Der Jahreswechsel hat ein Image-Problem. Er verspricht Neuanfang, liefert aber meist nur Kopfschmerzen und überhöhte Erwartungen. Denn zwischen Raclette und Raketen entsteht an Silvester eine ganz eigene Form von Druck. Man soll zurückblicken, vorausplanen und dabei bitte zufrieden wirken. Wer um Mitternacht nicht mindestens einen großen Vorsatz parat hat, gilt schnell als ambitionslos. Dabei könnte Gelassenheit die deutlich unterschätztere Form von Fortschritt sein.

In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ beschäftigt sich unsere Autorin Alina Juravel mit der Frage aller Fragen und gibt Tipps, wie man stressfrei ins Neue Jahr reinrutscht.

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Es gibt im Leben drei wirklich große Fragen: Wer bin ich? Warum sind wir hier? Und: Wo feierst du Silvester? Letztere entscheidet erstaunlich zuverlässig darüber, ob man als beneidenswert, bemitleidenswert oder bekloppt wahrgenommen wird. Denn irgendwie gibt es erstaunlich viele Menschen, die glauben, Silvester sei eine Art magisches Portal: Man geht mit den falschen Menschen, den falschen Entscheidungen und dem falschen Leben hinein – und kommt um kurz nach Mitternacht mit den richtigen Zielen, einem völlig neuen Selbstvertrauen und geballter Zuversicht wieder heraus. (Spoiler: Man kommt meistens nur verkatert zurück.) Kurzum: Die Erwartungen an Silvester sind riesig!

Silvester allein feiern: Das kann auch befreiend sein

Dabei weiß man meistens am 1. Januar schon ganz genau, was man an Silvester falsch gemacht hat. Zu laut, zu leise, zu viele Menschen, zu wenige Menschen, zu viel Champagner oder zu wenig Fluchtwege. Egal, wo man landet – irgendwo anders wäre es garantiert besser gewesen.

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Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion.

Umso mehr hat es mich beeindruckt, von Menschen zu erfahren, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, Silvester allein zu verbringen. „Seit ich allein feiere, habe ich keinen Stress und keinen Druck mehr, weder von außen noch von innen“, sagt Luna. Wie sie meiner Kollegin Emily Kietsch erzählt hat, feiert sie schon seit Jahren Silvester bewusst ohne Freunde und Familie. Denn mit der Zeit hat sich die junge Frau zunehmend unwohler im Kreis der Menschen gefühlt, mit denen sie regelmäßig feierte. Wie sie Silvester nun allein verbringt und was ein Einsamkeitsforscher dazu sagt, können Sie hier lesen.

Streit statt Neujahrskuss? So überstehen Paare den Jahreswechsel

Luna wird also ganz sicher kein Drama an Silvester erleben. Ganz anders als viele andere Menschen. Denn dass vor allem Paare an Silvester streiten, ist kein Zufall, sondern längst Tradition. Silvester ist nämlich der einzige Abend im Jahr, an dem Beziehung, Partyplanung und Lebensentwurf gleichzeitig performen müssen. Plötzlich geht es nicht mehr um die harmlose Frage „Was machen wir?“, sondern um Grundsatzthemen wie Nähe, Freiheit, Freundeskreise und wer sich immer anpasst. „Wir haben alle bestimmte Vorstellungen davon, wie wir uns Silvester vorstellen“, sagt auch Paartherapeutin Nele Sehrt. Sie erklärt hier, wie man Silvester harmonisch übersteht, und gibt konkrete Tipps, wie Paare Streit zum Jahreswechsel vermeiden.

Silvester in der Beziehung: Muss man wirklich zusammen feiern?

Es scheint sowieso ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Paare den Jahreswechsel gemeinsam feiern. Wer das nicht tut, muss sich rechtfertigen – nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst. Denn der allgemeine Tenor lautet: Wer als Paar nicht gemeinsam ins neue Jahr rutscht, steht mehr oder weniger kurz vor der Trennung. Dabei sagt das getrennte Feiern nicht unbedingt etwas über die Beziehung aus, sagt Eric Hegmann, Paartherapeut und Mitbegründer der Modern Love School. Warum das getrennte Fest vielleicht sogar ein Beweis für gegenseitiges Vertrauen ist, hat er hier meiner Kollegin Eileen Wagner erklärt.

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Seit drei Jahren verspüre ich übrigens keinen Stress mehr an Silvester. Weil mein Partner und ich ein kleines Kind haben, bleiben wir auch dieses Jahr ganz entspannt zu Hause. Wir essen, spielen Brettspiele und gehen spätestens um 1 Uhr ins Bett. Für manche mag es spießig klingen, aber ich finde es genau richtig und freue mich drauf!

Und was machen Sie an Silvester? Feiern Sie eine große Party oder rutschen Sie ganz entspannt ins neue Jahr? Erzählen Sie es mir!

Alles Liebe
Alina Juravel

P.S. Wenn Sie Kritik haben oder auch Anregungen, freue ich mich über eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de