In der Urzeit gehörte Zärtlichkeit offenbar nicht zur Fortpflanzungsstrategie. Eine neue Studie des Royal Belgian Institute of Natural Sciences legt nun nahe: Weibliche Hadrosaurier, besser bekannt als Entenschnabelsaurier, erlitten bei der Fortpflanzung regelmäßig Knochenbrüche an der Schwanzwirbelsäule.
Für Paläontologinnen und Paläontologen ist das ein faszinierender Befund. Denn damit könnten sich erstmals Männchen und Weibchen dieser urzeitlichen Pflanzenfresser voneinander unterscheiden lassen – ein bislang kaum lösbares Problem in der Dinosaurierforschung.
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Skelette zeigten auffälliges Verletzungsmuster
Schon länger fiel Forschern auf, dass viele Hadrosaurier-Skelette ein auffälliges Verletzungsmuster zeigen: verheilete Brüche an den Dornfortsätzen im oberen und mittleren Teil des Schwanzes. Über die Ursache stritten Wissenschaftler jahrzehntelang. Waren es Kämpfe, Unfälle in der Herde oder die Folgen eines Sturzes?
Darren Tanke vom Royal Tyrrell Museum in Kanada brachte bereits Ende der 1980er Jahre eine gewagte Hypothese ins Spiel: Vielleicht seien die Brüche bei der Paarung entstanden, durch das enorme Gewicht des Männchens auf dem Rücken des Weibchens. Viele Fachleute hielten das zunächst für unwahrscheinlich. Schließlich schien es unlogisch, dass die Evolution ein Paarungsverhalten erfordert, das die Partnerin verletzt.
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Simulationen mit moderner Technik
Ein Team um den Paläontologen Filippo Bertozzo hat die Idee nun mit modernen Methoden überprüft. Die Forscher untersuchten rund 550 verletzte Wirbel und rekonstruierten mithilfe von Computermodellen, wie die Kräfte auf den Schwanz gewirkt haben könnten. Das Ergebnis: Die Brüche entstanden vermutlich durch Druck von schräg oben, in einem Winkel von etwa 30 bis 60 Grad. Genau das würde passieren, wenn ein schweres Männchen beim Besteigen auf den Schwanz des Weibchens drückte.
Die Verletzungen traten fast ausschließlich bei ausgewachsenen Tieren auf, und die Knochen zeigten Spuren der Heilung. Das spricht dafür, dass die Tiere den Akt überlebten – wenn auch mit Blessuren.
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Wie paarten sich Dinosaurier?
Wie Dinosaurier sich genau paarten, bleibt dennoch rätselhaft. Weichteile versteinern selten, weshalb kaum bekannt ist, wie ihre Geschlechtsorgane aussahen. Vermutlich besaßen sie – wie heutige Vögel und Krokodile – eine Kloake, eine gemeinsame Körperöffnung für Ausscheidungen und Fortpflanzung. Bei der Paarung pressten sie diese vermutlich gegeneinander. Der Fund eines 120 Millionen Jahre alten Psittacosaurus-Fossils mit deutlich erhaltener Kloake stützt diese Annahme.
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Neue Identifikationsmöglichkeiten
Für Bertozzo und sein Team ist die Paarungshypothese kein endgültiger Beweis, sondern ein vielversprechender Anfang. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnten Paläontologinnen und Paläontologen künftig weibliche Hadrosaurier anhand ihrer Wirbelverletzungen identifizieren.
Damit können die Wissenschaftler untersuchen, ob sich männliche und weibliche Tiere in Größe oder Schädelform unterschieden und damit vielleicht sogar Rückschlüsse auf ihr Sozialverhalten ziehen.






