritten wird. Bei 80-jährigen Patienten mit demselben Wert hingegen treten Symptome bereits nach etwa elf Jahren auf. Die Gründe dafür sehen die Forscher in altersbedingten Veränderungen und zusätzlichen Faktoren, die den Zusammenhang zwischen Proteinablagerungen und Demenz beschleunigen.

Für die Entwicklung und Planung klinischer Studien hat das große Bedeutung. Dank der gezielteren Vorhersage, wann Betroffene wahrscheinlich erste Symptome entwickeln, lassen sich Studienteilnehmer passender auswählen. Dadurch könnten Alzheimer-Studien künftig nicht nur schneller und günstiger werden – es steigt auch die Chance, dass neue Therapien wirksam getestet werden können.

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Einschränkungen der Studie

Die mathematischen „Uhr-Modelle“ liefern nur im mittleren Bereich der gemessenen Proteinwerte verlässliche Vorhersagen. Bei sehr niedrigen oder sehr hohen Werten stoßen sie an ihre Aussagegrenzen. Außerdem sind sie nicht für den individuellen Gebrauch gedacht. Solche Tests sollten auch nicht bei Menschen ohne jegliche Symptome das persönliche Alzheimer-Risiko abschätzen – die Fehlermarge wäre zu groß, warnen die Wissenschaftler. Für die Forschung aber ist das Tool ein Sprung nach vorn. Wo bislang aufwendige Hirnscans nötig waren, könnte künftig oft schon ein Bluttest entscheidende Hinweise geben.