Ein Mangel an bestimmten B-Vitaminen kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz erhöhen. Zu diesem Schluss kommen neue Forschungen der Tufts University aus Massachusetts. Besonders im Alter wird die Aufnahme von Vitamin B12 zum Problem, heißt es in der Studie.

Jeder zweite und jede zweite über 75-Jährige könne laut den Forschern Vitamin B12 aus der Nahrung nur noch eingeschränkt aufnehmen. Der Grund liege unter anderem in einer veränderten Magenschleimhaut, die weniger Magensäure und einen wichtigen Transportstoff produziere.

Führt Vitamin-B12-Mangel zu Demenz?

Die Folge: Ein Teil des Vitamins bleibt ungenutzt – und das kann gravierende Auswirkungen haben. „Der Beitrag eines B12-Mangels zu geistigem Abbau und gefäßbedingter Demenz ist unterdiagnostiziert und unterschätzt“, zitiert die Studie Irwin Rosenberg, Professor für Ernährung und Medizin an der Universität.

Besonders problematisch sei, dass Standard-Bluttests meist nur den Gesamtwert von Vitamin B12 erfassen, nicht aber dessen tatsächliche Verfügbarkeit für den Körper. Aussagekräftiger sind laut der Forschungsergebnisse ergänzende Werte wie beispielsweise Homocystein oder Methylmalonsäure.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Auch für chronische Entzündungen, die viele Volkskrankheiten begünstigen, sehen die Forschende Potenzial – Vitamin B6 könnte hier dämpfend wirken, wie erste Tier- und erste Humanstudien zeigen. Allerdings gilt: Die Einnahme hochdosierter Präparate sollte nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Demenz-Forschung: Es „besteht enormer Aufklärungsbedarf“

Die Forschung rund um Demenz hat sich in der Vergangenheit in erster Linie auf Eiweißablagerungen im Gehirn konzentriert. Doch laut den Forschenden zeigen neue Daten, dass kleine Gefäßveränderungen im Gehirn eine weitaus größere Rolle spielen könnten. Sie würden häufig durch einen Vitaminmangel ausgelöst

„Es besteht enormer Aufklärungsbedarf zu diesem Thema“, sagt Rosenberg. „Wir hoffen, Kardiologen, Neurologen und Internisten davon zu überzeugen, im Rahmen der Beurteilung kognitiver Beeinträchtigungen den Vitamin-B-12- und Homocystein-Spiegel zu messen.“

Vitamin-B12-Mangel: Neue Studie untersucht Demenzrisiko bei mehr als 250.000 Menschen

Eine große Studie aus dem Jahr 2026 liefert weitere Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin-B12-Mangel und Demenz. Forschende verglichen die Gesundheitsdaten von zwei Gruppen mit jeweils 129.159 Menschen. Eine Gruppe wies niedrige Vitamin-B12-Werte auf, die andere normale Werte.

Das Ergebnis: Bei Menschen mit niedrigen Vitamin-B12-Werten lag das relative Risiko für eine spätere Demenzdiagnose um 33 Prozent höher. Bei einem ausgeprägten Mangel fiel der Unterschied noch größer aus: Hier errechneten die Forschenden ein um 64 Prozent erhöhtes relatives Risiko.

Die im Fachjournal „Frontiers in Nutrition“ veröffentlichte Untersuchung berücksichtigte einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann deshalb nicht beweisen, dass der Vitaminmangel die Demenz verursacht hat. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass Vitamin-B12-Präparate eine Erkrankung verhindern.

Demenz und Vitamin B12: Was passiert im Gehirn?

Warum könnte Vitamin B12 für die geistige Leistungsfähigkeit eine Rolle spielen? Das Vitamin wird unter anderem für die Funktion der Nervenzellen benötigt. Ein Mangel kann deshalb neurologische Beschwerden verursachen, darunter Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme.

Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung mit 231 älteren Menschen zeigte, dass bereits niedrige Werte des biologisch verfügbaren Vitamin B12 mit Auffälligkeiten bei der Informationsverarbeitung und Veränderungen in Gehirnaufnahmen zusammenhingen. Bemerkenswert: Solche Zusammenhänge fanden die Forschenden teilweise auch bei Menschen, deren Gesamt-B12-Werte noch im üblichen Normbereich lagen.

Eine weitere Studie mit 567 Teilnehmern untersuchte den Hippocampus. Diese Hirnregion spielt eine wichtige Rolle für das Gedächtnis und ist auch bei Alzheimer betroffen. Die Forschenden fanden einen Zusammenhang zwischen Vitamin-B12-Mangel und einem geringeren Hippocampusvolumen. Ob der Mangel selbst für diese Veränderungen verantwortlich war, lässt sich daraus allerdings nicht schließen.

Demenz vorbeugen: Helfen Vitamin-B12-Tabletten wirklich?

Nahaufnahme einer Frau, die Tabletten einnimmt
Helfen Vitamin-B-12-Tabletten, um Demenzrisiko zu senken?© iStock | Gorkem Yorulmaz

Wenn ein Vitamin-B12-Mangel mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammenhängt, liegt eine Frage nahe: Können Vitaminpräparate das Gehirn schützen?

Die wissenschaftliche Antwort fällt bislang zurückhaltend aus. Eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse in der Fachzeitschrift „Nutrition Reviews“ wertete 17 randomisierte Studien mit insgesamt 5275 Teilnehmern aus. Die Forschenden untersuchten, wie sich die Einnahme von B-Vitaminen auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt. Lesen Sie dazu: Welche Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll? Klare Ansage zu Vitamin D, B12 & Co.

Nach Berücksichtigung methodischer Auffälligkeiten zeigte sich lediglich ein sehr kleiner positiver Effekt auf die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit. Ein überzeugender Nachweis, dass B-Vitamin-Präparate Demenz oder Alzheimer verhindern, ergibt sich daraus nicht.

Wichtig bleibt dennoch, einen tatsächlichen Vitamin-B12-Mangel zu erkennen und zu behandeln. Denn die gesundheitlichen Folgen eines Mangels sind gut belegt. Ob zusätzliche Vitamine auch Menschen ohne Mangel vor Demenz schützen können, ist dagegen eine andere Frage.

les/bekö