• Eine Beziehung ohne Sex – kann das funktionieren?
  • Psychologen gehen dieser Frage auf den Grund
  • Worauf es ankommt, damit eine Beziehung glücklich ist

Kann eine sexlose Beziehung oder Ehe glücklich sein? Die „New York Times Magazine“-Journalistin Amanda Montei, befragte 30 verheiratete Paare zu ihrem Sexleben – und stellte die kontroverse These auf: Eine Ehe ohne Sex kann glücklich sein. Das dürfte viele Paare erst einmal erleichtern, denn die Häufigkeit, mit der Menschen Sex haben, nimmt in den letzten Jahren ab.

Dennoch kam Monteis Behauptung für viele überraschend. Regelmäßiger Sex gilt als wichtiger Indikator einer erfüllten Ehe. Was ist also wirklich dran an der These? Franz J. Neyer, Professor von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, untersuchte den Mythos der „happy sexless couples“ mit Kolleginnen und Kollegen aus Kanada und den USA. Das Ergebnis spricht Bände.

Lesen Sie auch

Sex-Häufigkeit: Deutsche Paare tun es im Schnitt einmal pro Woche

Für ihre Studie werteten die Psychologen Informationen von über 2100 deutschen, heterosexuellen Paaren im überwiegenden Alter zwischen 20 und 39 Jahren aus. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Magazin „Journal of Family Psychology“. Besonders hervorstechend: 86 Prozent der befragten Paare gaben an, sehr zufrieden mit ihrer Beziehung zu sein – bei im Schnitt einmal Sex pro Woche. 3,6 Prozent hatten dagegen weniger als zwei bis dreimal im Monat Sex und erlebten geringere Zufriedenheit in ihrer Beziehung.

In zwei weiteren Gruppen waren sich die Partner uneinig, was die Zufriedenheit in ihrer Beziehung angeht: In vier Prozent der Fälle war die Partnerin zufrieden und der Partner nicht, bei weiteren sechs Prozent zeigte die Statistik umgekehrte Ergebnisse. Nur etwa 2,3 Prozent der Paare berichteten, seltener Sex zu haben und in ihrer Beziehung dennoch „hochzufrieden“ zu sein.

„Die signifikante Gruppe der ,happy sexless couples‘ gibt es also nicht“, resümiert der Jenaer Persönlichkeitspsychologe Neyer. Er betont jedoch, dass die Studie kein normatives Bild einer glücklichen Beziehung zeichne. „Jede Beziehung ist anders und viele verschiedene Faktoren, die wir in dieser Analyse nicht aufgreifen, spielen für die Zufriedenheit eine Rolle“, erklärt er.

Einschränkung der Studien: Teilnehmer waren eher jünger

Die untersuchten Daten entstammten der bundesweiten Langzeitstudie Pairfam, die seit 2008 jährlich Personen zu ihren partnerschaftlichen und familiären Lebensweisen befragt. Dabei haben sich die Forschenden jedoch auf die recht junge Altersgruppe unter 40 Jahren beschränkt. Auch in Monteis Artikel des „New York Times Magazine“ ist diese Gruppe kaum befragt worden. Rückschlüsse auf die Zufriedenheit von Paaren in dem Alter sind so nicht möglich.

In ihrer Mitteilung schreiben die Psychologen: Untersuchungen dieser Art seien wichtig, „um zu zeigen, dass solche medial häufig thematisierten Beziehungsphänomene nicht zwingend die Realität abbilden.“ Die Wissenschaft könnte die Forschungsfragen in die Öffentlichkeit bringen und gesellschaftliche Diskurse anregen.

Dieser Artikel wurde erstmals im April 2025 veröffentlicht.