Gegenüber der Stadt hat der ländliche Raum bereits mehrere Standortnachteile: Der Weg zum Arzt ist weiter, der zum Supermarkt ohnehin, und das Internet ist viel zu langsam. Doch oftmals sind auch Dienstleistungen vergleichsweise teurer. So ergab eine neue Analyse, dass Kunden in kleineren Städten und auf dem Land bei regionalen Banken wie Sparkassen oder Volksbanken systematisch mehr für ihr Girokonto bezahlen müssen.
Zwar seien die Girokonto-Fixkosten in Kommunen bis 60.000 Einwohner im Schnitt etwas günstiger, doch aufgrund von Gebühren für bestimmte Vorgänge wandele sich dieser Vorteil „am Ende oft in deutlichen Nachteil“, erklärte die Zinsmarkt-Plattform FMH X Radar am Dienstag.
Girokonto: Kunden verlieren Geld durch elektronische Bezahlvorgänge
Wer als Girokonto-Kunde einer Regionalbank in der Kleinstadt und auf dem Land drei Bezahlvorgänge pro Woche elektronisch vornehme, verliere „bereits den Fixkosten-Vorteil. Und mit steigender Cashless-Quote wird der finanzielle Nachteil größer“, errechnete FMH X Radar. Mit elektronischem Bezahlen ist dabei alles außer die Bargeldzahlung gemeint, etwa per EC-Karte, mit Bezahldiensten wie Paypal oder per Überweisung.
„Mit einem Girokontowechsel sparen Kunden in bestimmten Nutzergruppen einiger Regionen bis zu 290 Euro im Jahr. Rund 110 Euro im Jahr davon können nach unseren Berechnungen alleine auf den finanziellen Malus aufgrund der Stadtgröße entfallen“, erklärte Ania Scholz-Orfanidis von der Finanzberatung FMH. Teils könne auch schon ein Kontowechsel bei derselben Bank helfen.
Girokonten-Kunden von Regionalbanken in manchen Bundesländern seien dabei besonders betroffen, wie die Plattform weiter mitteilte. In Sachsen-Anhalt seien es bei monatlich 40 elektronischen Bezahlvorgängen im Schnitt 64,80 Euro Mehrkosten pro Jahr für Landbewohner und Kleinstädter (5,40 Euro im Monat). Wer demnach dort pro Monat 80 Mal elektronisch zahlt, häuft bis Jahresende einen Kosten-Nachteil von über 113 Euro (monatlich 9,46 Euro) an.
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Gebühren: Benachteiligung unterscheidet sich in Bundesländern
Die Benachteiligung von Kunden aus kleineren Kommunen ist der Analyse zufolge in westdeutschen Flächen-Bundesländern „durchgehend zu beobachten“. In Ostdeutschland sei das weniger einheitlich: Als einzigem Bundesland wurde demnach in Thüringen für alle untersuchten Nutzer-Profile ein Kosten-Vorteil in kleineren Kommunen ermittelt. „In Mecklenburg-Vorpommern dreht sich erst bei über 40 elektronischen Bezahlvorgängen das Verhältnis zugunsten größerer Städte“, heißt es weiter.
Die Ergebnisse der Daten-Analyse hätten „sicherlich etwas mit der schwächeren Konkurrenzsituation der Geldinstitute in kleineren Städten zu tun“, erklärte Scholz-Orfanidis. „Diese ändert sich unserer Erfahrung nach etwa bei der Marke von 60.000 Einwohnern.“
Nach Angaben von FMH X Radar wurden für die Analyse mehr als 2600 Girokonto-Angebote von rund 1000 regionalen Geldinstituten untersucht.


