Das Epstein-Barr-Virus ist weltweit verbreitet und infiziert im Laufe des Lebens etwa neunzig Prozent der Bevölkerung. Die Ansteckung erfolgt meist im frühen Kindesalter und verläuft häufig ohne Symptome. Forscher des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn haben genetische Faktoren identifiziert, die für den Ausbruch von schwerwiegenden Krankheiten verantwortlich sind.

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Zweckentfremdung Erbgut-Analysen ermöglicht Studie

Bei der überwiegenden Mehrzahl der mit dem Epstein-Barr-Virus infizierten Personen verbleibt der Erreger lebenslang unbemerkt im Organismus. Er versteckt sich in spezifischen weißen Blutkörperchen, den B-Gedächtniszellen, und befindet sich dort in einem inaktiven Zustand. Bislang ist jedoch nicht vollständig geklärt, durch welche Mechanismen das Immunsystem die dauerhafte Viruspräsenz kontrolliert und unter welchen Bedingungen diese Balance gestört wird. Eine solche Störung kann mit der Entstehung verschiedener Erkrankungen assoziiert sein, darunter das Pfeiffersche Drüsenfieber, Multiple Sklerose sowie bestimmte Krebserkrankungen.

Der begrenzte Erkenntnisstand ist unter anderem auf das Fehlen umfangreicher und systematisch auswertbarer Datensätze zurückzuführen. Forscher der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn griffen daher auf genetische Analysen von nahezu einer halben Million Personen aus einer Biobank zurück und nutzten diese für weiterführende Fragestellungen.

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Im Zentrum der Untersuchung stand die gezielte Suche nach kurzen Sequenzfragmenten viraler Erbinformation, sogenannten EBV-Reads, die in konventionellen Auswertungen häufig unberücksichtigt bleiben. Für die vorliegende Studie erwiesen sich diese Sequenzen jedoch als besonders aufschlussreich, da sie neue Einblicke in das Zusammenspiel zwischen Virus und Wirtsgenom ermöglichten.

Einfluss von nicht-genetischen Faktoren: Rauchen und die Jahreszeit

Im Rahmen der Untersuchung analysierten die Forscher zunächst den Einfluss nicht-genetischer Faktoren auf die Viruslast des Epstein-Barr-Virus. Dabei zeigte sich, dass immungeschwächte Personen eine signifikant erhöhte Viruslast aufwiesen. Auch bei Rauchern war die Menge nachweisbarer Virussequenzen deutlich erhöht, sodass Tabakkonsum als relevanter Risikofaktor für verschiedene EBV-assoziierte Erkrankungen eingeordnet werden kann. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei aktuell Rauchenden.

Darüber hinaus identifizierte das Forschungsteam einen saisonalen Effekt. In den Wintermonaten konnten mehr virale Sequenzen nachgewiesen werden als während der Sommerzeit. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass neben individuellen Gesundheitsfaktoren auch umweltbedingte Einflüsse die Dynamik der Virusaktivität modulieren können.

Wie unsere Gene das Virus kontrollieren

Die Forscher konnten zeigen, dass insbesondere ein spezifischer Abschnitt des menschlichen Genoms maßgeblich beeinflusst, wie effektiv der Organismus das Epstein-Barr-Virus kontrolliert. Dabei handelt es sich um den sogenannten MHC-Bereich, der zentrale Baupläne für Proteine kodiert. Man kann sich diesen Bereich wie eine Fabrik für „Steckbriefe“ vorstellen. Er liefert die Baupläne für Proteine, die dem Immunsystem zeigen, wie das Virus aussieht, damit die Abwehrzellen es gezielt angreifen können. Wer hier die „passenden“ Gene hat, kann das Virus besonders effektiv in Schach halten.

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Neben dem bekannten MHC-Bereich haben die Wissenschaftler 27 weitere Stellen im Erbgut entdeckt, die mit der Viruslast zusammenhängen. Einige davon waren bereits als Teil des Immunsystems bekannt, andere sind völlig neue Entdeckungen, die nun genauer untersucht werden müssen. Die Studie liefert neue Hinweise darauf, wie EBV-Krankheiten wie Multiple Sklerose (MS) auslösen oder verschlimmern könnten. Überraschenderweise fanden sie auch Indizien dafür, dass das Virus bei weiteren Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes eine Rolle spielen könnte.

Insgesamt eröffnen die Befunde neue Perspektiven für die medizinische Forschung. Sie tragen dazu bei, zu erklären, warum sich die Kontrolle der Virusinfektion zwischen den Menschen unterscheidet, und bieten zugleich eine Grundlage für die Entwicklung gezielter präventiver und therapeutischer Strategien gegen EBV-bedingte Erkrankungen.