Wer gesundes Zahnfleisch und starke Zähne hat, schützt damit offenbar mehr als nur sein Lächeln. Eine neue Langzeitstudie aus den USA zeigt: Menschen mit Zahnfleischerkrankungen und Karies haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und andere schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das könnte die Aufklärung über Mundhygiene und Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt noch wichtiger machen. Die Studie wurde am 22. Oktober in der Fachzeitschrift „Neurology Open Access“ veröffentlicht.

Jedes Jahr erleiden laut der Stiftung „Deutsche Schlaganfall-Hilfe“ rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall – und fast 80 Prozent der Betroffenen sind über 60 Jahre alt. Die aktuellen Studienergebnisse aus den USA zeigen nun, dass eine gute Mundgesundheit helfen könnte, gerade in dieser Altersgruppe das Risiko deutlich zu senken.

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Studie: Fast doppelt so hohes Schlaganfallrisiko bei schlechter Mundgesundheit

Das Forscherteam der University of South California begleitete dafür fast 6000 Erwachsene im Schnitt über 21 Jahre lang. Das Durchschnittsalter der Testpersonen betrug 63 Jahre. Zu Beginn waren alle Teilnehmer frei von ischämischem Schlaganfällen (verursacht durch Blutgerinnsel), chronischen Herzkrankheiten und schweren Zahnproblemen.

Während des Beobachtungszeitraums zeigten sich aber deutliche Unterschiede: Von den Menschen mit guter Mundgesundheit erlitten nur 4,1 Prozent einen Schlageinfall, bei denen mit Zahnfleischerkrankungen stieg der Anteil auf 6,9 Prozent und bei jenen, die sowohl unter Zahnfleischproblemen als auch Karies litten, auf alarmierende 10 Prozent.

Ein Zahnarzt untersucht eine Patientin.
Ein Zahnarzt untersucht eine Patientin. (Symbolbild) Der Gang zum Zahnarzt kann laut Studie nicht nur Zähne retten, sondern auch das Schlaganfallrisiko senken. © Getty Images | gpointstudio

Selbst als andere Risiken wie Rauchen oder Übergewicht berücksichtigt wurden, blieben die Ergebnisse bestehen: Zahnfleischerkrankungen steigerten das Schlaganfallrisiko um 44 Prozent, die Kombination mit Karies sogar um 86 Prozent. Auch das Gesamtrisiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen war erhöht.

„Wir haben festgestellt, dass Menschen mit Karies und Zahnfleischerkrankungen ein fast doppelt so hohes Schlaganfallrisiko haben wie Menschen mit guter Mundgesundheit, selbst nach Berücksichtigung kardiovaskulärer Risikofaktoren“, so Studienleiter Souvik Sen.

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Forscher: Entzündungen im Mund können das Herz gefährden

Die genauen Ursachen können die Wissenschaftler zwar noch nicht beweisen, der Verdacht liegt aber laut Studienleiter Sen nahe: Entzündungen und krankmachende Bakterien aus dem Mundraum könnten sich über den Blutkreislauf im Körper ausbreiten und so das Herz-Kreislauf-System schädigen oder die Entstehung von Blutgerinnseln begünstigen.

Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass bei Menschen mit Zahnproblemen Bakterien auf den Arterienwänden gefunden wurden. Das kann wiederum das Risiko für Schlaganfälle erhöhen.

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Forscher betonen: Regelmäßige Zahnarztbesuche schützen

Die neuen Studienergebnisse zeigen: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt zahlen sich aus. In der untersuchten Gruppe hatten Personen mit regelmäßigen Zahnarztterminen ein deutlich geringeres Risiko, sowohl an Zahnfleischerkrankungen als auch Karies zu leiden. Ihr Risiko für beides auf einmal war um 81 Prozent, ihr Risiko für Erkrankungen am Zahnfleisch allein um 29 Prozent geringer.

Deshalb rät Studienleiter Sen: „Menschen mit Anzeichen von Zahnfleischerkrankungen oder Karies sollten sich behandeln lassen, nicht nur um ihre Zähne zu erhalten, sondern möglicherweise auch um das Schlaganfallrisiko zu verringern.“

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Die Studie zeigt zwar einen klaren Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Schlaganfallrisiko. Sie kann jedoch nicht beweisen, dass Zahnprobleme die Ursache für Schlaganfälle sind. Weitere Forschungen sind notwendig, um die genauen Mechanismen zu verstehen.