Menschen gehen fremd. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Eine Beziehung mag noch so harmonisch sein, so liebevoll, Untreue kann trotzdem jeden treffen. Kein Eheversprechen und keine Liebesschwüre können einem die ewige Treue garantieren. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE“ beleuchtet unsere Autorin Alina Juravel, warum Seitensprünge passieren – und es trotzdem kein Ende der Beziehung bedeuten muss.

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Ich war gerade mal zehn Jahre alt, als ich das erste Liebesdrama meines Lebens hautnah mitbekam. Meine Tante musste damals vorübergehend bei uns einziehen, weil ihr Mann sie wegen einer anderen, deutlichen jüngeren Frau verlassen hatte. Meine Tante musste aus der gemeinsamen Wohnung raus, ihr Leben neu ordnen und ganz viel Schmerz verarbeiten. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie in unserer Küche weinte und wie meine Mutter sie tröstete. Es war ein Drama, das sogar mein Kindergehirn sehr deutlich verstand.

Fremdgehen mit Konsequenzen: Er trennte sich wegen einer Jüngeren

Doch es dauerte keine zwei Jahre, da waren meine Tante und ihr Mann wieder zusammen. Nicht nur das, sie heirateten sogar ein zweites Mal, obwohl die Scheidung erst wenige Monate zurück lag. Mehrere Menschen attestierten meiner Tante daraufhin Verblendung und Naivität. Einen Mann zurückzunehmen, der schon betrogen hat? Das kann ja nur schief gehen, so die Meinung anderer. Doch meine Tante ließ sich nicht beirren.

Manchmal kann man nicht verstehen, warum verliebte Menschen handeln, wie sie eben handeln und weshalb manche sogar bereit sind, Fremdgängern zu verzeihen. Für Außenstehende ist es leicht zu sagen, dass sie bei Untreue sofort das Handtuch werfen würden. Doch oft ist die Realität viel komplexer. Das zeigt auch der Fall von Valerie. Sie wurde von ihrem Ehemann, dem Vater ihrer Kinder, mehrfach betrogen. Dennoch hielt sie an der Beziehung fest. „Er ist mein Heimathafen“, sagt Valerie. Meine Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural hat ein sehr persönliches Gespräch mit ihr geführt und aufgeschrieben, warum Valerie ihrem Mann schon so oft verziehen hat und was sie über seine Affären denkt.

Ich erzähle Ihnen den Fall von Valerie nicht, weil ich das Fremdgehen befürworte oder rechtfertigen möchte. Aber ich will zeigen, wie vielschichtig das Betrügen und Betrogen werden sein kann. Tatsächlich kommen Seitensprünge in Beziehungen häufig vor, das zeigen auch mehrere repräsentative Statistiken. Ob Männer oder Frauen häufiger fremdgehen, ist umstritten. Bei manchen handelt es sich um einen betrunkenen One-Night-Stand, bei anderen um eine langfristige Affäre. Was beides gemein hat: Für die betrogene Person ist es oft ein Desaster. Doch auch für den Mann oder die Frau, mit der fremdgegangen wird, kann es eine leidvolle Erfahrung sein.

Affäre beichten? Warum Ehrlichkeit nicht immer die beste Lösung ist

Luisa und Victoria wissen das, beide haben Affären mit vergebenen Männern, aus ganz unterschiedlichen Beweggründen. Meine Kollegin Yannah Alfering hat mit den beiden Frauen darüber gesprochen, wie die Affären angefangen haben und wie die beiden ihre Rolle als Geliebte sehen.

Fest steht, dass Untreue auch in stabilen Beziehungen vorkommt und Treue niemand garantieren kann. „Nichts im Leben ist ohne Risiko und perfekte Menschen gibt es nicht“, sagt der Münchner Psychologe und Psychotherapeut Ludwig Schindler. Mit ihm hat meine Kollegin Jessica Hock darüber gesprochen, ob man seinem Partner die Affäre beichten sollte und warum Ehrlichkeit nicht immer die beste Lösung ist.

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Ob man seine Affäre beichtet oder nicht: Paare können auch die heftigsten Seitensprünge überstehen und aus solchen Krisen sogar gestärkt wieder hervorgehen. Das beweist auch der Fall meiner Tante. Sie und ihr Mann sind mittlerweile seit mehr als 25 Jahren glücklich verheiratet – obwohl so gut wie niemand daran glaubte, als sie ihrem Mann eine zweite Chance gab.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Wurden Sie schon mal betrogen oder haben selbst eine Affäre gehabt? Und wie hat dies Ihre Beziehung verändert? Sie können es mir gerne erzählen – auch anonym. Auch wenn Sie Kritik haben oder auch Anregungen, freue ich mich über eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de

„Ein FUNKE Liebe“

Der Newsletter „Ein FUNKE Liebe“ liefert alle zwei Wochen, immer sonntags, spannende, berührende und manchmal auch provokante Texte rund um das Thema Partnerschaft direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Ob es um den Wunsch nach mehr Nähe oder den Mut zur Trennung geht, um Probleme im Bett, einen unerfüllten Kinderwunsch oder den Alltag mit Kindern – bei „Ein FUNKE Liebe“ werden Beziehungsthemen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – mit persönlichen Erfahrungen, Expertenwissen und Tipps für Leserinnen und Leser.