Wildlebende Schimpansen trinken im Alltag mehr Alkohol, als man vermuten würde, ohne je ein Glas anzurühren. Der Grund liegt in ihrer Nahrung: reifes Obst. Eine internationale Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass die Tiere beim täglichen Verzehr von Feigen, Pflaumen oder anderen Früchten im Schnitt rund 14 Gramm reinen Alkohol aufnehmen. Das entspricht ungefähr einer Flasche Bier.

Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science Advances, liefern neue Hinweise für die sogenannte „Drunken Monkey“-Hypothese. Sie besagt, dass die menschliche Vorliebe für Alkohol ihren Ursprung in der Ernährung unserer gemeinsamen Vorfahren mit den Affen hat.

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Reifes Obst als natürliche Alkoholquelle

Die Forscher untersuchten Schimpansengruppen in der Elfenbeinküste und in Uganda. Sie analysierten den Alkoholgehalt von 20 Obstsorten, die dort regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Das Ergebnis: Im Schnitt enthielten die Früchte 0,3 Prozent Ethanol. Da ein erwachsener Schimpanse täglich mehrere Kilo Obst verzehrt, summiert sich die Alkoholmenge auf ein beachtliches Niveau.

Besonders interessant: Die Tiere fraßen bevorzugt jene Früchte, die am höchsten vergoren waren. Auch wenn der Alkoholgehalt vergleichsweise niedrig ist, ergibt sich durch die große Verzehrmenge eine beachtliche Dosis.

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Kein Rausch, aber ein evolutionärer Schlüssel

Dass die Affen betrunken durch den Wald torkeln, ist dennoch nicht zu beobachten. „Die Schimpansen verteilen den Verzehr über den Tag. Dadurch erreichen sie keine Mengen, die sie tatsächlich beeinträchtigen würden“, erklärt Kimberley Hockings, Primatenforscherin an der Universität Exeter, laut CNN. Im Gegenteil: Das gemeinsame Fressen auf dem Waldboden könne sogar soziale Bindungen fördern, sagt die schottische Primatologin Catherine Hobaiter der BBC.

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Kontakt mit Alkohol im Tierreich weit verbreitet ist. Auch andere fruchtfressende Tiere nehmen regelmäßig Ethanol auf – oftmals, ohne dass es ihnen schadet. Für die Wissenschaft ist das mehr als eine zoologische Kuriosität: Es könnte erklären, warum Menschen seit Jahrtausenden eine besondere Beziehung zu alkoholhaltigen Getränken pflegen.

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Neben der Frage nach der Herkunft unserer Trinkgewohnheiten erinnert die Studie auch an die prekäre Lage der Schimpansen. Die Tiere gelten laut Internationaler Naturschutzunion (IUCN) als gefährdet. Hauptursachen sind der Verlust ihres Lebensraums durch Landwirtschaft, Abholzung und den Ausbau von Siedlungen.