- Lieferengpässe können auch Apotheken treffen
- Beim Fehlen wichtiger Medikamente kann die Apotheke improvisieren
- Eine Apothekerin gibt Einblick in diese stressigen Phasen
Wer krank ist, braucht Medikamente. Theoretisch zumindest könnte es mit der Gesundheit somit of ganz simpel sein. Dennoch kommt es in den letzten Jahren immer wieder zu Medikamenten-Engpässen. Vielen sind noch die Engpässe von Fiebersäften während der Coronapandemie, als die entsprechenden Medikamente schlichtweg nicht verfügbar waren.
In dieser Zeit mussten auch die Apotheken „erfinderisch“ werden, um den Patienten eine möglichst weitreichende Absicherung anbieten zu können. Auf welche Kniffe die Apotheker dort zurückgreifen mussten, wie man in solchen Situationen am besten reagiert und wie Lieferengpässe vermieden werden können, verrät Apothekerin Dr. Ina Lucas in ihrer aktuellen Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“.
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Lieferengpässe: Wenn das Medikament nirgends bestellbar ist
Dr. Ina Lucas: „Am vergangenen Wochenende war es wieder mal so weit. Eine Patientin legte mir ein Rezept über eine Augensalbe vor, die derzeit bei keinem Händler bestellbar ist. Leider hatte ich auch keine Restbestände mehr und konnte die Patientin zunächst nicht versorgen. Glücklicherweise konnten wir den behandelnden Arzt der Rettungsstelle telefonisch erreichen und mit ihm eine Alternative besprechen. Zwar dauerte der Vorgang rund 15 Minuten länger als geplant, aber letztlich konnten wir die Patientin doch noch gut versorgen.
Unsere Expertin
Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..
Fälle wie diese gehören leider in meiner eigenen Apotheke, aber auch in tausenden anderen Apotheken in Deutschland weiterhin zum Alltag. Auf einer bundesweiten Liste stehen rund 500 Medikamente, die derzeit einfach nicht lieferbar sind. Welches Arzneimittel auf der Liste steht, kann sich dabei sogar jeden Tag ändern. Weil Medikamente möglichst kostengünstig sein sollen, werden die Wirkstoffe oft in Fernost, zum Beispiel in Indien oder China, produziert.
Fällt dann irgendeine Lieferung wegen Qualitäts- oder Logistikproblemen aus, können gleich mehrere Hersteller in Europa von den Auswirkungen betroffen sein, da sie ohne Zulieferung selbst nicht mehr produzieren können. Aber auch ein unerwarteter Nachfrageanstieg, wie bei bestimmten Infektionen im Winter, kann mitunter zu Lieferengpässen führen.
Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“
Medikamente: „Lieferengpässe können viel länger als eine Woche dauern“
Meine eigene Apotheke, aber auch jede andere Apotheke muss per Gesetz so viele Arzneimittel vorrätig halten, wie es dem durchschnittlichen Bedarf für eine Woche entspricht. Und trotzdem stellen Lieferengpässe für die Apothekenteams immer wieder eine große Herausforderung dar, denn Lieferengpässe können viel länger als eine Woche dauern. Eine bundesweite Umfrage zeigt jedenfalls, dass der Aufwand für die Bearbeitung von Lieferengpässen pro Apotheke mehr als 20 Stunden pro Woche beträgt. Die Apothekenteams geben ihr Bestes, um durch zeitaufwendige Kommunikation mit Herstellern, Großhändlern und Arztpraxen in jedem einzelnen Problemfall eine Lösung für die Patienten und deren Behandlung zu finden.
Auch in meiner Apotheke suchen wir dann ein wirkstoffgleiches Medikament, das von einer anderen Firma kommt, eine andere Wirkstärke, Packungsgröße oder Darreichungsform hat. Wenn wir ein preiswertes Alternativpräparat suchen, finden das die Krankenkassen meist auch gut. Wenn es aber ein paar Euro teurer wird, dürfen wir entweder gar nicht agieren oder müssen das sehr aufwendig dokumentieren. Ich wünsche mir für alle Apothekenteams und in meiner Apotheke mehr Entscheidungsfreiheiten für den Austausch von Medikamenten, damit ich meine Patientinnen und Patienten schneller und besser versorgen kann.
Wenn der Wirkstoff von keiner Firma verfügbar ist – man spricht dann von einem Versorgungsengpass – würde ich ja sowieso Rücksprache mit der Arztpraxis halten und nicht einfach irgendetwas abgeben. Grundsätzlich muss uns aber klar sein, dass diese Versorgungssicherheit nicht zum Nulltarif zu haben ist.“
Dieser Artikel erschien zuerst im Juni 2025.









