Hier noch eine Pille gegen Bluthochdruck, da eine Tablette gegen Cholesterin, und die neuen Tropfen nicht zu vergessen! Mit dem Alter oder nach einer Erkrankung kann die Zahl der Medikamente deutlich ansteigen, die man täglich einnehmen muss. Da kann es schnell schwerfallen, den Überblick zu behalten. Doch im Ernstfall können sich Krankheiten verschlimmern, wenn auch nur eine verschriebene Arznei vergessen wird.

Welche ernsthaften Probleme drohen können, weiß Apothekerin Dr. Ina Lucas aus der Praxis zu berichten. In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ erzählt sie von einer älteren Kundin, die mit ihrem Medikamentenplan, auch Medikationsplan genannt, überfordert war. Die Expertin erklärt, was häufige Ursachen für den Leichtsinn beim Medikamentenplan sind und wie sie als Apothekerin ganz gezielt helfen kann.

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Dr. Ina Lucas: „Manchmal sind es die scheinbar kleinen Dinge, die eine große Wirkung entfalten. Frau K., 78 Jahre alt, kam nach einem Herzinfarkt zu uns in die Apotheke. Krankenhausaufenthalt, neue Medikamente – und genau in dieser Zeit auch noch der Wechsel der Hausärztin. Einen Medikamentenplan genannt, hatte sie weder aus der Klinik noch von einer Ärztin bekommen.

Unsere Expertin

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..

Frau K. ist Stammkundin bei uns in der Apotheke, also griff ich auf die Daten ihres Kundenkontos zurück. Ich verabredete mit ihr einen Termin, zu dem sie alle Tabletten mit in die Apotheke brachte, die sie einnahm. Beim Durchsehen fiel mir auf: Das Bisoprolol (ein Mittel, das den Blutdruck senkt), für das sie vor kurzem ein Rezept bei uns eingelöst hatte, fehlte. „Ich nehme nur das, was hier liegt“, sagte sie überzeugt.

Ich maß ihren Blutdruck, das Gerät zeigte Auffälligkeiten an. Auch ihr eigenes Blutdruck-Messgerät zu Hause blinkte seit Tagen mit „seltsamen Zacken“, wie sie mir erzählte. Mein Anruf bei der neuen Hausärztin brachte die Bestätigung: Das Bisoprolol war keineswegs abgesetzt worden, Frau K. sollte es dauerhaft einnehmen. Schließlich fand Frau K. die Packung doch noch zu Hause – sie war zwischen die Medikamente ihres Mannes gerutscht. Ohne Medikationsplan konnte sie den Fehler nicht erkennen. Eine Woche später kam sie noch einmal zu uns in die Apotheke. Dieses Mal waren ihre Werte unauffällig, die „Zacken“ bei der Blutdruckmessung verschwunden, der Medikationsplan vollständig und aktuell.

Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“

Medikamente nach Plan einnehmen: Apotheke hilft bei Unsicherheiten

Mich berührt diese Geschichte. Sie zeigt, wie leicht ältere Menschen im Alltag den Überblick über ihre Medikamente verlieren können und wie wichtig ein aktueller Medikationsplan ist. Für Frau K. nahm alles zum Glück ein gutes Ende. Aber es macht mir wieder bewusst, wie viel Verantwortung wir in der Apotheke täglich tragen – und wie sehr unsere Aufmerksamkeit zählt.

Mangelnde Therapietreue ist ein großes Problem. Bei chronischen Erkrankungen nimmt nur etwa die Hälfte aller Patientinnen und Patienten ihre Medikamente wie vorgesehen ein. Aber Tabletten, die nicht eingenommen werden, können keine Wirkung entfalten. Die chronischen Krankheiten bleiben also unbehandelt, mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen.

Als Apothekerin habe ich die Aufgabe, die Therapietreue meiner Patientinnen und Patienten zu verbessern. Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Arzneimittel nicht wie vorgesehen einnehmen. Vergesslichkeit oder Unübersichtlichkeit wie bei Frau K. ist eine mögliche Ursache. Manche Patientinnen und Patienten befürchten auch Nebenwirkungen oder haben das Gefühl, dass eine Behandlung nicht nötig ist. Diese Gründe spielen vor allem zu Beginn einer Therapie eine große Rolle.

Erfahrungen aus anderen Ländern wie Großbritannien zeigen: Wenn sich Apothekerinnen und Apotheker beim Beginn einer Dauertherapie engmaschig um ihre Patientinnen und Patienten kümmern, kann das die Therapietreue nachhaltig verbessern. In diesem Feld können sich die Apothekenteams stärker einbringen.“