- Wer nicht schlafen kann, greift mitunter zu melatoninhaltigen Mitteln
- Das Versprechen: Natürlich besser schlafen – und das ohne große Nebenwirkungen
- Doch eine neue Studie zeigt, dass die Einnahme nicht gänzlich ungefährlich ist
Es ist spät, der Wecker klingelt aber bereits in wenigen Stunden – und an Schlaf ist noch nicht zu denken. In solchen Momenten greifen viele zu einem vertrauten Helfer: Melatonin. Das Schlafhormon, das der Körper eigentlich selbst produziert, verspricht schnelle und unkomplizierte Hilfe – ganz ohne Nebenwirkungen. Doch eine neue Studie wirft nun ein beunruhigendes Licht auf die vermeintlich harmlose Einschlafhilfe. Forscher der American Heart Association haben festgestellt, dass eine langfristige Einnahme möglicherweise erhebliche Risiken birgt: Ein Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz und Sterblichkeit wird vermutet.
Die Forscher haben in einer Analyse von Gesundheitsdaten von über 130.000 Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Melatoninkonsum über mehr als ein Jahr und einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz und Sterblichkeit gefunden. Die Forschungsergebnisse stammen aus einer unveröffentlichten Studie, die nächste Woche auf der wissenschaftlichen Konferenz der American Heart Association in New Orleans vorgestellt werden soll.
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Melatonin-Nutzer: Herzschwäche und erhöhte Sterberate
Laut den Ergebnissen war das Risiko für eine Herzinsuffizienz bei Personen, die ein Jahr lang Melatonin eingenommen hatten, fast doppelt so hoch wie bei Nicht-Nutzern. Auch Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzschwäche und die Sterberate lagen bei den Melatonin-Nutzern signifikant höher. Dennoch betonen Experten in der „New York Times“, dass die Studie keinen Kausalzusammenhang zwischen Melatonin und Herzinsuffizienz nachweisen konnte – der beobachtete Zusammenhang könnte auf andere Faktoren wie den Gesundheitszustand der untersuchten Personen zurückzuführen sein. Zum Beispiel könne Schlaflosigkeit selbst oder zugrunde liegende Erkrankungen wie Schlafapnoe eine Rolle spielen. Die Studienergebnisse seien daher eher als Anregung für weitere Forschung zu verstehen.
Melatonin ist ein Hormon, das natürlich im Körper produziert wird und den Schlaf-Wach-Rhythmus regelt. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel sowohl rezeptfrei als auch verschreibungspflichtig angeboten – abhängig von der Dosierung und den gesetzlichen Regelungen im jeweiligen Land. In den USA ist Melatonin auch in hohen Dosen frei erhältlich, während in Deutschland nur niedrig dosierte Präparate ohne Rezept gekauft werden können. Diese Unterschiede haben allerdings zu methodischen Schwächen in der Studie geführt, da nur Personen mit dokumentierten Melatonin-Rezepten berücksichtigt wurden, obwohl sich eine Vielzahl von Menschen rezeptfrei eingedeckt haben könnte.
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Melatonin: Experten zweifeln Wirksamkeit bei Schlaflosigkeit an
Verschiedene Experten haben ebenfalls entscheidende kritische Punkte zur Studie hervorgehoben. Unbekannt bleiben Details zur genauen Dosierung des Melatonins oder zum Grad der Schlaflosigkeit der untersuchten Personen – beides mögliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Um belastbare Informationen zu erhalten, seien zusätzliche randomisierte, kontrollierte Studien nötig.
„Die Ergebnisse sind zweifellos provokant und verdienen Beachtung, insbesondere angesichts der weit verbreiteten Annahme, Melatonin sei ein harmloses, ‚natürliches‘ Schlafmittel“, sagte Muhammad Rishi, außerordentlicher Professor für klinische Medizin und Sprecher der American Academy of Sleep Medicine, der „Washington Post“.
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Melatonin wird häufig als schnelle Lösung bei Schlafproblemen eingesetzt, obwohl viele Schlafmediziner die Wirksamkeit bei chronischer Schlaflosigkeit anzweifeln. Zwar kann das Hormon dabei helfen, den Schlafrhythmus vorübergehend zu regulieren, beispielsweise bei Jetlag, doch bei langanhaltenden Schlafproblemen empfehlen Experten oft ganzheitlichere Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie, Schlafhygiene und den Verzicht auf störende Einflüsse wie Koffein oder Alkohol vor dem Schlafengehen.
Die Studienautoren und Experten raten, die Ergebnisse der Untersuchung nicht als Panikmache zu verstehen, sondern als Anlass, die langfristige Einnahme von Melatonin kritisch zu hinterfragen. Besonders Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Problemen sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt mögliche Risiken und Vorteile der Melatonin-Nutzung im Detail besprechen und gegebenenfalls auf sicherere Alternativen zur Schlafverbesserung zurückgreifen.






