• Thomas Gottschalk ist an Krebs erkrankt
  • Sein seltener, bösartiger Tumor nennt sich: Epitheloides Angiosarkom
  • Ein Mediziner erklärt, wie man behandelt und wie die Prognose ist

Der Moderator und Entertainer Thomas Gottschalk ist an Krebs erkrankt. Das gab der 75-Jährige in der „Bild“-Zeitung bekannt: „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir die Karten auf den Tisch legen. Ich habe Krebs“, sagte er in einem Interview. Seine Ehefrau Karina erklärte dazu, er würde an einem seltenen, bösartigen Tumor leiden: epitheloides Angiosarkom.

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Deswegen sei der TV-Moderator bereits zweimal operiert worden und nehme bis heute starke Medikamente – mit Nebenwirkungen. Prof. Dr. Dr. Roland Ullrich, Facharzt für Innere Medizin und onkologischer Leiter des Sarkomzentrums an der Uniklinik Köln, erläutert, wie ein Angiosarkom diagnostiziert und behandelt wird und welche Prognosen Patienten in der Regel haben. 

Thomas Gottschalk hat öffentlich gemacht, dass er an der Krebsart Epitheloides Angiosarkom erkrankt ist. Können Sie uns erklären, worum es sich dabei genau handelt?

Dr. Roland Ullrich: Das Epitheloide Angiosarkom ist eine äußerst seltene und aggressive Unterform der Sarkome. Sarkome sind bösartige Tumore, die aus Bindegewebe entstehen können, das an nahezu jedem Ort im Körper vorkommt. Das Epitheloide Angiosarkom entsteht aus Blutgefäßzellen und ist durch eine hohe Durchblutung sowie eine Vielzahl von Tumorgefäßen charakterisiert. Aufgrund seiner Seltenheit ist es eine Art, die nur von wenigen spezialisierten Zentren sorgfältig diagnostiziert und behandelt wird.

Thomas Gottschalk hat Krebs: Männer häufiger von dieser Krebsart betroffen

Wie häufig tritt diese Krebsart denn auf, und gibt es bestimmte Risikogruppen?

Ullrich: Generell machen Sarkome etwa ein Prozent aller Krebserkrankungen aus. Von den jährlich etwa 37.000 bis 38.000 neuen Krebsdiagnosen in Deutschland betreffen allerdings nur etwa 3700 Fälle Weichgewebstumore. Das Epitheloide Angiosarkom ist wiederum eine seltene Unterform davon. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen. Die Ursache der Entstehung von Angiosarkomen ist meistens unklar, in seltenen Fällen treten Angiosarkome nach einer Bestrahlung im Bestrahlungsfeld auf.

Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar? Gibt es Symptome, die auf ein Epitheloides Angiosarkom hinweisen?

Ullrich: Das Problem ist, dass diese Krebsart sehr unspezifische Symptome verursacht. Je nachdem, wo der Tumor sich bildet, können Schmerzen oder andere Beschwerden auftreten. Beispielweise kann, wie in Herrn Gottschalks Fall, eine Lokalisation in der Blase zu Beschwerden beim Wasserlassen oder zu Schmerzen führen. Die Erkrankung lässt sich erst durch eine Gewebeprobe – eine sogenannte Biopsie – diagnostizieren. Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT sind allein oft unzureichend.

Roland Ullrich
Prof. Dr. Roland Tillmann Ullrich ist Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin an der Uniklinik Köln und leitet die AG „Krebstherapie und Molekulare Bildgebung“ am Translational Research for Infectious Diseases and Oncology (TRIO). © MedizinFotoKöln | michael wodak

Epitheloide Angiosarkom : Die Therapie hängt auch von Alter der Patienten ab

Wie aggressiv ist diese Krebsart und wie wird sie typischerweise behandelt?

Ullrich: Das Epitheloide Angiosarkom zählt zu den aggressiveren Formen, da es potenziell dazu neigt, zu metastasieren. Die Therapie beginnt mit einer umfassenden Diagnostik, bei der geprüft wird, ob der Tumor lokal begrenzt ist oder bereits Metastasen gebildet hat. Ist dies nicht der Fall, wird in der Regel zunächst eine operative Entfernung vorgenommen, bei der der Tumor komplett reseziert werden muss. Wichtig ist hierbei der Sicherheitsabstand, das bedeutet, dass auch gesundes Gewebe um den Tumor herum mit entfernt wird.

Welche Rolle spielt hier das Alter des Patienten? Thomas Gottschalk ist 75.

Ullrich: Richtig. Bei jüngeren Patienten, deren Tumore nicht problemlos operativ entfernt werden können, führt man manchmal eine Chemotherapie vor der OP durch, um den Tumor zu verkleinern und ihn resektabel zu machen. Bei älteren Patienten, wie Herrn Gottschalk, setzt man eher auf eine operative Entfernung und evaluiert anschließend den Resektionsstatus sowie mögliche Metastasen. Eine aggressive chemotherapeutische Behandlung ist in einem höheren Alter weniger üblich, da die Belastung für den Körper enorm ist.

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Wie wahrscheinlich es ist, dass Herr Gottschalk geheilt wird?

Ullrich: Die Prognose hängt maßgeblich davon ab, ob der Tumor vollständig und mit Sicherheitsabstand entfernt wurde und ob keine Metastasen vorliegen. Wenn beides der Fall ist, stehen die Chancen gut. In solchen Fällen erfolgen regelmäßig Nachuntersuchungen, um das erneute Wachstum von Tumorgewebe frühzeitig zu entdecken. Davon gehe ich bei ihm aus, da er von einem spezialisierten Sarkomzentrum behandelt wird.

Treten nach der Operation starke Schmerzen auf?

Ullrich: Nach der Operation können Schmerzen auftreten, die aber in der Regel durch geeignete Schmerzmittel behandelt werden. Postoperative Beschwerden nehmen meist mit der Zeit ab.

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Herr Gottschalk wurde öffentlich für einige „Aussetzer“ bei seinen Auftritten kritisiert. Könnten solche Verhaltensänderungen mit der Erkrankung oder der Therapie zusammenhängen?

Ullrich: Ja, das ist durchaus möglich. Schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs und die damit verbundene medikamentöse Behandlung der Schmerzen können die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen. Schmerzmittel spielten hierbei sicherlich eine Rolle.

Gibt es besondere Empfehlungen, die Sie Patienten mit dieser Erkrankung mitgeben würden?

Ullrich: Aufgrund der Seltenheit dieser Krankheit rate ich jedem Patienten dringend, sich an spezialisierte Sarkom-Zentren zu wenden. Die Expertise und Erfahrung bei der Diagnosestellung und Behandlung sind dort deutlich höher. Nur dort können die Behandlungsschritte optimal auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden.