• Für Impfungen holen sich die meisten noch einen Termin beim Hausarzt
  • Dabei impfen schon länger auch Apotheken mit Fachpersonal
  • Eine Apothekerin nennt entscheidende Vorteile

Komplizierte Terminfindung, lange Wartezeiten, überfüllte Praxen: Der Gang zum Arzt ist für viele Menschen mit Stress verbunden und wird daher nur angetreten, wenn es unbedingt nötig ist. Präventive Schutzimpfungen holen sich gesunde Menschen daher oft nicht ab – obwohl sie sogar von den Krankenkassen übernommen werden.

Wer sich gegen Krankheiten wie Grippe oder Covid-19 schützen möchte, ist längst nicht mehr auf den Hausarzt angewiesen, weiß Apothekerin Dr. Ina Lucas. In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ erzählt sie von erfolgreichen Impfaktionen in ihren Filialen, die zahlreiche Patienten erreichten. Die Expertin erklärt, warum auch in der Apotheke geschultes Fachpersonal und Diskretion gegeben sind.

Apotheke: Impfungen längst nicht mehr nur beim Hausarzt möglich

Dr. Ina Lucas: „In Apotheken ist auch nachts viel los. Bei der ‚Langen Nacht des Impfens‘ Anfang Oktober ließen sich in meinen Apotheken rund 300 Menschen impfen. Bundesweit beteiligten sich etliche Apotheken an dieser Aktion. Wer die ‚Lange Nacht‘ verpasst hat, kann sich auch im Dezember noch in einer Apotheke Schutzimpfungen gegen Grippe und Covid-19 holen. Für gesetzlich Versicherte ist die Impfung kostenlos und dauert ohne die Wartezeit nach der Impfung etwa eine Viertelstunde. 

Unsere Expertin

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..

Viele Menschen zwischen 35 und 50 Jahren haben inzwischen keinen Hausarzt mehr. Oft höre ich in den Gesprächen in meiner Apotheke, dass sich kaum jemand ausschließlich für eine vorbeugende Impfung ins Wartezimmer setzt, wenn er oder sie abgesehen davon keinen Kontakt zum Arzt oder zur Ärztin braucht. Hinzu kommt: In immer mehr Regionen und auch Großstädten sind die Hausarztpraxen überlastet oder nehmen gar keine neuen Patientinnen oder Patienten mehr auf. Eine Lösung: Impfungen in einer Vor-Ort-Apotheke.

  • Die Apotheken sind leicht erreichbar und haben oft auch abends oder an Samstagen geöffnet.
  • Zudem sind wir für Gesundheitsvorsorge und Prävention oft die ersten Ansprechpartner.
  • Wer sich in einer Apotheke vor Ort impfen lassen will, findet über die App Apoguide bundesweit Anlaufstellen.

Seit 2022 ist es Apotheken unter bestimmten Bedingungen erlaubt, gegen Grippe und Covid-19 zu impfen. Viele Apotheken machen heute schon mit. Das Angebot ist eine der wenigen positiven ‚Pandemie-Folgen‘: Als sehr viele Menschen schnell geimpft werden wollten, wurden entsprechende Modellprojekte in Apotheken etabliert. Unser flächendeckendes und wohnortnahes Angebot hat sich seitdem bewährt. Seit 2022 gehören die Impfungen nun für viele Apotheken zum regulären Angebot.

Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“

Dr. Ina Lucas: Impfungen in Apotheke genauso sicher wie beim Arzt

Impfen dürfen nur Apothekerinnen und Apotheker, die zuvor eine umfangreiche ärztliche Schulung besucht haben. Impfungen in Apotheken sind genauso sicher wie Impfungen in Arztpraxen oder durch Betriebsärzte. Wir impfen ausschließlich in abgetrennten Räumen in ruhiger Umgebung. Deshalb muss niemand vor anderen Apothekenkundinnen oder -kunden den Oberarm frei machen. Diskretion ist für uns selbstverständlich.

Bislang dürfen Apotheken nur gegen zwei Infektionskrankheiten impfen: Grippe und Covid-19. Das Besondere an diesen Impfungen ist, dass sie jährlich wiederholt werden sollen. Das Impfangebot der Apotheken soll aber erweitert werden, so sieht es jedenfalls die aktuell diskutierte Apothekenreform vor. In Zukunft könnten Apotheken Erwachsene auch gegen weitere Infektionskrankheiten impfen, zum Beispiel gegen Leberentzündungen, Tetanus oder Keuchhusten. Das ist aus meiner Sicht eine sinnvolle Weiterentwicklung. Im vergangenen Winter haben die Apotheken mehr als 200.000 Mal geimpft.  


Das Impfen gehört für mich persönlich aus zwei Gründen in die Apotheke. Erstens kann ich als Apothekerin mit meinen heilberuflichen Kompetenzen viel für die Prävention meiner Patientinnen und Patienten tun. Jeder Mensch entscheidet allerdings schlussendlich selbst, ob er oder sie sich in der Apotheke oder in der Arztpraxis impfen lassen will. Zweitens macht der enge Kontakt zu den Menschen die Vor-Ort-Apotheke als Arbeitsplatz auch für jüngere Apothekerinnen und Apotheker noch attraktiver. Deshalb freue ich mich darauf, wenn wir unser Impfangebot zukünftig weiter ausbauen können.“