Die Zahl der ADHS-Diagnosen in Deutschland ist deutlich angestiegen. Vor allem immer mehr Erwachsene erhalten eine Erstdiagnose für die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen. Das zeigt eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, die im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlicht wurde.
Demnach stieg die Inzidenz, also die Zahl der Erstdiagnosen pro 10.000 gesetzliche Krankenversicherter, von 2015 bis 2024 um 199 Prozent – von rund 8,6 auf 25,7. Besonders auffällig ist der starke Anstieg seit 2021. Damals waren es noch 12,7 Erstdiagnosen pro 10.000, 2024 schon 25,7.
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ADHS: Was als Erstdiagnose gilt
Grundlage der Analyse sind Abrechnungsdaten gesetzlich Krankenversicherter ab 18 Jahren. Ausgewertet wurden Zahlen aus 17 Kassenärztlichen Vereinigungen. Für das Jahr 2024 handelt es sich dabei noch um vorläufige Daten, da noch nicht alle Erstdiagnosen abschließend geprüft sind.
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Warum die Zahl der Diagnosen so stark gestiegen ist, erklären die Autorinnen und Autoren der Studie mit mehreren möglichen Faktoren. So könnte das Thema ADHS stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert sein als noch vor einigen Jahren. Zudem wurde 2019 ein neuer Diagnosecode eingeführt, durch den bereits bestehende, bislang aber nicht eindeutig erfasste Fälle besser sichtbar werden. Auch die Corona-Pandemie und ihre psychischen Folgen könnten eine Rolle gespielt haben.
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Mädchen mit ADHS fallen oft später auf
Am häufigsten neu diagnostiziert wurde ADHS bei den unter 40-Jährigen. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg war die Zahl der Erstdiagnosen in dieser Gruppe am höchsten. Männer waren dabei zunächst häufiger betroffen als Frauen – und zwar in allen Altersgruppen. Dieser Unterschied hat sich im Laufe der Jahre jedoch zunehmend verringert. Im Jahr 2024 lagen Männer und Frauen nahezu gleichauf.
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Die Studie geht zudem davon aus, dass die Symptome in vielen Fällen bereits deutlich früher eingesetzt haben. Bei einem Großteil der Betroffenen dürfte es sich demnach nicht um neu aufgetretene Beschwerden, sondern um verspätete Erstdiagnosen handeln. Typische Symptome, die auf ADHS hindeuten können, sind:
- starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
- starke Impulsivität
- ausgeprägte körperliche Unruhe (Hyperaktivität)
ADHS zeigt sich nicht bei allen Betroffenen gleich. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und treten nicht zwangsläufig alle auf. Damit Ärzte tatsächlich von einer ADHS sprechen, müssen die Auffälligkeiten jedoch über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen und sich in verschiedenen Lebensbereichen bemerkbar machen.
dpa/dw









