- Allergiesymptome quälen viele Allergiker im Frühling
- Eine Hyposensibilisierung kann helfen, Beschwerden zu lindern
- Doch ist die Behandlung auch im Alter noch sinnvoll?
Juckende Augen, laufende Nase, asthmatischer Husten – Symptome wie diese quälen Allergikerinnen und Allergiker egal in welchem Alter. Viele Betroffene glauben, dass eine Hyposensibilisierung, die Allergiereaktionen abschwächen soll, nur für junge Menschen sinnvoll ist. Aber das ist ein weit verbreiteter Irrtum und heute aus wissenschaftlicher Sicht überholt. Auch jenseits der 50 kann diese spezifische Immuntherapie wirksam sein – und Beschwerden langfristig lindern. Allergologe Dr. Michael Gerstlauer vom Universitätsklinikum Augsburg erklärt, warum sich die Therapie in jedem Alter lohnen kann.
Schließlich machen Allergien keinen Halt vor einem bestimmten Alter. Im Gegenteil: Im Laufe des Lebens kann ein Mensch immer wieder neue Allergien entwickeln. Auch Menschen über 50 leiden unter Heuschnupfen, Hausstaub- oder Insektengiftallergien.
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Doch ab einem gehobeneren Alter schrecken noch immer viele vor einer Behandlung zurück – aus Angst vor Nebenwirkungen oder weil sie denken, es sei „zu spät“ für eine Umstellung des Immunsystems. „Diese Annahme ist schlicht falsch“, sagt Dr. Gerstlauer, ebenfalls Vizepräsident der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, im Gespräch mit der Redaktion. „Es gibt keine Altersgrenze für die Hyposensibilisierung. Entscheidend ist der Gesundheitszustand, nicht die Jahreszahl im Pass.“
Tatsächlich ging man früher in der Forschung davon aus, dass eine Hyposensibilisierung im höheren Alter weniger wirksam oder nicht mehr sinnvoll sei. Die meisten Studien lagen für Kinder und junge Erwachsene vor – ältere Patientengruppen wurden kaum untersucht. „Das war lange ein blinder Fleck in der Allergieforschung“, so Gerstlauer. „Doch inzwischen wissen wir: Auch bei Menschen über 50 kann die Immuntherapie hochwirksam sein.“
Neuere Studien belegen, dass auch bei älteren Menschen allergische Reaktionen durch die allergenspezifische Immuntherapie, wie sie fachsprachlich genannt wird, deutlich reduziert werden können. Die Erfolgsraten sind dabei vergleichbar mit denen jüngerer Patientinnen und Patienten – vorausgesetzt, die Therapie ist individuell angepasst.

Hyposensibilisierung überzeugt mit guter Verträglichkeit in jedem Alter
Ziel der Hyposensibilisierung ist es, das Immunsystem langfristig an das Allergen zu gewöhnen. So kann die übermäßige Reaktion etwa auf Pollen, Milben oder Insektengift deutlich gemindert oder sogar gestoppt werden. Es ist die einzige ursächliche Behandlungsmethode bei vielen allergischen Erkrankungen. Statt nur Symptome zu lindern, wie es Medikamente wie Antihistaminika tun, verändert sie die Immunantwort selbst.
„Auch bei älteren Patientinnen und Patienten sehen wir gute Erfolge – sowohl bei Pollen- als auch bei Insektengiftallergien“, erklärt Gerstlauer. „Natürlich muss man individuell prüfen, ob die Behandlung sinnvoll und möglich ist. Aber wenn keine schweren Begleiterkrankungen vorliegen, spricht in der Regel nichts dagegen.“ Wie bei allen medizinischen Therapien gilt: Voraussetzung ist eine sorgfältige Diagnostik und individuelle Risikoabwägung. Die gute Nachricht: Die Hyposensibilisierung ist in der Regel sehr gut verträglich – bei Kindern genau wie bei älteren Menschen.
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Entscheide sich ein Patient oder eine Patientin für eine Hyposensibilisierung, gebe es immer zuerst eine fundierte allergologische Abklärung. „Danach schauen wir gemeinsam, ob eine Immuntherapie sinnvoll ist – und welche Form am besten passt“, so der Allergologe. Zur Auswahl stehen dabei zwei Varianten: die subkutane Immuntherapie (SCIT) in Form von Spritzen ins Unterhautfettgewebe und die sublinguale Immuntherapie (SLIT) mit Tropfen oder Tabletten.
Hyposensibilisierung kann auch ab 50 Jahren Allergie-Symptome lindern
Zwar ist es richtig, dass ein früher Start auch präventiv gegen die Entwicklung etwa von allergischem Asthma helfen kann – doch das bedeutet nicht, dass spätere Behandlungen nutzlos sind. „Wir erleben oft, dass gerade ältere Patienten sagen: Hätte ich das bloß früher gewusst!“, berichtet Gerstlauer. „Aber auch mit 50, 60 oder 70 kann man seine Lebensqualität enorm verbessern – und zum Beispiel wieder entspannt den Frühling genießen.“
Eine Hyposensibilisierung könne auch jenseits der 50 noch immer helfen, Symptome zu lindern und Folgeerkrankungen zu verhindern. „Wenn die Allergie belastet und keine medizinischen Kontraindikationen bestehen, dann lohnt sich die Hyposensibilisierung in jedem Alter“, betont Gerstlauer und schmunzelt: „Nur, ob ich damit jetzt noch bei meinem 84-jährigen Vater beginnen würde – ich glaube eher nicht.“
Dieser Artikel erschien erstmals im April 2025.









