• Archäologen bestätigen eine sagenumwobene Grabstelle aus dem 9. Jahrhundert
  • Die Festung Artanuji gibt neue Einblicke in das mittelalterliche Leben im Kaukasus
  • Wie ein uraltes Bauwerk Tourismus-Magnet und Kulturerbe werden könnte

Unter der Apsis der Kirche St. Peter und Paul in Ardanuç im Nordosten der Türkei entdeckten Archäologen eine Grabstätte, die einem legendären König des 9. Jahrhunderts zugeschrieben wird. Der Fund liefert erstmals eine archäologische Bestätigung für historische Berichte, die die Bestattung dieses Herrschers in Artanuji, dem heutigen Ardanuç, überliefern.

Burg Gevhernik: Ausgrabungsarbeiten fördern Überraschendes zutage

Die Festung von Gevhernik, auch als Ardanuç Burg bekannt, wurde im 5. Jahrhundert von König Vakhtang I. erbaut. Ein archäologisches Team unter Leitung von Dr. Osman Aytekin führt seit mehreren Jahren systematische Untersuchungen durch. Die Arbeiten, die vom türkischen Kulturministerium und der Universität Van Yüzüncü Yıl unterstützt werden, konzentrieren sich auf den inneren Festungsbereich sowie auf die Reste der Kirche der Heiligen Peter und Paul.

Erste Befunde deuten darauf hin, dass der Adel in der Zitadelle wohnte, während Kaufleute und wohlhabende Bürger in der befestigten Unterstadt siedelten, die über Bäder, Kapellen und Brunnen verfügte. Unerwartet stießen die Wissenschaftler unter der Apsis der Kirche auf eine zwei Meter lange und 1,8 Meter breite Kammer mit Steingewölbe, die als die lange vermisste Grabstätte von Ashot dem Großen gilt, berichtet Anatolian Archeology.

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Grabstätte eines legendären Königs

Laut Ausgrabungsleiter Dr. Osman Aytekin handelt es sich um einen bedeutenden archäologischen Fund. Aschot I. der Große, historisch auch als Ashot I. Kurapalates oder Ashot Didi belegt, regierte in einer Epoche der Neugestaltung des mittelalterlichen Kaukasus. Im Jahr 813 trat er als erster iberischer König von Tao-Klardschetien an die Spitze eines mittelalterlichen georgischen Königreiches. Sein wesentliches Vermächtnis liegt in der Vereinigung zahlreicher georgischer Fürstentümer unter der Herrschaft der Bagratiden-Dynastie. Parallel dazu setzte er sich für die Wiederherstellung christlicher Klosteranlagen ein und etablierte nach Jahrhunderten der Invasionen eine Ära der politischen Stabilität.

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Aschot wird als gleichermaßen fähiger Militärstratege und politischer Reformer betrachtet, der Brücken zwischen Imperien und Glaubensrichtungen zu bauen versuchte. Seine Ermordung um das Jahr 826 n. Chr. markierte das Ende einer außergewöhnlichen Periode und ist in der mittelalterlichen Quelle Kartlis Tskhovreba dokumentiert. Diese historische Schrift berichtet ebenfalls von seiner Bestattung unter der Kirche in Ardanuç.

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„Die architektonische Lage und Struktur der Kammer stimmen perfekt mit diesen Berichten überein. Wissenschaftlich gesehen können wir nun im Namen der türkischen Archäologie die Grabstätte von Ashot dem Großen bestätigen.“ erklärt Dr. Osman Aytekin die Bedeutung der Entdeckung gegenüber Anatolian Archeology.

Archäologen finden Schätze aus der Vergangenheit

Die Archäologen haben in der Burg Artanuji, direkt neben der Grabkammer, erstaunliche Entdeckungen gemacht, die auf ein reges soziales Leben innerhalb der Festung hindeuten. Sie stießen auf eine große Gemeinschaftsküche, ein sogenanntes Tandoor-Haus, sowie auf ein ausgedehntes System von Zisternen.

Ardanuç Castle
Die beeindruckende Burg Artanuji.© iStock | daphnusia

Bisher wurden zwei Wasserzisternen komplett freigelegt. Die Arbeit an einer dritten Quelle ist noch im Gange. Zudem fanden die Forscher eine byzantinische Münze aus dem frühen 11. Jahrhundert, zahlreiche Keramikscherben sowie Geschosse aus Stein und Metall. Alle diese historischen Schätze werden am Ende der aktuellen Ausgrabungssaison dem Artvin-Museum übergeben.

Projektleiter Dr. Aytekin rechnet damit, dass die Ausgrabungen noch fünf weitere Jahre dauern werden. Danach soll die Burg Artanuji in ein bedeutendes Zentrum für Kulturerbe und Tourismus umgewandelt werden, das Besucher an die östliche Schwarzmeerküste locken wird.