- Medikamentenpreise in der Apotheke und der Online-Apotheke weichen häufig ab
- Eine Apothekerin hält den Blick nur auf den Preis für einen Fehler
- Wie Kunden mit ihrer Kaufentscheidung ihren Kiez mitgestalten
Frei verkäufliche Medikamente kosten nicht überall das Gleiche. Das merkt jeder, der in seiner Apotheke um die Ecke nach Arzneimitteln fragt und die Preise mit anderen Apotheken und Online-Apotheken vergleicht. Trotzdem kann es sinnvoll sein, beim Medikamentenkauf nicht auf den Cent zu schauen. Denn mit der Entscheidung, woher man seine Tabletten oder Tropfen bezieht, fällt jeder Einzelne auf Dauer eine durchaus mächtige Entscheidung mit weitreichenden Folgen.
In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ verrät Dr. Ina Lucas, wie die Preisunterschiede zwischen Apotheke und Online-Apotheken im Ausland zustande kommen und warum Kundinnen und Kunden mit dem Kauf in der Apotheke vor Ort auch ihrem Umfeld am Wohnort Gutes tun.
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Online-Apotheke: Warum sind Medikamente dort oft günstiger?
Dr. Ina Lucas: „Jeden Tag kommen zahlreiche Menschen in meine Apotheke, um rezeptfreie Medikamente zu kaufen. In vielen Fällen geht es im Gespräch auch um den Preis, was ja selbstverständlich ist. Manchmal verweisen meine Kundinnen und Kunden dabei auf günstigere Online-Preise. Ich nehme mir dann jedes Mal Zeit, um die Hintergründe zu erklären, warum Preise vor Ort und online häufig abweichen.
Unsere Expertin
Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..
Die Gründe dafür sind ziemlich einfach: In unserer Apotheke haben wir hohe Kosten zu tragen. Die Miete ist teuer, die Arzneimittel müssen fachgerecht gelagert werden. Die Energiepreise steigen. Und: Wir haben fachlich erstklassiges und aufwendig ausgebildetes Personal. Und diese Fachkräfte müssen eben auch gut bezahlt werden.
Wir können uns – im Gegensatz zu Online-Apotheken aus dem Ausland – auch nicht ständig frisches Kapital am Aktienmarkt beschaffen. Denn Apotheken sind ja inhabergeführte Betriebe. Sie müssen auskömmlich wirtschaften, sonst gehen sie faktisch pleite. Apotheken sind aber nicht nur kleine- und mittelständische Betriebe, sie sind auch ein Wirtschaftsfaktor fürs Land.
Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“
Neben der Lohnsteuer zahlen die Apotheken jedes Jahr bundesweit mehr als 14 Milliarden Euro an Umsatz-, Gewerbe- und Einkommensteuer. Dazu gehören auch etwa 400 Millionen Euro Gewerbesteuer an Städte und Gemeinden. Davon werden zum Beispiel Straßen gebaut, Schwimmbäder in Schuss gehalten, Parks gepflegt.
Preiskampf der Apotheken: Was Kunden häufig nicht sehen
Auch dieses Argument nenne ich oft im Gespräch, wenn es um Online-Preise geht: Wer also Medikamente beim Versandhandel im Ausland kauft, schwächt nicht nur das Apothekennetz, weil immer mehr Apotheken den Preiskampf nicht mithalten können. Er schwächt auch seine eigene Kommune. Das kann letztlich zu weniger Parkbänken oder schlechter ausgestatteten Schulen führen. Die allermeisten Patientinnen und Patienten akzeptieren meine Argumente dann auch ganz offen und sagen zu mir: „Da haben Sie einen Punkt!“
Übrigens engagieren sich viele Apothekenteams auch im besten bürgerschaftlichen Sinne, um ihr Umfeld lebenswerter zu machen. Das kann eine Spende für einen Sozialverein oder die Teilnahme an einem Umweltprojekt sein. Apotheken fördern Programme zur Prävention in Schulen oder Kitas oder engagieren sich bei lokalen Sportveranstaltungen.
Meine Apotheke zum Beispiel hat kürzlich eine Spende für die Gemeinde getätigt hat, um Bepflanzungsarbeiten zu finanzieren. Wichtig ist uns dabei die Nähe zu den Menschen und zu ihren Bedürfnissen. Das wissen inzwischen auch viele meiner Kundinnen und Kunden, wenn wir mal in Ruhe darüber gesprochen haben, warum sich lokal kaufen in mehrfacher Sicht lohnt.“









