Covid-19 hat seinen Schrecken verloren – aber die Sorge vor Long Covid bleibt. Viele Betroffene leiden nach einer Corona-Erkrankung unter Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen oder chronischer Erschöpfung. Die Betroffenen sind oft verzweifelt – denn nach wie vor gibt es keine Therapie, die nachweislich hilft. Auch ist bisher nicht eindeutig geklärt, was die Symptome hervorruft.
Immer wieder wird auch die Befürchtung laut, dass es sich um einen chronischen Zustand handeln könnte – ohne Aussicht auf Heilung. Denn bislang war nicht klar, ob sich diese Symptome überhaupt vollständig zurückbilden. Eine aktuelle, von der Deutschen Hirnstiftung geförderte Studie lässt nun aufatmen. Im Rahmen der Serie „Die Hirn-Docs“ der FUNKE Tageszeitungen erklärt Prof. Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung und Mitglied des Expertenteams, was die Ergebnisse für Patienten bedeuten.
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Deutsche Studie zu Long Covid: „Beeinträchtigung nicht bleibend“
Die Studie aus Aachen untersuchte, wie sich Long-Covid-Symptome wie Müdigkeit und kognitive Beeinträchtigungen im Verlauf dieser Zeit entwickeln. 51 Patienten mit Long Covid und 23 gesunde Kontrollpersonen wurden über drei Jahre beobachtet. Die Studienteilnehmenden durchliefen klinische Bewertungen, neuropsychologische Tests, Blutuntersuchungen und bildgebende Untersuchungen (funktionelle und strukturelle MRT).
Im Ergebnis zeigten sich bei den Betroffenen Veränderungen in der Gehirnstruktur und Gehirnfunktion, die mit Müdigkeit und kognitiven Beeinträchtigungen verbunden sind. Was jedoch Hoffnung weckt: Diese Symptome bildeten sich im Verlauf der Zeit zurück. Die Müdigkeit war nach drei Jahren nur noch leicht ausgeprägt und lediglich 15 Prozent der Betroffenen erfüllten nach dieser Zeit noch die Kriterien eines Erschöpfungssyndroms.
Besorgte Ärztin über Long Covid: „Betroffene fühlen sich nicht ernst genommen“
„Die Studie unterstreicht, dass sich die Gehirnfunktionen langfristig bessern können. Wichtig ist auch, dass die Laborwerte für anhaltende Immunentzündungen und Neurodegeneration, also einen Abbauprozess von Nervenzellen, normal waren, also im Gehirn nichts ‚kaputt‘ gegangen ist“, erklärt Prof. Dr. Frank Erbguth. „Die Beeinträchtigungen sind also nicht bleibend.“
Schutz vor Long Covid: „Impfung ist die wichtigste Prophylaxe“
Erbguth räumt ein, dass die langen Erholungszeiten für die Betroffenen auf den ersten Blick ein schwacher Trost sein könnten. „Aber die Studie zeigt eben auch, dass es einen klaren Aufwärtstrend gibt.“ Angesichts der aktuell wieder steigenden Infektionszahlen, stellt sich daher die Frage, wie man sich vor Long Covid schützen kann.

„Die Impfung gegen Covid-19 ist die wichtigste Prophylaxe“, so der Experte. Zwar könne man auch trotz Impfung an Covid-19 erkranken. Aber zum einen verlaufe die Akuterkrankung dann harmloser und zum anderen sei der Anteil der Geimpften, die an Long Covid erkranken, deutlich geringer als der von ungeimpften Menschen.
Sie haben Fragen zu neurologischen Erkrankungen? Die Deutsche Hirnstiftung berät Sie kostenfrei. Entweder telefonisch unter Tel. 030-531437935 (Mo: 14-18 Uhr und Mi: 10-14 Uhr).
Sie haben auch die Möglichkeit, Ihr Anliegen online bei der Deutschen Hirnstiftung einzureichen. Rufen Sie dazu einfach im Browser die Website https://hirnstiftung.org/beratung/ auf. In der angezeigten Eingabe-Maske können Sie dann Ihren Fall schildern. Die Experten melden sich dann schnellstmöglich zurück.
Long-Covid: Gelder für die Forschung zahlen sich aus
Erbguth betont, dass die Studie wesentlich dazu beigetragen hat, die Auswirkungen von Covid-19 auf das Gehirn besser zu verstehen. Der Start der Studie wurde 2021 mit 5000 Euro des spendenfinanzierten Forschungspreises der Hirnstiftung finanziert. Dadurch konnten weitere Fördermittel eingeworben werden.
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„Unser Preis hat sich hier wie geplant als Anschubfinanzierung bewährt und wir freuen uns, dass gut drei Jahre später die Forschungsergebnisse vorliegen“, so der Präsident der Deutschen Hirnstiftung. „Die Ergebnisse unterstreichen die komplexe, aber positive Genesungstendenz bei Patienten mit postakuten Covid-19-Symptomen. Viele Forschungsfragen sind allerdings noch offen, gerade im Bereich Long Covid.“ Der nächste Schritt sei nun, mögliche Muster der Genesung zu identifizieren und Wege zu finden, um diesen Prozess zu beschleunigen.
Publikation:
Dadsena R, Wetz S, Hofmann A et al. Evidence of clinical and brain recovery in post-COVID-19 condition: a three-year follow-up study. Brain Commun. 2025 Sep 23;7(5):fcaf366. doi: 10.1093/braincomms/fcaf366. PMID: 41079753; PMCID: PMC12508649.








